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Asylleistungen: Alleinstehende Frau setzt höheren Regelsatz durch

Beitragsbild von: Asylleistungen: Alleinstehende Frau setzt höheren Regelsatz durch

26. Oktober 2026

Asylleistungen: Alleinstehende Frau setzt höheren Satz trotz Gemeinschaftsunterkunft durch Eine gemeinsame Adresse ist noch kein gemeinsamer Haushalt. Das Sozialgericht Magdeburg hat einer alleinstehenden Frau in einer Gemeinschaftsunterkunft vorläufig höhere Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz zugesprochen. Nach dem Beschluss vom 8. Oktober 2026 muss der Altmarkkreis Salzwedel ab dem 23. September 2026 die Bedarfsstufe 1 statt 2 anwenden. Bereits gewährte Leistungen werden angerechnet; die Anordnung gilt längstens bis zum 31. März 2027. Eine Unterkunft macht aus Fremden keinen gemeinsamen Haushalt Die niedrigere Bedarfsstufe für alleinstehende Erwachsene in Sammelunterkünften beruht auf einer umstrittenen Annahme: Die Bewohner könnten durch gemeinsames Wirtschaften ähnlich sparen wie Paare. Deshalb sieht das Gesetz für sie einen um etwa zehn Prozent niedrigeren Bedarfssatz vor. Doch wer eine Küche oder einen Flur teilt, kauft deshalb noch lange nicht gemeinsam Lebensmittel ein oder bezahlt persönliche Ausgaben aus einer gemeinsamen Kasse. Die Unterbringung allein belegt keine Ersparnis, die einen solchen Abschlag tragen könnte. Das Bundesverfassungsgericht hat eine vergleichbare Absenkung beanstandet Das Bundesverfassungsgericht erklärte mit Beschluss vom 19. Oktober 2022 die entsprechende Sonderbedarfsstufe bei den sogenannten Analogleistungen nach § 2 AsylbLG für unvereinbar mit dem Grundgesetz. Für alleinstehende Erwachsene in den betroffenen Unterkünften ordnete es unter den dortigen Voraussetzungen Leistungen nach Regelbedarfsstufe 1 an. Die Verfassungsrichter beanstandeten die fehlende tragfähige Grundlage für angenommene Einsparungen durch gemeinsames Wirtschaften. Der Staat darf das menschenwürdige Existenzminimum nicht mit einer Ersparnis berechnen, für die es keine hinreichende tatsächliche Grundlage gibt. Warum Magdeburg auch bei Grundleistungen den höheren Satz zuspricht Im Magdeburger Verfahren ging es um Grundleistungen nach §§ 3 und 3a AsylbLG. Die Behörde hielt an der niedrigeren Stufe fest, weil die Entscheidung aus Karlsruhe unmittelbar eine andere Vorschrift betraf. Das Sozialgericht hielt die verfassungsrechtlichen Überlegungen jedoch für übertragbar und die niedrigere Einstufung auch hier mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für verfassungswidrig. Es sah keine tragfähige Grundlage dafür, bei alleinstehenden Bewohnern solcher Unterkünfte regelmäßig entsprechende Einsparungen anzunehmen. Auch das Bundessozialgericht hat diese Frage dem Bundesverfassungsgericht vorgelegt: mit Beschluss vom 26. September 2024, B 8 AY 1/22 R. Das dortige Verfahren wird unter dem Aktenzeichen 1 BvL 1/25 geführt. 2026 liegen zwischen den Bedarfssätzen 46 Euro Nach den vom Bundesarbeitsministerium veröffentlichten Sätzen für 2026 ergeben notwendiger und notwendiger persönlicher Bedarf in Stufe 1 zusammen 455 Euro monatlich. In Stufe 2 sind es 409 Euro, also 46 Euro weniger. Diese Differenz lässt sich allerdings nicht ohne Prüfung des Bescheids mit zusätzlichem Bargeld gleichsetzen. Leistungen können auch als Sachleistungen oder über eine Bezahlkarte erbracht werden; Unterkunft und Heizung werden nach den gesetzlichen Vorgaben gesondert berücksichtigt. Die höheren Leistungen stehen unter Rückforderungsvorbehalt Der Erfolg im Eilverfahren ist eine vorläufige Absicherung. Die Zahlung steht ausdrücklich unter Rückforderungsvorbehalt, sodass bei einem späteren abweichenden Ausgang eine Rückzahlung verlangt werden kann. Die Anordnung ist außerdem an das weitere Verfahren über den Widerspruch gebunden und endet spätestens am 31. März 2027. Sie hebt die gesetzliche Regelung nicht allgemein auf und verschafft anderen Bewohnern nicht automatisch höhere Leistungen. Was Betroffene und Beratungsstellen jetzt prüfen sollten Für alleinstehende Leistungsberechtigte lohnt zunächst der Blick in den Berechnungsbogen: Welche Leistungsart und welche Bedarfsstufe wurden angesetzt? Dabei muss zwischen Grundleistungen nach §§ 3, 3a AsylbLG und Analogleistungen nach § 2 AsylbLG unterschieden werden. Wer einen aktuellen Bescheid angreifen möchte, sollte die Rechtsbehelfsbelehrung und die Widerspruchsfrist beachten. Der Widerspruch ist grundsätzlich innerhalb eines Monats nach Bekanntgabe bei der Behörde einzulegen. Bei einer gegenwärtigen finanziellen Notlage kommt zusätzlich ein Eilantrag beim Sozialgericht in Betracht. Er ersetzt weder den rechtzeitigen Widerspruch noch eine gegebenenfalls notwendige Klage. Warum Gerichte bei existenzsichernden Leistungen die Dringlichkeit besonders gewichten müssen, zeigt auch der Gegen-Hartz-Beitrag zum Eilrechtsschutz bei zu niedrigen Asylleistungen. Hinweise zu nachvollziehbaren Angaben und Belegen enthält außerdem der Beitrag über typische Fehler beim Eilantrag vor dem Sozialgericht. Veröffentlichter Beschlusstext, keine Gerichtsmitteilung Grundlage dieses Berichts ist die nichtamtliche Volltextwiedergabe der vertretenden Kanzlei Sven Adam, veröffentlicht am 16. Oktober 2026. Ob der Beschluss S 31 AY 177/26 ER rechtskräftig geworden ist, lässt sich daraus nicht feststellen. Ein kurzes Beispiel aus der Beratungspraxis Fiktives Beispiel: Amina lebt alleinstehend in einer Gemeinschaftsunterkunft und erhält Grundleistungen nach Bedarfsstufe 2. Sie nutzt zwar dieselbe Küche wie andere Bewohner, kauft aber für sich ein und führt keine gemeinsame Haushaltskasse. Eine Beratungsstelle prüft ihren Bescheid, unterstützt sie gegebenenfalls beim fristgerechten Widerspruch und verweist auf den Magdeburger Beschluss. Fehlt aktuell Geld für notwendige Ausgaben, kann zusätzlich ein begründeter Eilantrag gestellt werden; ob Amina vorläufig höhere Leistungen erhält, muss das zuständige Gericht prüfen.

Aktuelles

Beitragsbild von: Jobcenter fordert Bürgergeld zurück: Volljähriger Sohn muss selbst mitwirken

26. Oktober 2026

Auch wenn Mutter und volljähriger Sohn gemeinsam Bürgergeld beziehen, hat jeder einen eigenen Leistungsanspruch. Der Sohn muss deshalb selbst daran mitwirken, die Voraussetzungen für seine Leistungen zu klären. Das verdeutlicht das Urteil des Landessozialgerichts Berlin-Brandenburg vom 17. Juni 2026 (L 9 AS 467/26). Die Vertretung der Bedarfsgemeinschaft gegenüber dem Jobcenter macht die Mutter umgekehrt nicht zur Schuldnerin einer Rückforderung, die ihren Sohn betrifft. Mutter verlangte Klarheit über den Status ihres Sohnes Die Klägerin lebte mit ihrem volljährigen Sohn in einem Haushalt und hatte mit ihm über längere Zeit Leistungen nach dem SGB II erhalten. Sie vertrat die Auffassung, ihr Sohn bilde seit seinem 18. Geburtstag eine eigene Bedarfsgemeinschaft. Vom Jobcenter verlangte sie eine verbindliche Entscheidung: Entweder müsse ihr Sohn als eigenständiger Leistungsberechtigter mit eigenen Mitwirkungspflichten gelten oder als Mitglied ihrer Bedarfsgemeinschaft ohne solche Pflichten. Dass beides zusammengehören kann, hielt sie für rechtlich ausgeschlossen. Das Jobcenter widersprach und verweigerte einen gesonderten Statusbescheid. Daraufhin zog die Mutter vor Gericht, scheiterte aber sowohl beim Sozialgericht Berlin als auch im Berufungsverfahren. Die Bedarfsgemeinschaft hat keinen gemeinsamen Leistungsanspruch Der rechtliche Ausgangspunkt der Mutter war falsch: Die Leistungen gehören nicht einer Bedarfsgemeinschaft als Ganzes, sondern den einzelnen anspruchsberechtigten Menschen. Auch wenn das Jobcenter mehrere Familienmitglieder gemeinsam berechnet und in einem Bescheid aufführt, bleiben ihre Ansprüche individuell. Für Ihren volljährigen Sohn bedeutet das: Er kann Mitglied Ihrer Bedarfsgemeinschaft und zugleich selbst Leistungsberechtigter sein. Eine eigene Bedarfsgemeinschaft oder eine zusätzliche BG-Nummer braucht er dafür nicht. Auch der 18. Geburtstag beendet die Zugehörigkeit zur elterlichen Bedarfsgemeinschaft nicht für sich genommen. Welche Voraussetzungen bei jungen Erwachsenen gelten, erläutert der Beitrag Bedarfsgemeinschaft: Wen das Jobcenter mitrechnen darf – und wen nicht. Eigene Leistungen bringen eigene Mitwirkungspflichten mit sich Wer Sozialleistungen beantragt oder erhält, muss leistungsrelevante Tatsachen angeben und erforderliche Nachweise vorlegen. Diese Verpflichtung entfällt nicht, wenn die Mutter den Antrag für mehrere Familienmitglieder eingereicht hat. Das LSG betont die individuellen Mitwirkungspflichten des jeweiligen Mitglieds, soweit sie dessen eigenen Verantwortungsbereich betreffen. Der Sohn kann deshalb nicht verlangen, von eigenen Pflichten befreit zu bleiben, nur weil das Jobcenter ihn innerhalb der Bedarfsgemeinschaft berücksichtigt. Dabei hat das Gericht keine bestimmte Unterlagenanforderung oder Leistungseinstellung gegen den Sohn bestätigt. Es stellte vielmehr fest, dass die Mutter schon nicht erkennen ließ, welche konkreten Mitwirkungspflichten sie überhaupt beanstandete. Das Jobcenter darf trotzdem nicht jede Forderung durchsetzen Aus der eigenen Mitwirkungspflicht folgt kein unbegrenztes Recht des Jobcenters, Unterlagen zu verlangen. Die gesetzlichen Grenzen der Mitwirkung gelten auch für volljährige Kinder in einer Bedarfsgemeinschaft. Soll eine Leistung wegen fehlender Mitwirkung versagt oder entzogen werden, müssen die gesetzlichen Voraussetzungen vorliegen. Dazu gehören ein schriftlicher Hinweis auf diese Folge und eine angemessene Frist, innerhalb derer die betroffene Person noch mitwirken kann. Eine solche Entscheidung ist daher mehr als die bloße Feststellung, dass ein Dokument fehlt. Welche Anforderungen das Jobcenter beachten muss, erklärt der Beitrag Unterlagen fehlen: Darf das Jobcenter Grundsicherung einfach ablehnen? Ein zusätzlicher Statusbescheid ist nicht erforderlich Die Mutter wollte vorab verbindlich klären lassen, welche rechtliche Stellung ihr Sohn einnimmt. Nach Auffassung des LSG musste das Jobcenter dafür jedoch keinen eigenen Bescheid erlassen. Über die Zugehörigkeit zur Bedarfsgemeinschaft entscheidet die Behörde im Rahmen ihrer Leistungsbescheide. Dort lässt sich auch überprüfen, ob sie Einkommen richtig berücksichtigt, Unterkunftskosten zutreffend verteilt und die Ansprüche der einzelnen Personen korrekt berechnet hat. Das ist für Betroffene praktisch wichtig: Ein Streit über die Bedarfsgemeinschaft muss an der konkreten Entscheidung ansetzen. Ein Antrag auf allgemeine Statusklärung ersetzt den Rechtsbehelf gegen einen belastenden Bescheid nicht. Warum die Feststellungsklage scheiterte Das LSG bestätigte die Abweisung der Klage als unzulässig. Die Mutter wollte einzelne Voraussetzungen und rechtliche Vorfragen klären lassen, die im Verfahren gegen die jeweiligen Leistungsentscheidungen zu prüfen sind. Dafür kommen je nach Entscheidung eine Anfechtungsklage und gegebenenfalls eine damit verbundene Leistungsklage in Betracht. Die beantragte Feststellung konnte diesen vorgesehenen Rechtsschutz nicht ersetzen. Wenn Sie eine Berechnung, Ablehnung oder Versagung beanstanden, sollten Sie deshalb den betreffenden Bescheid genau benennen und die Rechtsbehelfsbelehrung beachten. Hinweise zum Vorgehen finden Sie im Ratgeber Widerspruch gegen den Bürgergeld-Bescheid. Rückforderungen muss das Jobcenter einzeln zuordnen Die individuellen Ansprüche haben eine zweite Seite, die Familien vor pauschalen Rückforderungen schützt. Fordert das Jobcenter Leistungen zurück, muss es die Aufhebung der Bewilligung und die Erstattungsforderung dem jeweils betroffenen Leistungsempfänger zuordnen. Entscheidend ist, wem die Leistung rechtlich bewilligt wurde. Dass das Geld möglicherweise auf das Konto der Mutter floss, macht sie allein noch nicht zur Schuldnerin der für den Sohn gezahlten Leistungen. Das LSG stellt ausdrücklich klar, dass die vermutete Bevollmächtigung nach § 38 SGB II keine Einstandspflicht der vertretenden Person begründet. Die Mutter übernimmt durch die Beantragung und Entgegennahme der Leistungen also keine allgemeine Haftung für Erstattungsforderungen gegen andere Familienmitglieder. Bereits frühere Entscheidungen haben beanstandet, wenn Behörden ihre Forderungen pauschal an eine ganze Familie richten. Dazu passt der Beitrag Keine Rückforderungen gegen Bedarfsgemeinschaften. Was das Urteil nicht entschieden hat Aus der zurückgewiesenen Berufung folgt nicht, dass sämtliche Berechnungen, Mitwirkungsaufforderungen oder Rückforderungen des Jobcenters gegenüber dieser Familie rechtmäßig waren. Das Verfahren betraf die verlangte Statusklärung und den dafür gewählten gerichtlichen Weg. Wer einen konkreten Fehler des Jobcenters angreifen will, muss ihn deshalb weiterhin am jeweiligen Bescheid prüfen lassen. Sechs Fragen und Antworten Muss mein volljähriger Sohn selbst mitwirken, obwohl ich den Antrag gestellt habe? Ja, soweit ihn als Antragsteller oder Leistungsberechtigten eigene Mitwirkungspflichten treffen. Die Vertretung durch einen Elternteil beseitigt diese Pflichten nicht. Hat mein Sohn innerhalb meiner Bedarfsgemeinschaft einen eigenen Anspruch? Ja, sofern die gesetzlichen Leistungsvoraussetzungen vorliegen. Die Bedarfsgemeinschaft führt die individuellen Ansprüche nicht zu einem einzigen Anspruch der Mutter zusammen. Braucht mein Sohn dafür einen eigenen Statusbescheid? Nein, nach dem LSG ist ein zusätzlicher statusbegründender Bescheid nicht erforderlich. Das Jobcenter entscheidet über die Einordnung im Rahmen der Leistungsbescheide. Darf das Jobcenter wegen fehlender Unterlagen sofort die Zahlung einstellen? Eine Versagung oder Entziehung wegen fehlender Mitwirkung setzt die gesetzlichen Voraussetzungen voraus. Vorher muss die betroffene Person schriftlich auf diese Folge hingewiesen werden und eine angemessene Frist zur Mitwirkung erhalten. Muss ich Rückforderungen gegen meinen Sohn bezahlen? Nicht allein deshalb, weil Sie die Bedarfsgemeinschaft vertreten oder die Leistungen auf Ihr Konto erhalten haben. Die Erstattungsforderung muss sich gegen den jeweiligen Leistungsempfänger richten. Wie gehe ich gegen eine falsche Einordnung durch das Jobcenter vor? Greifen Sie den konkreten belastenden Bescheid mit dem dafür vorgesehenen Rechtsbehelf an. Eine allgemeine Feststellungsklage über den Status ersetzt dieses Vorgehen nicht. Quellen Bundesministerium der Justiz und Bundesamt für Justiz: Sozialgesetzbuch I, § 66 – Folgen fehlender Mitwirkung. Landessozialgericht Berlin-Brandenburg: Urteil vom 17.06.2026 – L 9 AS 467/26, insbesondere Randnummern 40 bis 43; Volltext wiedergegeben bei urteile.ai.

Beitragsbild von: Wohngeld: So viele Quadratmeter darf eine zwei Personen-Wohnung haben

26. Oktober 2026

Viele Paare und Zwei-Personen-Haushalte gehen davon aus, dass ihre Wohnung beim Wohngeld höchstens 60 Quadratmeter groß sein darf. Diese häufig genannte Grenze gilt beim Wohngeld jedoch nicht. Das Wohngeldgesetz schreibt für zwei Personen keine feste Obergrenze bei der Wohnfläche vor. Auch eine Wohnung mit 70, 80 oder mehr Quadratmetern kann daher grundsätzlich mit Wohngeld gefördert werden. Beim Wohngeld gibt es keine Quadratmetergrenze Die Größe der Wohnung gehört nicht zu den unmittelbaren Berechnungsgrößen des Wohngeldes. Nach § 4 Wohngeldgesetz kommt es auf die Zahl der berücksichtigungsfähigen Haushaltsmitglieder, die anrechenbare Miete oder Belastung und das Gesamteinkommen an. Für einen Zwei-Personen-Haushalt ist deshalb nicht entscheidend, ob die Wohnung 60, 70 oder 90 Quadratmeter hat. Die Wohngeldstelle prüft vielmehr, welcher Teil der tatsächlichen Wohnkosten in die Berechnung einfließen darf. Eine größere Wohnung führt somit nicht automatisch zur Ablehnung des Antrags. Allerdings kann ein Teil der Miete unberücksichtigt bleiben, wenn die Wohnkosten über dem gesetzlichen Höchstbetrag liegen. Warum häufig von 60 Quadratmetern gesprochen wird Der Richtwert von ungefähr 60 Quadratmetern für zwei Personen stammt vor allem aus anderen Sozialleistungsbereichen. Beim Bürgergeld und bei der Sozialhilfe werden für die vollständige Übernahme der Unterkunftskosten häufig örtliche Flächen- und Mietrichtwerte verwendet. Für zwei Personen werden dabei oftmals etwa 60 Quadratmeter und zwei Wohnräume als Orientierung genannt. Welche Werte gelten, hängt allerdings von den Vorgaben der jeweiligen Kommune oder des Bundeslandes ab. Diese Regeln dürfen nicht ohne Weiteres auf das Wohngeld übertragen werden. Das Wohngeld ist lediglich ein Zuschuss zu den Wohnkosten und keine vollständige Übernahme der Miete durch den Staat. Weitere Informationen zu den Unterschieden bietet der Beitrag Wohngeld oder Grundsicherungsgeld beantragen?. Für zwei Personen ist die Mietenstufe entscheidend Die berücksichtigungsfähigen Wohnkosten richten sich nach der Zahl der Haushaltsmitglieder und der Mietenstufe des Wohnortes. Deutschland ist hierfür in die Mietenstufen I bis VII eingeteilt. Mietenstufe I gilt für Regionen mit vergleichsweise niedrigen Mieten. Mietenstufe VII betrifft besonders teure Städte und Gemeinden. Nach § 12 Wohngeldgesetz werden für jede Haushaltsgröße und Mietenstufe Höchstbeträge festgelegt. Liegt die tatsächliche Miete darüber, wird der Antrag nicht allein deshalb abgelehnt, doch der übersteigende Betrag erhöht das Wohngeld nicht. Diese Wohnkosten werden 2026 bei zwei Personen höchstens angesetzt Für einen Zwei-Personen-Haushalt liegt der Grundhöchstbetrag der berücksichtigungsfähigen Miete 2026 zwischen 437 Euro in Mietenstufe I und 820 Euro in Mietenstufe VII. Hinzu kommen eine pauschale Heizkostenkomponente von 142,60 Euro und eine Klimakomponente von 24,80 Euro. Damit ergibt sich für die Wohngeldberechnung ein Gesamtbetrag zwischen 604,40 Euro und 987,40 Euro. Diese Beträge sind keine garantierte Wohngeldzahlung, sondern lediglich die höchstmögliche Berechnungsgrundlage für die Wohnkosten. Mietenstufe Höchster Wohnkostenbetrag 2026 einschließlich Pauschalen Mietenstufe I 604,40 Euro Mietenstufe II 660,40 Euro Mietenstufe III 718,40 Euro Mietenstufe IV 786,40 Euro Mietenstufe V 847,40 Euro Mietenstufe VI 912,40 Euro Mietenstufe VII 987,40 Euro Die tatsächliche Bruttokaltmiete wird zunächst auf den jeweiligen Grundhöchstbetrag begrenzt. Erst anschließend werden die pauschale Heizkosten- und Klimakomponente für zwei Haushaltsmitglieder hinzugerechnet. Das Bundesbauministerium weist darauf hin, dass die tatsächlichen Heiz- und Warmwasserkosten nicht einzeln übernommen werden. Stattdessen fließt eine nach der Haushaltsgröße gestaffelte Pauschale in die Berechnung ein. Eine größere Wohnung kann trotzdem vollständig berücksichtigt werden Eine Wohnung mit mehr als 60 Quadratmetern ist nicht automatisch zu teuer. Entscheidend ist, wie hoch die Bruttokaltmiete ausfällt und welcher Mietenstufe der Wohnort zugeordnet ist. Ein Paar kann beispielsweise in einer 80 Quadratmeter großen Wohnung wohnen und dennoch Wohngeld erhalten. Liegt die Bruttokaltmiete innerhalb des für den Wohnort geltenden Grundhöchstbetrags, kann sie vollständig in die Berechnung einfließen. Umgekehrt kann eine Wohnung mit nur 55 Quadratmetern so teuer sein, dass ein Teil der Miete nicht mehr berücksichtigt wird. Die Quadratmeterzahl allein sagt deshalb wenig über den Wohngeldanspruch aus. Was passiert bei einer Miete oberhalb des Höchstbetrags? Überschreitet die Bruttokaltmiete den Grundhöchstbetrag, rechnet die Wohngeldstelle nur mit dem gesetzlichen Höchstwert. Den darüberliegenden Teil müssen die Bewohner vollständig aus ihrem eigenen Einkommen bezahlen. Der Wohngeldanspruch fällt dadurch nicht automatisch weg. Ein Zuschuss kann weiterhin gezahlt werden, sofern die übrigen Voraussetzungen erfüllt sind. Ob tatsächlich Wohngeld gezahlt wird, hängt außerdem vom wohngeldrechtlichen Gesamteinkommen ab. Eine für alle Haushalte geltende Einkommensgrenze gibt es nicht, wie der Beitrag Bis zu welchem Einkommen bekommt man Wohngeld? erläutert. Auch die Zusammensetzung des Haushalts wird geprüft Bei zwei Bewohnern handelt es sich nicht in jedem Fall automatisch um einen Zwei-Personen-Wohngeldhaushalt. Die Behörde prüft, ob beide Personen als Haushaltsmitglieder im Sinne des Wohngeldgesetzes gelten. Ehepartner, eingetragene Lebenspartner, Eltern, Kinder und Personen in einer Verantwortungs- und Einstehensgemeinschaft gehören regelmäßig zum Haushalt, wenn sie gemeinsam in der Wohnung leben. Bei einer reinen Wohngemeinschaft kann die Bewertung anders ausfallen. Bezieht eine der beiden Personen bereits eine Sozialleistung, in der Unterkunftskosten enthalten sind, kann sie vom Wohngeld ausgeschlossen sein. In diesem Fall wird möglicherweise nur der anteilige Mietbetrag für die wohngeldberechtigte Person berücksichtigt. Ein Umzug ist wegen der Wohnfläche nicht erforderlich Eine Wohngeldstelle kann einen Zwei-Personen-Haushalt nicht allein deshalb zum Umzug auffordern, weil die Wohnung größer als 60 Quadratmeter ist. Ein solches Kostensenkungsverfahren, wie es aus der Grundsicherung bekannt ist, sieht das Wohngeldrecht nicht vor. Der finanzielle Nachteil einer besonders teuren Wohnung besteht darin, dass nur die gedeckelten Wohnkosten in die Berechnung eingehen. Der darüberliegende Mietanteil bleibt beim Zuschuss außen vor. Wer bereits in einer größeren Wohnung lebt, sollte daher nicht vorschnell auf einen Antrag verzichten. Auch bei 70, 80 oder 90 Quadratmetern kann ein Wohngeldanspruch bestehen. Eine ähnliche Einordnung für alleinlebende Personen enthält der Beitrag Wohngeld: So viele Quadratmeter darf die Wohnung für eine Person haben. Beispiel aus der Praxis Ein Ehepaar lebt in einer 78 Quadratmeter großen Mietwohnung in einer Gemeinde der Mietenstufe IV. Die monatliche Bruttokaltmiete beträgt 700 Euro. Für zwei Personen gilt in Mietenstufe IV 2026 ein Grundhöchstbetrag von 619 Euro. Von der tatsächlichen Bruttokaltmiete bleiben deshalb 81 Euro bei der Berechnung unberücksichtigt. Zur gedeckelten Miete werden die Heizkostenkomponente von 142,60 Euro und die Klimakomponente von 24,80 Euro hinzugerechnet. Die Wohngeldstelle kann somit mit einem Gesamtbetrag von höchstens 786,40 Euro rechnen. Die 78 Quadratmeter große Wohnung verhindert den Anspruch nicht. Ob und in welcher Höhe Wohngeld gezahlt wird, hängt anschließend vor allem vom bereinigten Einkommen des Ehepaars ab. Fazit: Auch mehr als 60 Quadratmeter sind erlaubt Für zwei Personen gibt es beim Wohngeld keine festgeschriebene maximale Wohnfläche. Die oft genannten 60 Quadratmeter sind eine Orientierung aus anderen Sozialleistungsbereichen und keine Ausschlussgrenze beim Wohngeld. Entscheidend sind die Mietenstufe, die anrechenbare Bruttokaltmiete, die Haushaltsgröße und das wohngeldrechtliche Einkommen. Eine größere Wohnung kann den Zuschuss begrenzen, schließt ihn aber nicht automatisch aus. Häufige Fragen und Antworten 1. Darf eine Wohnung für zwei Personen beim Wohngeld größer als 60 Quadratmeter sein? Ja. Das Wohngeldgesetz enthält keine feste Quadratmetergrenze, sodass auch Wohnungen mit 70, 80 oder mehr Quadratmetern berücksichtigt werden können. 2. Wird Wohngeld bei einer zu großen Wohnung abgelehnt? Nein. Die Wohnfläche allein ist kein Ablehnungsgrund. Liegt die Miete über dem gesetzlichen Höchstbetrag, wird lediglich ein Teil der tatsächlichen Kosten nicht berücksichtigt. 3. Wie hoch darf die Miete für zwei Personen 2026 sein? Der Grundhöchstbetrag liegt je nach Mietenstufe zwischen 437 Euro und 820 Euro. Zusammen mit der Heizkosten- und Klimakomponente ergibt sich eine Berechnungsgrundlage zwischen 604,40 Euro und 987,40 Euro. 4. Welche Miete wird beim Wohngeld berücksichtigt? Ausgangspunkt ist grundsätzlich die Bruttokaltmiete. Dazu gehören die Nettokaltmiete und kalte Betriebskosten, nicht jedoch die tatsächlichen Heiz-, Warmwasser- und Stromkosten. 5. Muss ein Paar wegen einer großen Wohnung umziehen? Nein. Eine Aufforderung zur Kostensenkung oder zum Umzug allein wegen der Quadratmeterzahl ist im Wohngeldrecht nicht vorgesehen.

Beitragsbild von: Wohngeld 2027: Höherer Bescheid soll weiterlaufen

26. Oktober 2026

Wohngeld-Kürzung 2027: Höherer Betrag soll auch bei spätem Bescheid bleiben Wer monatelang auf seinen Wohngeldbescheid wartet, soll durch die geplanten Kürzungen ab 2027 nicht zusätzlich Geld verlieren. Der Regierungsentwurf enthält dafür eine Übergangsregel, die auch bei einer Entscheidung nach dem Jahreswechsel den höheren Anspruch aus Dezember 2026 sichern kann. Für Haushalte mit wenig Einkommen kann das mehrere Hundert Euro ausmachen. Doch der Schutz ist befristet, an Voraussetzungen gebunden und bislang noch nicht als Gesetz beschlossen. Die Kürzung ist geplant, das Gesetz noch im Verfahren Stand 25. Oktober 2026 liegt ein Gesetzentwurf vor, über den das parlamentarische Verfahren noch läuft. Für den 4. November ist eine öffentliche Anhörung im Bundestag zur Wohngeldreform angekündigt. Die Bundesregierung will die für Januar 2027 vorgesehene Fortschreibung aussetzen, die Heizkostenkomponente halbieren und die Berechnungsformel verändern. Damit würde die Unterstützung vieler Haushalte sinken, obwohl deren Vermieter weiterhin die volle Miete verlangen. Eine halbierte Heizkostenkomponente bedeutet allerdings keine Halbierung des gesamten Wohngeldes. Wie stark ein Haushalt betroffen wäre, hängt von seiner vollständigen Berechnung ab. Bei offenen Anträgen soll der Dezember-Betrag geschützt werden Die Regelung steht im vorgesehenen § 42e Absatz 3 des Wohngeldgesetzes im Regierungsentwurf. Bei zum Jahresende offenen Anträgen soll zunächst bis Dezember 2026 nach bisherigem und ab Januar 2027 nach neuem Recht gerechnet werden. Ergibt sich ab Januar weniger Wohngeld als für Dezember, soll der höhere Dezember-Betrag für den restlichen Bewilligungszeitraum gelten. Eine langsame Bearbeitung soll damit für sich genommen keine Kürzung auslösen. Ein Antrag im Dezember allein reicht nicht Nach § 25 Absatz 2 Wohngeldgesetz beginnt der Bewilligungszeitraum grundsätzlich am Ersten des Antragsmonats. Die Anspruchsvoraussetzungen müssen dafür bereits vorliegen; entstehen sie erst später, verschiebt sich auch der Beginn. Wer erstmals für Dezember 2026 Wohngeld beanspruchen kann, befindet sich deshalb in einer anderen Lage als jemand, dessen neuer Bewilligungszeitraum erst im Januar 2027 startet. Ein im November oder Dezember gestellter Weiterleistungsantrag für Januar verschafft allein keinen Schutz durch den Dezember-Vergleich. Besondere gesetzliche Fälle einer rückwirkenden Bewilligung können ebenfalls erfasst werden, selbst wenn der Antrag erst 2027 gestellt wird. Daraus entsteht jedoch kein allgemeines Recht, einen versäumten Antrag nachzuholen. Welche Fälle die geplante Übergangsregel unterscheidet Ausgangslage Vorgesehene Behandlung 2026 bewilligter Zeitraum reicht in das Jahr 2027 Bewilligter Betrag soll grundsätzlich bis zum Ablauf bestehen bleiben. Antrag noch offen, Anspruch für Dezember 2026 vorhanden Höherer Dezember-Betrag soll im selben Bewilligungszeitraum geschützt sein. Neuer Bewilligungszeitraum beginnt erst im Januar 2027 Grundsätzlich neue Berechnung ohne Schutz aus dem vorherigen Zeitraum. Während der Bewilligung ist eine Neuentscheidung nach § 27 erforderlich Für Monate ab Januar 2027 soll neues Recht angewendet werden. Die Übersicht beschreibt den Regierungsentwurf und setzt dessen unveränderte Verabschiedung voraus. Änderungen im Gesetzgebungsverfahren bleiben möglich. Bereits bewilligtes Wohngeld soll zunächst weiterlaufen Für vor dem Jahreswechsel bewilligtes Wohngeld sieht der Entwurf ebenfalls eine Fortgeltung bis zum Ende des bisherigen Bewilligungszeitraums vor. Das bestätigt auch die Bundesregierung in ihrer Erläuterung zur geplanten Neuordnung. Ein bis Juni 2027 reichender Bescheid würde demnach grundsätzlich über den Jahreswechsel hinaus tragen. Beim anschließenden Bewilligungszeitraum kann die neue Berechnung dann zu weniger Unterstützung führen. Zusätzlich sollen sich örtliche Mietenstufen ändern, die die berücksichtigungsfähige Miete begrenzen. Warum auch eine höhere Einstufung kein höheres Wohngeld garantiert, erläutert unser Beitrag zu den geplanten Mietenstufen beim Wohngeld ab 2027. Bei veränderten Verhältnissen kann der Schutz enden Der Entwurf lässt die gesetzlichen Änderungsregeln ausdrücklich bestehen. Wird wegen veränderter Verhältnisse nach § 27 neu entschieden, soll für die Zeit ab Januar 2027 das neue Recht gelten. Schon heute können beispielsweise ein ausreichend gestiegenes Gesamteinkommen, eine erheblich gesunkene berücksichtigte Miete oder ein kleinerer Haushalt eine Neuberechnung auslösen. Mitteilungspflichten gegenüber der Wohngeldstelle bleiben deshalb zu beachten. Umgekehrt kann bei weniger Einkommen, höherer berücksichtigungsfähiger Miete oder einem zusätzlichen Haushaltsmitglied ein Erhöhungsantrag möglich sein. Welche Voraussetzungen dafür gelten, erklärt unser Beitrag „Wohngeld erhöhen: Nicht bis zum nächsten Antrag warten“. Rechtzeitig beantragen und den Bescheid genau prüfen Wer bereits 2026 die Voraussetzungen erfüllt, sollte seinen Antrag nicht aus Sorge vor langen Bearbeitungszeiten verschieben. Wohngeld wird grundsätzlich ab dem Antragsmonat bewilligt; Warten kann deshalb schon nach geltendem Recht Monatsansprüche kosten. Sinnvoll ist, den Eingang des Antrags zu dokumentieren und verlangte Unterlagen fristgerecht nachzureichen. Bei einem späteren Bescheid sollten insbesondere der Beginn des Bewilligungszeitraums, der Dezember-Anspruch und die Behandlung der Monate ab Januar geprüft werden. Die geplante Übergangsregel beschleunigt allerdings keine Auszahlung. Wer während der Bearbeitung seine Miete kaum aufbringen kann, hat trotz eines später gesicherten Anspruchs zunächst eine Finanzierungslücke. Der Bundesrat warnt davor, dass die Kürzungen Haushalte mit geringem Einkommen in die Grundsicherung drängen könnten. Damit stehen den erhofften Einsparungen beim Wohngeld mögliche zusätzliche Ausgaben in anderen Leistungssystemen gegenüber. Für Betroffene ist die Fortgeltung eines höheren Betrags deshalb eine wichtige Atempause. Bezahlbarer wird ihre Wohnung dadurch nicht, und nach Ablauf des geschützten Zeitraums kann dieselbe Miete mit einem kleineren Zuschuss zu stemmen sein. Kurzes Beispiel aus der Praxis Rentnerin Ingrid beantragt im Dezember 2026 erstmals Wohngeld, der Bewilligungszeitraum reicht von Dezember 2026 bis November 2027. Ihr Bescheid kommt im März 2027; angenommen, für Dezember ergeben sich 310 Euro und nach neuer Berechnung ab Januar nur 245 Euro monatlich. Bei unveränderten Verhältnissen und unveränderter Verabschiedung des Entwurfs bliebe es für Januar bis November bei 310 Euro. Der Schutz wäre damit in diesen elf Monaten 715 Euro wert; die bereits vergangenen Anspruchsmonate würden nachträglich ausgezahlt.

Beitragsbild von: Pflegereform 2027: 6 Dinge noch vor Silvester erledigen

26. Oktober 2026

Wer zu Hause Pflege organisiert, hat meist schon genug zu tun. Trotzdem sollten Pflegebedürftige und Angehörige ihre Ansprüche noch vor dem Jahreswechsel prüfen: Die geplante Pflegereform könnte Hilfen streichen und den Zugang zu einem Pflegegrad erschweren. Besonders Menschen mit Pflegegrad 1 müssen mit Einschnitten rechnen. Doch eine pauschale Warnung, sämtliche Pflegebudgets würden an Silvester verfallen, führt in die Irre. Die Reform ist noch kein geltendes Gesetz Das Bundeskabinett hat den Entwurf des Pflegeneuordnungsgesetzes am 30. September 2026 beschlossen. Die erste Beratung im Bundestag ist für den 5. November vorgesehen; am 25. Oktober 2026 liegt damit noch kein abschließend beschlossenes Gesetz vor. Die Bundesregierung plant wesentliche Änderungen zum 1. Januar 2027. Ob sie in dieser Form kommen, hängt vom weiteren Gesetzgebungsverfahren ab. Einen notwendigen Pflegeantrag nicht aufschieben Wer bereits regelmäßig Unterstützung benötigt, sollte mit dem Antrag nicht auf die Reform warten. Leistungen werden nach § 33 SGB XI grundsätzlich ab Antragstellung gewährt, frühestens bei erfüllten Voraussetzungen; besteht die Pflegebedürftigkeit schon länger, zählt grundsätzlich der Beginn des Antragsmonats. Für den ersten Schritt genügt eine formlose Mitteilung an die Pflegekasse, auch telefonisch. Den Eingang sollten sich Betroffene bestätigen lassen, statt auf vollständige Arztberichte oder einen späteren Beratungstermin zu warten. Zusätzlich sieht der Regierungsentwurf vor, dass bei beantragten Einstufungen das Recht zum Zeitpunkt der Antragstellung gilt. Ein Antrag noch 2026 könnte deshalb auch dann nach den bisherigen Regeln beurteilt werden, wenn die Begutachtung erst 2027 stattfindet. Bei gestiegenem Hilfebedarf eine Höherstufung prüfen Auch ein bestehender Pflegegrad kann zu niedrig sein, wenn sich die Selbstständigkeit inzwischen deutlich verschlechtert hat. Häufigere Hilfe beim Waschen, nächtliche Unterstützung oder zunehmende Orientierungsprobleme sollten deshalb Anlass sein, die bisherige Einstufung überprüfen zu lassen. Der Entwurf hebt die Zugangsschwellen für die Pflegegrade 1 bis 3 an. Die folgende Tabelle zeigt die vorgesehenen Mindestpunktzahlen für die reguläre Einstufung. Pflegegrad Mindestpunktzahl nach bisherigem Recht Mindestpunktzahl laut Regierungsentwurf Pflegegrad 1 12,5 Punkte 15 Punkte Pflegegrad 2 27 Punkte 30 Punkte Pflegegrad 3 47,5 Punkte 50 Punkte Die neuen Werte sind bisher geplant, noch nicht geltendes Recht. Ein Höherstufungsantrag sollte auf einem tatsächlich gestiegenen Hilfebedarf beruhen und möglichst mit Befunden sowie konkreten Alltagssituationen begründet werden. Pflegegrad 1: Bis zu 1.572 Euro Alltagshilfe stehen auf dem Spiel Nach geltendem Recht erhalten auch Menschen mit Pflegegrad 1 bei häuslicher Pflege einen Entlastungsbetrag von bis zu 131 Euro monatlich. Bei einem ganzjährigen Anspruch sind das bis zu 1.572 Euro für erstattungsfähige Unterstützungsleistungen. Nach den Reformplänen des Gesundheitsministeriums soll an die Stelle dieses Entlastungsbetrags ein Sozialraumbudget treten, auf das Pflegegrad 1 keinen Zugriff mehr hätte. Vorgesehen sind stattdessen stärkere Beratung und Begleitung. Für Betroffene wäre das ein spürbarer Verlust: Eine Beratung bezahlt keine Haushaltshilfe. Gerade wer mit wenig Unterstützung noch zu Hause zurechtkommt, könnte künftig einen größeren Teil dieser Hilfe selbst finanzieren müssen. Welche Ansprüche derzeit bestehen, erläutert gegen-hartz.de im Beitrag Pflegegrad 1: Diese Leistungen gibt es trotz fehlenden Pflegegeldes. Entlastungsbetrag: Der 31. Dezember ist keine allgemeine Verfallsfrist Beim Entlastungsbetrag erlaubt § 45b SGB XI nach geltendem Recht die Übertragung ungenutzter Beträge in das erste Halbjahr des Folgejahres. Für Restansprüche aus 2026 wäre das grundsätzlich der Zeitraum bis zum 30. Juni 2027. Wie diese Altansprüche bei einer Gesetzesänderung behandelt werden, muss anhand der endgültigen Übergangsbestimmungen beurteilt werden. Weder ein sicherer Verfall an Silvester noch eine unveränderte Übertragung nach einer Reform sollten vorab versprochen werden. Sinnvoll ist deshalb, jetzt den verfügbaren Betrag bei der Pflegekasse schriftlich abzufragen und benötigte Hilfen rechtzeitig zu organisieren. Bei Alltagshilfen muss der Anbieter die Voraussetzungen für eine Anerkennung erfüllen; eine beliebige privat vereinbarte Reinigungskraft genügt dafür regelmäßig nicht. Eine freie Auszahlung des Guthabens ist ausgeschlossen, weil der Betrag bestimmte Leistungen finanziert. Warum außerdem Leistungsdatum und spätere Rechnungsstellung auseinanderzuhalten sind, erklärt der Beitrag Entlastungsbetrag: Wann alte Rechnungen noch erstattet werden können. Ersatzpflege: Budget nutzen und Abrechnungsfrist unterscheiden Für Verhinderungs- und Kurzzeitpflege stehen Pflegebedürftigen ab Pflegegrad 2 im Jahr 2026 gemeinsam bis zu 3.539 Euro zur Verfügung. Was bereits für eine der beiden Leistungen verbraucht wurde, steht für die andere nicht mehr bereit. Ein ungenutzter Jahresbetrag lässt sich nicht als zusätzliches Budget für Pflegeeinsätze im nächsten Jahr ansparen. Daraus folgt jedoch nicht, dass jede Rechnung für 2026 zwingend bis Silvester eingereicht sein muss. Für Verhinderungspflege verlangt § 39 SGB XI nach derzeitiger Rechtslage den Erstattungsantrag samt Kostennachweis bis zum Ende des Kalenderjahres nach der Durchführung. Für Ersatzpflege aus 2026 wäre das der 31. Dezember 2027; Belege sollten trotzdem zeitnah eingereicht werden. Der Reformentwurf sieht statt der bisherigen Verhinderungspflege ein anders zugeschnittenes Überbrückungsbudget von bis zu 2.285 Euro jährlich für Akutsituationen und stationäre Kurzzeitpflege vor. Eine private Vertretung lässt sich damit nicht einfach wie bisher finanzieren. Wer ohnehin Entlastung benötigt, sollte deshalb jetzt den Restbetrag und eine geeignete Ersatzpflege klären. Weitere Einzelheiten zu den heutigen Voraussetzungen enthält der Beitrag Bis zu 3.539 Euro für Pflege: Welche Fristen Familien kennen sollten. Die Begutachtung mit dem tatsächlichen Alltag vorbereiten Für die Einstufung zählt, wie selbstständig ein Mensch seinen Alltag bewältigen kann. Die Diagnose allein bildet den Unterstützungsbedarf nicht vollständig ab. Notizen über typische Schwierigkeiten helfen, beim Termin nichts zu vergessen. Ärztliche Berichte, Krankenhausunterlagen, der Medikamentenplan und eine vorhandene Pflegedokumentation sollten bereitliegen. Der Medizinische Dienst empfiehlt außerdem die Teilnahme einer vertrauten Pflegeperson. Sie kann ergänzen, welche Hilfe tatsächlich nötig ist, auch wenn Betroffene aus Scham oder Gewohnheit ihre Schwierigkeiten herunterspielen. Kinderlose müssen einen höheren Beitrag einplanen Die Bundesregierung will den Beitragszuschlag für kinderlose Mitglieder zum 1. Januar 2027 um 0,3 Prozentpunkte auf 0,9 Prozent anheben. Betroffene sollten diese geplante Mehrbelastung bei ihrer Haushaltsrechnung berücksichtigen. Bei monatlich 3.250 Euro beitragspflichtigem Einkommen wären das allein durch den höheren Zuschlag 9,75 Euro zusätzlich, also 117 Euro im Jahr. Auch kinderlose Rentner können betroffen sein; die endgültige Belastung hängt von den persönlichen beitragsrechtlichen Voraussetzungen ab. Der Pflegegrad soll geschützt bleiben, einzelne Leistungen nicht Nach dem Entwurf darf ein bestehender Pflegegrad auch bei einer späteren Neubegutachtung nicht allein wegen der geänderten Schwellen und Bewertungssystematik verloren gehen. Hat sich die Selbstständigkeit dagegen so verbessert, dass auch nach bisherigem Recht eine Herabstufung erfolgen müsste, greift dieser Schutz nicht. Ein solcher Schutz der Einstufung garantiert jedoch nicht sämtliche bisherigen Leistungen. Das zeigt der geplante Ausschluss von Pflegegrad 1 beim neuen Sozialraumbudget besonders deutlich. Ein Beispiel aus der Beratungspraxis Die 76-jährige Ingrid hat Pflegegrad 2 und wird von ihrer Tochter versorgt, die im November für einige Tage ausfällt. Nach Auskunft der Pflegekasse sind vom gemeinsamen Jahresbetrag noch 2.439 Euro verfügbar. Die Familie organisiert einen zugelassenen Pflegedienst als Vertretung und klärt vorher die erstattungsfähigen Kosten. Sie lässt sich die Einsätze bestätigen und reicht die Rechnung zeitnah ein. Weil Ingrid inzwischen deutlich mehr Hilfe benötigt, beantragt sie außerdem noch 2026 eine Höherstufung und dokumentiert die Veränderungen. Welche Einstufung folgt, entscheidet die Begutachtung; der frühe Antrag kann bei unveränderter Verabschiedung der vorgesehenen Übergangsregel die Prüfung nach bisherigem Recht sichern.

Beitragsbild von: Rente nach 35 Jahren: 10,8 statt 14,4 Prozent Abschlag soll kommen - aber mit einem Haken

26. Oktober 2026

10,8 statt 14,4 Prozent Rentenabschlag: Das klingt nach einer Entlastung für Menschen, die früher aufhören möchten. Doch hinter dem niedrigeren Abschlag steckt ein Vorschlag, der ihnen den Rentenbeginn mit 63 nehmen soll. Die Alterssicherungskommission empfiehlt, den frühesten Zugang zur Altersrente für langjährig Versicherte von 63 auf 64 Jahre anzuheben. Der maximale Abschlag würde bei unveränderter Berechnung sinken, weil die Rente ein Jahr später beginnen würde. Was heute nach 35 Versicherungsjahren gilt Die Altersrente für langjährig Versicherte setzt mindestens 35 anrechenbare Versicherungsjahre voraus. Für Menschen, die 1964 oder später geboren wurden, liegt die Altersgrenze für einen abschlagsfreien Bezug dieser Rentenart bei 67 Jahren. Wer früher beginnt, muss für jeden vorgezogenen Monat einen dauerhaften Abschlag von 0,3 Prozent hinnehmen. Bei einem Start mit 63 sind das gegenüber der Altersgrenze von 67 insgesamt 48 Monate und damit 14,4 Prozent. Diese Kürzung verschwindet auch mit dem 67. Geburtstag nicht. Wie der Zugang funktioniert und welche finanziellen Folgen zu beachten sind, erläutert unser Beitrag zur Rente mit 63 nach 35 Versicherungsjahren. Die 35 Jahre müssen allerdings nicht vollständig aus Beschäftigung bestehen. Unter den gesetzlichen Voraussetzungen können beispielsweise Kindererziehungszeiten, Pflegezeiten und bestimmte Ausbildungszeiten berücksichtigt werden. 10,8 Prozent Abschlag sind mit 64 schon heute möglich Wer bei einer abschlagsfreien Altersgrenze von 67 erst mit 64 in diese Rente geht, beginnt 36 Monate früher. Nach der heutigen Formel ergeben sich daraus 10,8 Prozent Abschlag. Diesen Rentenbeginn können Versicherte bereits nach geltendem Recht wählen, wenn sie die Voraussetzungen erfüllen. Der Vorschlag würde ihnen vor allem die zusätzliche Möglichkeit nehmen, schon ein Jahr vorher mit entsprechend höheren Abschlägen zu beginnen. Die Differenz beträgt 3,6 Prozentpunkte. Ihr steht ein ganzes Jahr gegenüber, in dem diese Altersrente bei einer Umsetzung für die betroffenen Versicherten noch nicht gezahlt würde. Was die Kommission tatsächlich vorschlägt In ihrer Empfehlung zum frühesten Renteneintritt spricht sich die Kommission für eine Anhebung von 63 auf zunächst 64 Jahre aus. Anschließend soll diese Grenze parallel zur Regelaltersgrenze weiter steigen, sodass ein Zeitfenster von drei Jahren für den vorzeitigen Bezug bleibt. Die Kommission begründet das unter anderem damit, sehr niedrige Renten durch einen besonders frühen Beginn und hohe Abschläge vermeiden zu wollen. Sie räumt zugleich ein, dass die Möglichkeit, länger zu arbeiten, vom Arbeitsmarkt und den persönlichen Umständen abhängt. Aus Sicht der Betroffenen liegt genau darin das Problem: Eine höhere Altersgrenze schafft weder einen passenden Arbeitsplatz noch bessere Gesundheit. Wer mit 63 keine Beschäftigung mehr ausüben kann, benötigt eine finanzielle Absicherung für das zusätzliche Wartejahr. Tabelle: So wirken sich die Abschläge auf 1.800 Euro Rente aus Die folgende eigene Modellrechnung zeigt die Altersrente für langjährig Versicherte nach geltendem Recht für Geburtsjahrgänge ab 1964. Angenommen werden unveränderte Rentenansprüche von monatlich 1.800 Euro brutto vor Abschlag; zusätzliche Beiträge und Rentenanpassungen bleiben unberücksichtigt. Rentenbeginn Monate vor 67 Dauerhafter Abschlag Monatliche Bruttorente Mit 63 Jahren 48 14,4 Prozent 1.540,80 Euro Mit 64 Jahren 36 10,8 Prozent 1.605,60 Euro Mit 65 Jahren 24 7,2 Prozent 1.670,40 Euro Mit 66 Jahren 12 3,6 Prozent 1.735,20 Euro Mit 67 Jahren 0 0 Prozent 1.800,00 Euro Bei Umsetzung des beschriebenen Vorschlags würde der Zugang mit 63 für die erfassten Versicherten entfallen. Die Rechnung mit maximal 10,8 Prozent setzt voraus, dass der monatliche Abschlag bei 0,3 Prozent und der mögliche Vorlauf bei drei Jahren bleibt. 64,80 Euro mehr im Monat stehen zwölf Rentenzahlungen gegenüber Im Beispiel steigt die Monatsrente durch den späteren Beginn von 1.540,80 auf 1.605,60 Euro brutto. Das sind 64,80 Euro mehr im Monat, während beim Beginn mit 63 innerhalb des ersten Jahres bereits 18.489,60 Euro brutto ausgezahlt würden. Allein über die um 64,80 Euro höhere Monatsrente wäre dieser Vorsprung rechnerisch erst nach knapp 24 Jahren ab dem 64. Geburtstag aufgeholt. Dieser vereinfachte Vergleich betrachtet ausschließlich die Rentenzahlungen. Erwerbseinkommen im zusätzlichen Arbeitsjahr, weitere Rentenansprüche, Rentenanpassungen, Steuern sowie Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge können die persönliche Rechnung verändern. Aus dem niedrigeren Abschlag allein lässt sich deshalb kein finanzieller Vorteil ableiten. Welche Jahrgänge betroffen wären, muss ein Gesetz regeln Ob und ab wann die höhere Altersgrenze gelten würde, hängt von der Gesetzgebung ab. Ebenso müssten Übergangsregeln und mögliche Ausnahmen für Menschen festgelegt werden, die ihren Ruhestand bereits vorbereitet haben. Die Deutsche Rentenversicherung weist ausdrücklich darauf hin, dass die Kommissionsempfehlungen keinen Gesetzescharakter haben. Ein frühzeitig gestellter Rentenantrag sichert die heutige Rechtslage auch nicht automatisch für einen späteren Rentenbeginn. Für Beschäftigte kurz vor der Rente lohnt sich deshalb eine aktuelle Auskunft zum persönlichen Rentenbeginn und Versicherungsverlauf. Warum mögliche Übergangsregeln bei einer Reform so viel ausmachen können, beschreibt unser Beitrag über unterschiedliche Rentenbedingungen benachbarter Geburtsjahrgänge. 35 und 45 Versicherungsjahre eröffnen unterschiedliche Wege Die diskutierte Anhebung auf 64 betrifft die Altersrente für langjährig Versicherte mit 35 Versicherungsjahren. Daneben besteht nach geltendem Recht die Altersrente für besonders langjährig Versicherte, für die 45 anrechenbare Versicherungsjahre erforderlich sind. Wer 1964 oder später geboren wurde und diese 45 Jahre erfüllt, kann diese andere Altersrente derzeit mit 65 abschlagsfrei beziehen. Weitere Unterschiede erklärt unser Beitrag zur Rente vor 67 ohne Abschläge. Sonderzahlungen ersetzen keine Altersgrenze Unter den gesetzlichen Voraussetzungen können Versicherte ab 50 zusätzliche Beiträge zahlen, um Abschläge einer vorgezogenen Altersrente ganz oder teilweise auszugleichen. Nach den Hinweisen der Deutschen Rentenversicherung zu Sonderzahlungen lassen sich damit jedoch keine fehlenden Anspruchsvoraussetzungen erfüllen. Würde der früheste Zugang für einen Jahrgang auf 64 angehoben, ließe sich der Rentenbeginn mit 63 deshalb auch durch eine Ausgleichszahlung allein nicht erreichen. Wer solche Zahlungen erwägt, braucht eine Berechnung, die den tatsächlich möglichen Rentenbeginn berücksichtigt. Beispiel aus der Praxis: Das Wartejahr bleibt zu bezahlen Ein Beispiel: Sabine hat die 35 Versicherungsjahre erfüllt, für sie gilt die abschlagsfreie Altersgrenze von 67 und sie möchte mit 63 aufhören. Bei angenommenen Ansprüchen von 1.800 Euro brutto vor Abschlag ergäben sich nach geltendem Recht 1.540,80 Euro monatliche Bruttorente. Würde die höhere Zugangsaltersgrenze für ihren Jahrgang eingeführt, könnte diese Rente erst mit 64 beginnen und bei unveränderten Ansprüchen 1.605,60 Euro betragen. Die zusätzlichen 64,80 Euro würden erst ab dann fließen; ihren Lebensunterhalt zwischen 63 und 64 müsste Sabine anderweitig finanzieren.

Beitragsbild von: Rentenerhöhung 2027: Zwei Euro fehlen – dann knackt die Standardrente die 2.000-Euro

25. Oktober 2026

Die Standardrente könnte durch die Rentenerhöhung 2027 auf rund 1.998 Euro brutto im Monat steigen. Zur 2.000-Euro-Marke würden dann nur gut zwei Euro fehlen. Das ergibt eine Modellrechnung mit dem von der Deutschen Rentenversicherung prognostizierten Rentenplus von 4,4 Prozent. Beschlossen ist diese Erhöhung noch nicht. Außerdem beschreibt die Standardrente einen Modellfall mit 45 Jahren Durchschnittsverdienst. Sie ist weder eine garantierte Rente nach 45 Arbeitsjahren noch der Betrag, den Rentner durchschnittlich ausgezahlt bekommen. Rentenerhöhung 2027: Bisher stehen 4,4 Prozent in der Prognose Die Deutsche Rentenversicherung Bund geht in ihrer Frühjahrsfinanzschätzung vom Mai 2026 für das Jahr 2027 von einer Rentenanpassung um 4,4 Prozent aus. Diese Vorausberechnung dient der Finanzplanung und beruht auf wirtschaftlichen Annahmen. Einen Anspruch begründet sie nicht. Wie stark die Renten zum 1. Juli 2027 tatsächlich steigen, hängt vor allem von der maßgeblichen Lohnentwicklung ab. Die Bundesregierung legt den neuen Rentenwert durch eine Verordnung fest, der der Bundesrat zustimmen muss. Die endgültige Anpassung kann deshalb von der bisherigen Prognose abweichen. So kommt die Standardrente auf knapp 2.000 Euro Seit Juli 2026 beträgt der aktuelle Rentenwert 42,52 Euro. Bei einer regulären Altersrente ohne Abschläge entspricht das dem monatlichen Bruttowert eines Entgeltpunkts. Die Standardrente mit 45 Entgeltpunkten liegt damit bei 1.913,40 Euro brutto. Bei einer angenommenen Erhöhung um 4,4 Prozent würde der Rentenwert auf gerundet 44,39 Euro steigen. Daraus ergibt sich folgende eigene Modellrechnung: Standardrente mit 45 Entgeltpunkten Brutto pro Monat Seit Juli 2026 1.913,40 Euro Bei angenommenen 4,4 Prozent Erhöhung ab Juli 2027 1.997,55 Euro Monatliches Plus 84,15 Euro Fehlender Betrag bis 2.000 Euro 2,45 Euro Die „zwei Euro“ aus der Überschrift sind also gerundet. In der Rechnung mit einem auf Cent gerundeten Rentenwert fehlen 2,45 Euro. Ob dieser Abstand tatsächlich entsteht, entscheidet sich erst mit der verbindlichen Rentenanpassung. 45 Arbeitsjahre allein reichen für diesen Betrag nicht Für die Standardrente wird angenommen, dass eine Person 45 Jahre lang jeweils das Durchschnittsentgelt verdient und darauf Rentenbeiträge gezahlt hat. So entstehen 45 Entgeltpunkte. Wer über längere Zeit weniger verdient, erwirbt aus dieser Beschäftigung entsprechend weniger Punkte. Deshalb können auch Menschen mit 45 Arbeitsjahren deutlich unter der Standardrente liegen. Umgekehrt können höhere versicherte Verdienste zu mehr Entgeltpunkten führen. Für die persönliche Rentenhöhe zählen außerdem weitere Faktoren. Dazu gehören anrechenbare Zeiten der Kindererziehung oder Pflege und mögliche Abschläge bei einem vorzeitigen Rentenbeginn. Maßgeblich ist der individuelle Versicherungsverlauf. Auch bei kleineren Renten macht sich das Plus bemerkbar Die Rentenanpassung betrifft nicht nur die Standardrente. Bei einem angenommenen Anstieg um 4,4 Prozent würde beispielsweise eine bisherige Bruttorente von 1.000 Euro rechnerisch um 44 Euro steigen. Bei 1.500 Euro wären es 66 Euro. Bisherige Bruttorente pro Monat Rechnerisches Plus Neue Bruttorente bei 4,4 Prozent 800 Euro 35,20 Euro 835,20 Euro 1.000 Euro 44,00 Euro 1.044,00 Euro 1.200 Euro 52,80 Euro 1.252,80 Euro 1.500 Euro 66,00 Euro 1.566,00 Euro 1.800 Euro 79,20 Euro 1.879,20 Euro Die Beträge sind eigene, vereinfachte Beispielrechnungen auf Grundlage der DRV-Prognose. Sie sind keine zugesagten Rentenzahlungen für 2027. Durch die tatsächliche Festsetzung und Rundung des Rentenwerts können sich Abweichungen ergeben. Vom Bruttobetrag gehen noch Beiträge ab Knapp 2.000 Euro Standardrente bedeuten nicht, dass derselbe Betrag auf dem Konto landet. Bei gesetzlich pflichtversicherten Rentnern behält die Rentenversicherung die Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung grundsätzlich direkt ein. Der ausgezahlte Betrag fällt deshalb niedriger aus. Zusätzlich kann Einkommensteuer anfallen. Die steuerliche Belastung hängt unter anderem vom Jahr des Rentenbeginns, weiteren Einkünften und den persönlichen Verhältnissen ab. Aus einer Bruttorente von rund 1.998 Euro lässt sich daher kein einheitlicher Nettobetrag für alle Rentner ableiten. Auch das mögliche Rentenplus von 84,15 Euro bei der Standardrente wäre ein Bruttobetrag. Wie viel davon tatsächlich zusätzlich verfügbar bleibt, muss individuell betrachtet werden. Für die eigene Planung zählt die persönliche Rente Wer das mögliche Plus abschätzen möchte, sollte vom Bruttobetrag in der eigenen Rentenmitteilung ausgehen. Eine Multiplikation mit 0,044 zeigt überschlägig, wie hoch eine Erhöhung um 4,4 Prozent ausfallen würde. Bei 1.200 Euro Bruttorente wären das zum Beispiel 52,80 Euro monatlich. Diese Rechnung hilft bei der Orientierung, ersetzt aber keine verbindliche Rentenanpassungsmitteilung. Für die Haushaltsplanung sollte das prognostizierte Plus deshalb noch nicht als sicherer zusätzlicher Betrag behandelt werden. Die 2.000-Euro-Marke bleibt vorerst eine mögliche Schwelle für die Standardrente. Für den einzelnen Rentner entscheiden die eigenen Ansprüche, die endgültige Erhöhung und die persönlichen Abzüge darüber, wie viel Geld ab Juli 2027 zur Verfügung steht. Quellen Deutsche Rentenversicherung Bund, Frühjahrsfinanzschätzung 2026; Deutsche Rentenversicherung, Informationen zur Rentenanpassung 2026, Rentenberechnung und Rentenabzügen; BMAS, Erläuterungen zur Standardrente und Rentenanpassung. Eigene Modellrechnungen.

Beitragsbild von: Schwerbehinderung: Auch das zahlt der Staat beim Ehrenamt

25. Oktober 2026

Wer sich ehrenamtlich engagiert und wegen einer Behinderung Unterstützung braucht, muss die Kosten dafür nicht immer selbst tragen. § 78 Absatz 5 SGB IX ermöglicht unter bestimmten Voraussetzungen die Erstattung angemessener Aufwendungen. Das kann etwa die Mithilfe in einem sozialen Verein oder einer Selbsthilfegruppe betreffen. Ein Schwerbehindertenausweis allein reicht für den Anspruch nicht aus. Geprüft wird, ob die Person die gesetzlichen Voraussetzungen erfüllt und welche Hilfe sie für ihr Ehrenamt benötigt. Das Ehrenamt bleibt unbezahlt – die Unterstützung muss es nicht sein Menschen mit Behinderung können selbst Hilfe leisten, Verantwortung übernehmen und Projekte organisieren. Dass sie dafür bisweilen Assistenz brauchen, macht ihr Engagement nicht weniger wertvoll. Der Gesetzgeber finanziert Unterstützung bei dieser Tätigkeit; er zahlt keinen Lohn für das Ehrenamt. Wer Geld für die ehrenamtliche Arbeit erwartet, kann keinen Anspruch ableiten. Ein hoher GdB allein begründet keinen Anspruch Bei Leistungen der Eingliederungshilfe greifen § 113 SGB IX und § 78 SGB IX zusammen. Nach § 99 SGB IX kommt es darauf an, ob eine Behinderung die gleichberechtigte Teilhabe wesentlich einschränkt oder eine solche Einschränkung droht. Der GdB ersetzt diese Prüfung nicht; umgekehrt setzt Eingliederungshilfe keinen GdB von 50 voraus, im Unterschied vielen Vergünstigungen und Nachteilsausgleichen bei Schwerbehinderung. Welche Hilfe im Verein bezahlt werden kann Je nach Beeinträchtigung kann eine Begleitung oder Unterstützung bei einzelnen Handgriffen erforderlich sein. Auch Hilfe bei der Verständigung kommt in Betracht, wenn Sie Ihre ehrenamtliche Aufgabe sonst nicht ausüben können. Beschreiben Sie die konkrete Barriere: Welche Tätigkeit übernehmen Sie, wobei brauchen Sie Hilfe und wie oft? Wie bei anderen Assistenzleistungen der Eingliederungshilfe muss die Unterstützung zu Ihrem tatsächlichen Bedarf passen. Unterstützung beim Ehrenamt Voraussetzung oder Grenze Begleitung zu einem Vereinstermin Sie benötigen die Begleitung wegen Ihrer Behinderung; eine zumutbare kostenlose Hilfe steht nicht zur Verfügung. Hilfe bei behinderungsbedingt nicht möglichen Handgriffen Die Hilfe ermöglicht Ihre eigene Tätigkeit und ersetzt keine allgemeine Arbeitskraft des Vereins. Unterstützung bei der Kommunikation Art und Umfang müssen für die konkrete Aufgabe erforderlich sein. Ausgaben für Vereinsmaterial oder Raummiete Allgemeine Vereinskosten sind keine persönliche Ehrenamtsassistenz nach dieser Vorschrift. Auch Engagement in einer Selbsthilfegruppe kommt infrage Wer Treffen organisiert, andere Betroffene unterstützt oder Aufgaben für die Gruppe übernimmt, kann ehrenamtlich tätig sein. Beschreiben Sie diese Aufgaben im Antrag genau. Die bloße Teilnahme an einer Gruppe ist noch kein Ehrenamt. Benötigen Sie dafür Unterstützung, können jedoch andere Leistungen der sozialen Teilhabe zu prüfen sein. Das Amt darf nach kostenloser Hilfe fragen Das Gesetz sieht vorrangig Unterstützung durch Menschen vor, die zur Familie, dem Freundeskreis, der Nachbarschaft und ähnlichen Beziehungen gehören.  Eine Behörde darf also prüfen, ob geeignete Hilfe aus diesem Umfeld zumutbar und kostenlos möglich ist. Ein Verweis auf vorhandene Angehörige beantwortet diese Frage aber noch nicht. Erläutern Sie, wenn diese zu den benötigten Zeiten arbeiten, weit entfernt wohnen oder die Hilfe selbst nicht leisten können. Die Berliner Ausführungsvorschriften nennen die Lebensumstände der Unterstützungsperson als Prüfkriterium. Sie gelten nur für Berlin, veranschaulichen aber, weshalb die Zumutbarkeit nicht allein von  Verwandtschaft abhängt. Keine pauschale Zusage für jede Assistenzrechnung § 78 Absatz 5 SGB IX enthält keinen bundesweit gültigen Eurobetrag für jedes Ehrenamt. Der Träger prüft, welche Unterstützung notwendig ist und welche Aufwendungen dafür angemessen sind. Der Vorrang privater kostenloser Hilfe erschwert zwar das Engagement im Ehrenamt, allerdings ist ein Ersatz für den Aufwand grundsätzlich vorgesehen. Beauftragen Sie nicht ungeprüft eine Assistenz und setzen die Erstattung voraus. Dass Assistenzkosten vor Gericht durchgesetzt werden können, ersetzt nicht, den Anspruch im Vorfeld zu klären. Einkommen und vorhandene Leistungen mitprüfen Auch bei einer notwendigen Unterstützung können die Regeln der Eingliederungshilfe zu Einkommen und Vermögen eine Rolle spielen. Ein Ehrenamt ist zwingend beitragsfrei; beachten Sie die Freibeträge bei der Eingliederungshilfe. § 138 SGB IX enthält Ausnahmen von einem Einkommensbeitrag, etwa bei Leistungen nach dem SGB II oder SGB XII. Lassen Sie eine verlangte Eigenbeteiligung anhand Ihres Leistungsbezugs prüfen. Ein Pflegegrad schließt den Anspruch auf Teilhabeleistungen nicht aus, denn Eingliederungshilfe kommt auch bei Pflegebedarf infrage. Bereits finanzierte Unterstützung muss jedoch berücksichtigt werden, um den Bedarf nicht doppelt abgzurechnen. So begründen Sie Ihren Antrag Wenden Sie sich an den Träger der Eingliederungshilfe und nennen Sie die Unterstützung für Ihr Ehrenamt nach § 78 Absatz 5 SGB IX. Eine Vereinsbestätigung über Aufgaben, Termine und benötigte Hilfe erleichtert die Prüfung. Ergänzen Sie den Zeitaufwand, eine Kostenaufstellung und die Gründe, weshalb kostenlose Unterstützung nicht ausreicht. Eine konkrete Begründung des Assistenzbedarfs ist übrigens auch wichtig bei anderen Lesitungen der Teilhabe. Stellen Sie den Antrag vor der kostenpflichtigen Hilfe: Nach § 108 SGB IX beginnen Leistungen frühestens mit dem ersten Tag des Antragsmonats, wenn die Voraussetzungen vorlagen. Ein zusätzlicher Antrag entfällt, soweit der Bedarf bereits im Gesamtplan ermittelt wurde. Mit Ihrer Zustimmung kann nach § 116 Absatz 1 SGB IX auch eine pauschale Geldleistung infrage kommen. Davon zu unterscheiden ist die Leistungsform des Persönlichen Budgets. Eine Ablehnung muss nachvollziehbar sein Verlangen Sie einen schriftlichen Bescheid, wenn das Amt die Unterstützung ablehnt oder nur einen Teil der Kosten anerkennt. Unterstützung bei Fragen zu Antrag und Bescheid bietet die Ergänzende unabhängige Teilhabeberatung. Für einen Widerspruch gilt grundsätzlich eine Monatsfrist nach Bekanntgabe des Bescheids. Auch die Hinweise der Fachverbände zu abgelehnter Eingliederungshilfe können bei der Einordnung helfen, müssen aber zum jeweiligen Ablehnungsgrund passen. Fiktives Beispiel: Carlos engagiert sich gegen Kinderarmut Carlos ist 44 Jahre alt, lebt in Solingen, hat einen GdB von 90 und nutzt einen Rollstuhl. In einem Verein gegen Kinderarmut organisiert er die Ausgabe von Schulmaterialien und bespricht mit Familien, welche Unterstützung sie benötigen. Für einzelne Handgriffe und die Wege während der Ausgabe benötigt er Hilfe, die die übrigen Vereinsmitglieder neben ihren eigenen Aufgaben nicht zuverlässig übernehmen können. Seine Angehörigen stehen zu diesen Zeiten ebenfalls nicht zur Verfügung. Carlos beantragt die Erstattung der notwendigen Unterstützung und legt eine Bestätigung des Vereins sowie eine Kostenaufstellung vor. Erfüllt er die Voraussetzungen der Eingliederungshilfe und erkennt der Träger Notwendigkeit, Angemessenheit und fehlende zumutbare kostenlose Hilfe an, können die entsprechenden Aufwendungen erstattet werden. Sechs Fragen und Antworten zur Unterstützung im Ehrenamt Reicht ein Schwerbehindertenausweis aus? Nein, die Behörde prüft die Leistungsberechtigung und den konkreten Hilfebedarf. Der GdB allein entscheidet nicht über die Erstattung. Erhalte ich dadurch Geld für meine ehrenamtliche Arbeit? Nein, die Regelung betrifft Aufwendungen für notwendige Unterstützung. Sie begründet keine Vergütung Ihrer eigenen Tätigkeit. Müssen Angehörige kostenlos helfen? Das Gesetz bevorzugt Hilfe aus dem persönlichen Umfeld. Ob diese unentgeltlich zumutbar ist, muss anhand der tatsächlichen Umstände geprüft werden. Kann auch eine Assistenzkraft helfen? Das kommt in Betracht, wenn zumutbare kostenlose Unterstützung nicht möglich ist. Daraus folgt jedoch keine automatische Übernahme jedes angebotenen Honorars. Gibt es einen festen monatlichen Betrag? § 78 Absatz 5 SGB IX nennt keinen einheitlichen Monatsbetrag. Eine pauschale Geldleistung kann unter den Voraussetzungen des § 116 SGB IX vereinbart werden. Was ist bei einer Ablehnung wichtig? Prüfen Sie die Begründung und die Rechtsbehelfsbelehrung des Bescheids. Ein Widerspruch muss grundsätzlich innerhalb eines Monats nach Bekanntgabe eingehen. Quellen Deutscher Verein für öffentliche und private Fürsorge: Empfehlungen zu Assistenzleistungen nach dem SGB IX, 19. Juni 2024, Abschnitt 5.4. Gesetze im Internet: SGB IX, §§ 78, 99, 108, 113, 116, 135–140; Sozialgerichtsgesetz, § 84. Land Berlin: Gemeinsame Ausführungsvorschriften Eingliederungshilfe, Nummern 169 und 170.

Beitragsbild von: Rentenreform: Diese Jahrgänge müssen künftig länger arbeiten und später in Rente

25. Oktober 2026

Wer 1968 oder später geboren wurde, könnte künftig länger arbeiten müssen als bisher geplant. Die Rentenkommission empfiehlt, das Rentenalter über 67 Jahre hinaus anzuheben. Bundeskanzler Friedrich Merz hat sich erneut dafür eingesetzt, Reformvorschläge umzusetzen. Für Versicherte könnte das bedeuten, dass sie erst später ohne Abschläge in Rente gehen können. Wer trotzdem früher aufhören möchte, müsste dann lebenslange Rentenkürzungen hinnehmen. Beschlossen ist noch keine neue Altersgrenze. Auch der erste betroffene Jahrgang steht nicht fest. Merz will die Vorschläge der Rentenkommission umsetzen Die Alterssicherungskommission legte am 23. Juni 2026 insgesamt 33 Empfehlungen zur Reform der Altersvorsorge vor. Dazu gehört der Vorschlag, die Regelaltersgrenze bei steigender Lebenserwartung anzuheben. Beim Deutschlandtag der Jungen Union am 17. Oktober 2026 in Bonn bekräftigte Bundeskanzler Friedrich Merz seine Unterstützung für die Reform. Das Bundeskabinett soll nach seinen Angaben noch in diesem Jahr über die Umsetzung entscheiden. Für Versicherte ändert diese Ankündigung zunächst nichts. Die Empfehlungen sind keine geltenden Gesetze. Erst durch einen entsprechenden Gesetzesbeschluss könnten sich die bisherigen Altersgrenzen verändern. Bis dahin bleibt es für alle ab 1964 Geborenen bei der Regelaltersgrenze von 67 Jahren. Warum besonders der Jahrgang 1968 betroffen sein könnte Im August 2026 wurde ein interner Arbeitsentwurf aus dem Bundesarbeitsministerium bekannt. Danach sollte die weitere Anhebung des Rentenalters erst für Menschen ab Geburtsjahrgang 1968 beginnen. Für die Jahrgänge 1965, 1966 und 1967 wäre es nach diesem Entwurf beim regulären Renteneintritt mit 67 geblieben. Die Rentenkommission selbst empfiehlt eine Anpassung nach 2031. Damit könnten Versicherte ab Jahrgang 1965 von einer späteren Regelaltersgrenze betroffen sein. Welche Jahrgänge tatsächlich länger arbeiten müssten, ist noch offen. Weitere Einzelheiten erläutert unser Beitrag „Rentenreform: Diese drei Jahrgänge könnten von der höheren Altersgrenze bei der Rente verschont bleiben“. Rentenalter könnte bis 2041 auf 67 Jahre und sechs Monate steigen Die Kommission schlägt vor, das Rentenalter künftig an die Entwicklung der Lebenserwartung zu koppeln. Dafür ist eine sogenannte Zwei-zu-eins-Regel vorgesehen. Steigt die Lebenserwartung um zwölf Monate, sollen davon rechnerisch acht Monate auf ein längeres Erwerbsleben und vier Monate auf einen längeren Rentenbezug entfallen. Nach den Annahmen der Kommission könnte die Regelaltersgrenze dadurch zwischen 2031 und 2041 von 67 Jahren auf 67 Jahre und sechs Monate steigen. Langfristig wäre auch eine Altersgrenze von 68 Jahren denkbar. Voraussetzung wäre, dass die Lebenserwartung entsprechend weiter steigt und die vorgeschlagene Regel umgesetzt wird. Es handelt sich also nicht um eine bereits festgelegte Rente mit 68. Die künftige Entwicklung soll regelmäßig überprüft werden. Jahrgang 1968: Schon zwei Monate könnten Rentenabschläge bedeuten Welche finanziellen Folgen eine höhere Altersgrenze haben könnte, zeigt eine Modellrechnung. Ein Versicherter des Jahrgangs 1968 hat 42 Entgeltpunkte erworben. Beim seit Juli 2026 geltenden Rentenwert von 42,52 Euro ergibt sich daraus eine rechnerische Monatsrente von 1.785,84 Euro brutto. Angenommen, seine Regelaltersgrenze würde durch eine Reform auf 67 Jahre und zwei Monate steigen. Wenn er trotzdem mit 67 Jahren in Rente gehen möchte, läge der Rentenbeginn zwei Monate vor seiner neuen Regelaltersgrenze. Nach den derzeitigen Abschlagsregeln werden bei einer vorgezogenen Altersrente 0,3 Prozent für jeden Monat des vorzeitigen Bezugs abgezogen. Bei zwei Monaten wären das 0,6 Prozent. Die monatliche Bruttorente würde sich rechnerisch um 10,72 Euro auf rund 1.775,12 Euro verringern. Der Abschlag bliebe dauerhaft bestehen. Voraussetzung wäre allerdings, dass der Versicherte eine vorgezogene Altersrente beanspruchen kann, beispielsweise nach mindestens 35 Versicherungsjahren. Die Regelaltersrente selbst lässt sich nicht einfach vorzeitig mit Abschlägen beziehen. Wichtig ist außerdem, dass die angenommene Anhebung um zwei Monate keine amtlich festgelegte Altersgrenze für den Jahrgang 1968 ist. Auch die heutigen Abschlagssätze müssen nach einer Reform nicht unverändert gelten. Jahrgang 1974: Sechs Monate später könnten 30,61 Euro kosten Für jüngere Jahrgänge könnte sich das Rentenalter noch deutlicher verschieben. Ein Beispiel ist der Jahrgang 1974. Diese Versicherten werden 2041 67 Jahre alt. Sollte die Regelaltersgrenze bis dahin auf 67 Jahre und sechs Monate steigen, läge ein Rentenbeginn mit 67 sechs Monate vor der neuen Altersgrenze. Bei 40 Entgeltpunkten ergibt sich nach dem Rentenwert von Juli 2026 eine rechnerische Monatsrente von 1.700,80 Euro brutto. Sechs Monate vorzeitiger Rentenbeginn würden bei Anwendung des heutigen Abschlagssatzes eine Kürzung von 1,8 Prozent bedeuten. Das entspricht rund 30,61 Euro brutto im Monat. Modellrechnung Jahrgang 1968 Jahrgang 1974 Entgeltpunkte 42 40 Rechnerische Bruttorente nach Rentenwert 2026 1.785,84 Euro 1.700,80 Euro Angenommene neue Altersgrenze 67 Jahre und 2 Monate 67 Jahre und 6 Monate Rentenbeginn im Beispiel 67 Jahre 67 Jahre Abschlag nach heutigem Satz 0,6 Prozent 1,8 Prozent Monatliche Kürzung 10,72 Euro 30,61 Euro Die Beträge sind reine Modellrechnungen mit dem Rentenwert von 2026. Sie berücksichtigen weder spätere Rentenerhöhungen noch zusätzliche Entgeltpunkte oder mögliche Änderungen der Abschlagsregeln. Die Beispiele zeigen jedoch, dass bereits wenige Monate Unterschied beim Rentenbeginn zu dauerhaften Kürzungen führen können. Früher in Rente geht nur mit der passenden Rentenart Wer vor der Regelaltersgrenze in Rente gehen möchte, muss die Voraussetzungen einer entsprechenden Altersrentenart erfüllen. Nach geltendem Recht können Menschen mit mindestens 35 Versicherungsjahren bereits ab 63 Jahren die Altersrente für langjährig Versicherte beziehen. Dafür müssen sie allerdings dauerhafte Abschläge hinnehmen. Die Rentenkommission empfiehlt, diesen frühesten Zugang zunächst auf 64 Jahre anzuheben. Anschließend soll die Altersgrenze parallel zur Regelaltersgrenze steigen. Wer die erforderlichen Versicherungsjahre nicht erreicht und keinen anderen vorgezogenen Rentenanspruch besitzt, kann nicht einfach gegen einen Abschlag früher in Altersrente gehen. Für die persönliche Planung kommt es deshalb sowohl auf das mögliche neue Rentenalter als auch auf die erfüllten Versicherungszeiten an. Auch die abschlagsfreie Rente nach 45 Jahren steht zur Debatte Besonders weitreichend ist ein weiterer Vorschlag der Rentenkommission. Die Altersrente für besonders langjährig Versicherte soll nach ihrer Empfehlung abgeschafft werden. Diese Rentenart ermöglicht derzeit nach 45 anrechenbaren Versicherungsjahren einen abschlagsfreien Ruhestand vor der Regelaltersgrenze. Für ab 1964 Geborene ist das nach geltendem Recht mit 65 Jahren möglich. Würde diese Möglichkeit wegfallen, könnten Betroffene ihren bisher vorgesehenen abschlagsfreien Rentenbeginn verlieren. Sie müssten entweder länger arbeiten oder eine andere vorgezogene Altersrente mit Abschlägen beanspruchen, wenn deren Voraussetzungen erfüllt sind. Ob Übergangsregelungen vorgesehen werden und welche Jahrgänge geschützt bleiben könnten, ist noch nicht entschieden. Welche finanziellen Folgen die Abschaffung haben könnte, zeigt unser Beitrag „Rentenreform: Jahrgänge 1960 bis 1969 treffen bei der Rente auf empfindlichen Punkt“. Altersteilzeit könnte erst mit 58 Jahren beginnen Die Reformvorschläge betreffen auch Beschäftigte, die bereits vor ihrem Rentenbeginn weniger arbeiten möchten. Die Kommission empfiehlt, das gesetzliche Mindestalter für Altersteilzeit von 55 auf 58 Jahre anzuheben und später an die Regelaltersgrenze zu koppeln. Außerdem soll das sogenannte Blockmodell entfallen. Bei dieser Variante arbeiten Beschäftigte zunächst weiter und werden anschließend für die zweite Phase der Altersteilzeit freigestellt. Ein Wegfall würde den Übergang in den Ruhestand verändern. Für bereits abgeschlossene Vereinbarungen wären mögliche Übergangs- und Vertrauensschutzregelungen entscheidend. Bislang handelt es sich auch hierbei ausschließlich um Reformempfehlungen. Neue Schutzrente für gesundheitlich eingeschränkte Beschäftigte geplant Wer aus gesundheitlichen Gründen seinen langjährig ausgeübten Beruf nicht mehr ausüben kann, soll nach den Empfehlungen der Kommission einen besonderen Rentenzugang erhalten. Vorgesehen ist eine Schutzrente für Versicherte, die kurz vor dem Ruhestand stehen und nach einer individuellen gesundheitlichen Prüfung nicht mehr in ihrem bisherigen Berufsfeld arbeiten können. Nach dem Reformvorschlag könnten Menschen mit mindestens 35 Versicherungsjahren unter bestimmten Voraussetzungen zwei Jahre vor der Regelaltersgrenze abschlagsfrei in Rente gehen. Ein noch früherer Beginn soll mit Abschlägen möglich sein. Ein allgemeiner Anspruch auf einen früheren Ruhestand wäre das jedoch nicht. Die gesundheitlichen Voraussetzungen müssten nachgewiesen werden. Wie die Schutzrente genau ausgestaltet wird, ist noch offen. Was Versicherte jetzt für ihre Rente prüfen sollten Noch ist nicht entschieden, welche Empfehlungen tatsächlich umgesetzt werden. Versicherte sollten deshalb zunächst ihre bestehenden Ansprüche kennen. Hilfreich ist eine Rentenauskunft der Deutschen Rentenversicherung. Daraus geht hervor, welche Versicherungszeiten berücksichtigt wurden und wann ein Rentenbeginn möglich ist. Wer Lücken im Versicherungsverlauf entdeckt, sollte eine Kontenklärung beantragen. Das betrifft fehlende Ausbildungszeiten, Beschäftigungszeiten oder Zeiten der Kindererziehung. Wichtig ist der Unterschied zwischen Versicherungsjahren und Entgeltpunkten. 45 Versicherungsjahre bedeuten nicht unbedingt 45 Rentenpunkte erworben wurden. Ein vorschneller Rentenantrag bietet keinen Schutz vor späteren Gesetzesänderungen. Wer erst in einigen Jahren in Rente gehen möchte, kann sich die heutigen Altersgrenzen nicht durch frühzeitigen Antrag sichern. FAQ zur möglichen Anhebung des Rentenalters Muss der Jahrgang 1968 künftig länger als bis 67 arbeiten? Das steht noch nicht fest. Ein interner Arbeitsentwurf sah eine weitere Anhebung ab Jahrgang 1968 vor. Die Rentenkommission empfiehlt eine Kopplung an die Lebenserwartung nach 2031. Kann ich mit 67 in Rente gehen, wenn meine Altersgrenze auf 67 Jahre und sechs Monate steigt? Das wäre unter Umständen möglich, wenn ein Anspruch auf eine vorgezogene Altersrente besteht. Nach den heutigen Regeln können zum Beispiel Menschen mit mindestens 35 Versicherungsjahren vorzeitig in Rente gehen. Was passiert mit einer bereits vereinbarten Altersteilzeit? Die Empfehlungen der Rentenkommission ändern bestehende Vereinbarungen zunächst nicht. Sollte die Altersteilzeit gesetzlich neu geregelt werden, sind die konkreten Übergangs- und Vertrauensschutzvorschriften entscheidend. Für viele Jahrgänge bleibt die Rentenplanung unsicher Die geplante Reform könnte den Rentenbeginn für jüngere Jahrgänge deutlich verändern. Neben einer höheren Regelaltersgrenze stehen auch die vorgezogene Rente nach 35 Versicherungsjahren und der abschlagsfreie Rentenzugang nach 45 Jahren zur Diskussion. Die Modellrechnungen zeigen, dass bereits wenige Monate Unterschied beim Renteneintritt zu dauerhaften Abschlägen führen können. Wie hoch diese tatsächlich ausfallen würden, hängt jedoch von der späteren Gesetzgebung ab. Bis neue Regeln beschlossen sind, gelten die bisherigen Altersgrenzen. Wer seinen Ruhestand vorbereitet, sollte deshalb die aktuellen Rentenansprüche prüfen und bei langfristigen Planungen mögliche Veränderungen berücksichtigen. Quellen Bundesministerium für Arbeit und Soziales – Rentenkommission 2026 und die 33 Reformempfehlungen Bundesministerium für Arbeit und Soziales – Fragen und Antworten zur Rentenkommission 2026 CDU Deutschlands – Deutschlandtag der Jungen Union und Reformankündigungen von Friedrich Merz, 19. Oktober 2026 Rentenwertbestimmungsverordnung 2026 – Aktueller Rentenwert von 42,52 Euro ab 1. Juli 2026 Deutsche Rentenversicherung – Rentenanpassung 2026 § 35 SGB VI – Regelaltersrente § 36 SGB VI – Altersrente für langjährig Versicherte § 38 SGB VI – Altersrente für besonders langjährig Versicherte

Beitragsbild von: Verhinderungspflege und Kurzzeitpflege: Zum Jahresende droht der Verlust der Pflegeleistungen

25. Oktober 2026

Wer Angehörige zu Hause pflegt, sollte vor Jahresende prüfen, wie viel Geld für eine Vertretung noch zur Verfügung steht. Für Verhinderungs- und Kurzzeitpflege gibt es 2026 zusammen bis zu 3.539 Euro, doch ungenutzte Mittel lassen sich nicht ins nächste Jahr übertragen. Für bereits entstandene Kosten gilt eine andere Frist. Hat die Ersatzpflege 2026 stattgefunden, können Familien die Erstattung nach geltendem Recht noch bis Ende 2027 beantragen. Die 3.539 Euro sind keine pauschale Auszahlung Verhinderungspflege hilft, wenn die sonst pflegende Person wegen Urlaub, Krankheit oder aus anderen Gründen vorübergehend ausfällt. Voraussetzung sind mindestens Pflegegrad 2 und nachgewiesene Kosten einer notwendigen Ersatzpflege. Das gemeinsame Jahresbudget steht für Verhinderungs- und Kurzzeitpflege zur Verfügung. Wer daraus bereits einen Aufenthalt in einer Kurzzeitpflegeeinrichtung finanziert hat, kann für die Ersatzpflege zu Hause nur noch den verbleibenden Betrag einsetzen. Wurden als Beispiel bereits 2.000 Euro aus dem gemeinsamen Budget verbraucht, bleiben höchstens 1.539 Euro übrig. Diesen Restbetrag überweist die Pflegekasse nicht allein deshalb, weil das Jahr endet. Das Geld dient dazu, erstattungsfähige Pflegekosten zu decken. Wer keine solchen Leistungen nutzt, kann sich das ungenutzte Budget weder auszahlen lassen noch ansparen. Für Rechnungen aus 2026 bleibt mehr Zeit Für Ersatzpflege, die 2026 tatsächlich stattgefunden hat, müssen der Erstattungsantrag und die Kostennachweise spätestens am 31. Dezember 2027 bei der Pflegekasse eingehen. Eine Antragstellung vor Beginn der Ersatzpflege ist nach § 39 SGB XI nicht vorgeschrieben. Wer im Dezember 2026 eine notwendige Vertretung organisiert, muss deren Abrechnung deshalb nicht zwingend noch vor Silvester erledigen. Der Einsatz gehört trotzdem zum Budget des Jahres 2026. Situation Bedeutung für den Anspruch Ein Teil des Budgets für 2026 bleibt ungenutzt. Der Restbetrag kann nicht für Pflegeeinsätze im Folgejahr angespart werden. Die Ersatzpflege findet im Dezember 2026 statt. Die Erstattung kann nach geltendem Recht noch bis Ende 2027 mit Kostennachweisen beantragt werden. Die Ersatzpflege findet erst 2027 statt. Dafür steht das verbliebene Budget aus 2026 nicht zur Verfügung. Die Pflegekasse bearbeitet den Antrag erst nach Ablauf der Frist. Entscheidend ist der rechtzeitige Eingang des Antrags mit den Kostennachweisen, nicht der Auszahlungstermin. Weitere Hinweise enthält unser Beitrag zur Erstattungsfrist bei der Verhinderungspflege. Wer noch offene Abrechnungen hat, sollte die Unterlagen dennoch frühzeitig zusammenstellen, damit Zeit für fehlende Nachweise bleibt. Ein Beispiel zeigt den Unterschied Eine Tochter pflegt ihre Mutter mit Pflegegrad 3 und fällt im November 2026 wegen einer eigenen Erkrankung aus. Ein Pflegedienst übernimmt die notwendige Ersatzpflege und stellt dafür 900 Euro in Rechnung. Sind die Voraussetzungen erfüllt und stehen im Jahresbudget noch mindestens 900 Euro zur Verfügung, kann die Pflegekasse diese Kosten übernehmen. Reicht die Mutter den Erstattungsantrag samt Rechnung erst im Februar 2027 ein, ist die Frist nach geltendem Recht noch gewahrt. Anders liegt der Fall, wenn der Pflegedienst erst im Februar 2027 einspringt. Dann lassen sich die Kosten nicht mit ungenutzten Mitteln aus 2026 bezahlen. Bei Hilfe durch Angehörige gelten zusätzliche Grenzen Die Höhe des verfügbaren Budgets sagt noch nicht, wie viel die Pflegekasse für einen einzelnen Einsatz übernimmt. Bei nicht erwerbsmäßiger Ersatzpflege durch Angehörige bis zum zweiten Grad oder Personen aus demselben Haushalt ist die Erstattung regelmäßig auf zwei monatliche Pflegegeldbeträge begrenzt. Nachgewiesene notwendige Aufwendungen, etwa Fahrtkosten oder Verdienstausfall, können darüber hinaus berücksichtigt werden. Insgesamt bleibt aber das verfügbare gemeinsame Jahresbudget die Obergrenze. Die Pflegereform soll die Finanzierung verändern Neben dem jährlichen Verfall ungenutzter Mittel steht eine politische Änderung im Raum. Der Entwurf des Pflegeneuordnungsgesetzes sieht vor, bisherige Einzelleistungen in neuen Budgets zusammenzufassen. Nach den Erläuterungen des Bundesgesundheitsministeriums soll Ersatzpflege unter anderem aus einem erhöhten Entlastungsbudget oder einem ambulanten Sachleistungsbudget finanziert werden können. Hinzu kommen soll ein Überbrückungsbudget für bestimmte Versorgungssituationen. Die bisherige Finanzierung würde damit umgebaut. Daraus folgt aber weder, dass Ersatzpflege künftig vollständig selbst bezahlt werden müsste, noch dass die angekündigten Änderungen bereits gelten. Für Familien zählt deshalb die Trennung zwischen geltendem Anspruch und Reformplan. Ein Gesetzentwurf allein beendet das derzeitige Jahresbudget nicht. Diese Unterlagen sollten Familien jetzt prüfen Hilfreich ist zunächst eine Übersicht der Pflegekasse über bereits abgerechnete Leistungen. Gleichen Sie diese mit eigenen Rechnungen und noch offenen Einsätzen ab. Für eine nachvollziehbare Abrechnung sollten insbesondere folgende Angaben und Belege vorliegen. Name der pflegebedürftigen Person und Versicherungsnummer Datum und Dauer der Ersatzpflege Name der Ersatzpflegeperson oder des Dienstes Angefallene Kosten und entsprechende Nachweise Angaben zu Verwandtschaft oder gemeinsamem Haushalt Nachweise über zusätzlich geltend gemachte Fahrtkosten oder Verdienstausfälle Bewahren Sie eine Kopie der eingereichten Unterlagen und einen Nachweis über den Eingang auf. Welche ergänzenden Angaben die Kasse benötigt, lässt sich mit ihrem Abrechnungsformular oder einer Rückfrage klären. FAQ zur Verhinderungspflege am Jahresende Kann ich mir das verbleibende Budget auszahlen lassen? Nein, ein ungenutzter Restbetrag ist kein frei verfügbares Guthaben. Erstattet werden nachgewiesene Kosten für Leistungen, deren Voraussetzungen erfüllt sind. Muss eine Rechnung aus Dezember 2026 noch im selben Jahr eingereicht werden? Nein, für 2026 durchgeführte Ersatzpflege endet die gesetzliche Antragsfrist nach geltendem Recht am 31. Dezember 2027. Bis dahin müssen der Erstattungsantrag und die Kostennachweise bei der Pflegekasse eingegangen sein. Ist die Abschaffung des bisherigen Jahresbudgets bereits beschlossen? Die beschriebenen Änderungen gehören zum Entwurf des Pflegeneuordnungsgesetzes. Sie dürfen nicht mit einem bereits geltenden Wegfall der bisherigen Leistungen gleichgesetzt werden. Quellen Bundesgesundheitsministerium – Häusliche Pflege und Verhinderungspflege § 39 SGB XI – Voraussetzungen und Erstattungsfrist der Verhinderungspflege Bundesgesundheitsministerium – Fragen und Antworten zum Entwurf des Pflegeneuordnungsgesetzes

Beitragsbild von: Rentner verliert 599 Euro Pflegegeld trotz Pflegegrad 3

25. Oktober 2026

101 Jahre alt, Pflegegrad 3 anerkannt – und trotzdem bleibt das Pflegegeld aus: Der Fall eines Rentners aus Dessau-Roßlau zeigt, wie schnell häusliche Pflege zum Streit mit der Pflegekasse werden kann. Dabei geht es um eine Frage, die viele Betroffene betrifft: Wer stellt die notwendige Hilfe tatsächlich sicher? Ein anerkannter Pflegegrad allein garantiert die Geldleistung nicht. Ebenso wenig darf eine Pflegekasse jedoch zusätzliche Hürden erfinden und funktionierende Unterstützung durch Freunde oder Nachbarn einfach übergehen. Pflegegrad bestätigt, Pflegegeld eingestellt Walter Krieg bekommt seit Ende Mai kein Pflegegeld mehr von der AOK Sachsen-Anhalt. Dabei sei sein Pflegegrad 3 bei einer erneuten Begutachtung während eines Krankenhausaufenthalts im Frühjahr bestätigt worden. Hinter dem Streit steht offenbar eine veränderte Versorgung: Der bisher helfende Neffe steht nicht mehr zur Verfügung, ein Freund unterstützt den Rentner dagegen täglich. Dieser möchte laut Bericht nicht als offizielle Pflegeperson auftreten. Die Pflegekasse verwies den 101-Jährigen auf einen professionellen Pflegedienst und wies seinen Widerspruch zurück. Gegenüber der Zeitung "BILD" kündigte sie eine erneute Prüfung an; deren Ergebnis geht aus den ausgewerteten Berichten nicht hervor. Pflegegeld setzt eine gesicherte Versorgung voraus Nach § 37 Absatz 1 SGB XI können Menschen mit Pflegegrad 2 bis 5 Pflegegeld für selbst organisierte Hilfe erhalten. Voraussetzung ist, dass die erforderliche Pflege, Betreuung und Unterstützung im Haushalt in geeigneter Weise sichergestellt wird. Der Pflegegrad beschreibt die Beeinträchtigung der Selbstständigkeit und Fähigkeiten, das Pflegegeld finanziert eine bestimmte Form der Versorgung. Deshalb kann der Geldanspruch entfallen, obwohl der Hilfebedarf und damit der Pflegegrad fortbestehen. Fällt die bisherige Unterstützung weg, muss geklärt werden, wie die notwendigen Hilfen künftig erbracht werden. Ein täglicher Besuch kann ausreichen, wenn er den Bedarf abdeckt; bloßes Vorbeischauen genügt dagegen nicht, wenn etwa notwendige Hilfe beim Waschen oder Anziehen ausbleibt. Eine offiziell benannte Pflegeperson ist keine zusätzliche Anspruchsvoraussetzung Das Pflegegeld ist nicht auf Familienpflege beschränkt: Auch Freunde, Nachbarn und andere ehrenamtlich Helfende können die Versorgung übernehmen. Ebenso kann sich die Unterstützung auf mehrere Menschen verteilen. Die Bürgerbeauftragte für soziale Angelegenheiten Schleswig-Holsteins hat in ihrem Tätigkeitsbericht 2024, Drucksache 20/3561, Seite 50 ausdrücklich beanstandet, dass Pflegekassen Zahlungen von der genauen Benennung einer Pflegeperson abhängig machten. Sie schildert eine Betroffene, die ihre Versorgung mit wechselnden Helfern organisierte und erst nach wiederholtem Einschreiten die ausstehenden Leistungen erhielt. Für den Fall des 101-Jährigen folgt daraus: Allein die Weigerung seines Freundes, offiziell als Pflegeperson aufzutreten, beantwortet die Frage nach dem Pflegegeld nicht. Geprüft werden muss, ob die tatsächlich geleistete Hilfe die Versorgung sichert. Auch die häufig genannten zehn Wochenstunden sind keine allgemeine Mindestgrenze für Pflegegeld. Diese zeitliche Voraussetzung betrifft nach § 19 SGB XI Leistungen zur sozialen Sicherung der pflegenden Person, für die weitere Bedingungen gelten. Wer noch selbstständig ist, verliert deshalb nicht seinen Anspruch Dass ein alter Mensch allein wohnt, seinen Interessen nachgeht oder einzelne Verrichtungen selbst erledigt, schließt Pflegebedürftigkeit nicht aus. Aus solchen Beobachtungen lässt sich nicht ohne Weiteres ableiten, ob er bei anderen Tätigkeiten regelmäßig Unterstützung benötigt. § 2 SGB XI verpflichtet die Pflegeversicherung ausdrücklich dazu, ein möglichst selbstständiges und selbstbestimmtes Leben zu unterstützen. Verbliebene Fähigkeiten zu nutzen, darf daher nicht pauschal zum Argument gegen notwendige Hilfe werden. Umgekehrt ersetzt der Wunsch nach einem selbstbestimmten Alltag keine fehlende Versorgung. Die Pflegekasse muss den konkreten Hilfebedarf und die vorhandene Unterstützung zusammen betrachten. Die Pflegekasse muss einen Zahlungsstopp nachvollziehbar begründen Wird eine laufende Bewilligung wegen veränderter Verhältnisse aufgehoben, muss dafür eine rechtlich erhebliche Änderung vorliegen; hierfür kommt insbesondere § 48 SGB X in Betracht. Der Ausfall eines bisherigen Helfers rechtfertigt nicht automatisch die Einstellung, wenn andere Menschen die benötigte Unterstützung übernehmen. Ein belastender Bescheid muss nach § 35 SGB X grundsätzlich die tatsächlichen und rechtlichen Gründe erkennen lassen. Vor einem Eingriff in bestehende Rechte ist nach § 24 SGB X regelmäßig Gelegenheit zur Stellungnahme zu geben. Betroffene sollten deshalb konkret erläutern, welche Hilfen sie benötigen und wie diese im Alltag organisiert sind. Eine kurze Darstellung der Aufgaben und Häufigkeit der Unterstützung kann helfen, pauschale Zweifel an der Versorgung zu widerlegen. Ein Pflegedienst bedeutet nicht automatisch null Euro Pflegegeld Deckt private Hilfe nur einen Teil des Bedarfs, kommt eine Kombination aus Pflegedienst und anteiligem Pflegegeld infrage. Nach § 38 SGB XI sinkt das Pflegegeld um den Prozentsatz, zu dem das verfügbare Sachleistungsbudget genutzt wird. Bei Pflegegrad 3 beträgt das volle Pflegegeld derzeit 599 Euro monatlich, für ambulante Pflegesachleistungen stehen nach § 36 SGB XI bis zu 1.497 Euro zur Verfügung. Diese Beträge werden bei einer Kombination anteilig berechnet und nicht vollständig nebeneinander gewährt. Pflegegrad 3: Rechenbeispiele zur Kombinationsleistung 2026 Genutzter Anteil des Sachleistungsbudgets Abgerechnete Pflegesachleistungen im Monat Verbleibendes Pflegegeld im Monat 0 Prozent 0,00 Euro 599,00 Euro 25 Prozent 374,25 Euro 449,25 Euro 50 Prozent 748,50 Euro 299,50 Euro 100 Prozent 1.497,00 Euro 0,00 Euro Unterstellt sind ein voller Anspruchsmonat, eine gesicherte Versorgung und keine weiteren Kürzungsgründe. Die Tabelle enthält Rechenbeispiele und sagt nicht aus, wie viele Pflegeeinsätze die jeweiligen Beträge finanzieren. Gerade wenn ein Freund weiter helfen möchte, aber bestimmte Aufgaben nicht übernehmen kann, sollte diese Möglichkeit geprüft werden. Die Pflegeberatung nach § 7a SGB XI soll dabei unterstützen, den Bedarf zu erfassen und einen passenden Versorgungsplan zu entwickeln. Beratungsbesuche sind eine weitere Voraussetzung Wer bei Pflegegrad 3 ausschließlich Pflegegeld bezieht, muss einmal pro Halbjahr einen Beratungseinsatz abrufen. Wird die vorgeschriebene Beratung nicht wahrgenommen, ist das Pflegegeld nach § 37 Absatz 6 SGB XI angemessen zu kürzen und im Wiederholungsfall zu entziehen. Diese Pflicht besteht unabhängig davon, ob Angehörige oder Freunde die Pflege übernehmen. Gegen-hartz.de erläutert, wie fehlende Beratungsnachweise das Pflegegeld gefährden können. Nach dem Bescheid laufen kurze Fristen Gegen einen Einstellungsbescheid kann grundsätzlich innerhalb eines Monats nach Bekanntgabe Widerspruch eingelegt werden. Nach einem ablehnenden Widerspruchsbescheid beträgt die Klagefrist beim Sozialgericht regelmäßig ebenfalls einen Monat; die Ankündigung einer erneuten Prüfung sollte niemand als sichere Fristverlängerung behandeln. Durch Akteneinsicht nach § 25 SGB X lässt sich feststellen, auf welche Unterlagen die Pflegekasse ihre Entscheidung stützt. Gutachten und Beratungsunterlagen können zeigen, ob tatsächlich Versorgungslücken festgestellt wurden oder lediglich Angaben zur Organisation der Hilfe fehlen. Gefährdet der Zahlungsstopp die notwendige Versorgung, kommt zusätzlich gerichtlicher Eilrechtsschutz nach § 86b SGG infrage. Für Versicherte fallen in solchen sozialgerichtlichen Verfahren grundsätzlich keine Gerichtsgebühren an; mögliche eigene Anwaltskosten sind davon zu unterscheiden. Pflegekassen müssen an einer tragfähigen Lösung mitarbeiten Ohne Kenntnis des vollständigen Bescheids und der Pflegeunterlagen lässt sich nicht abschließend beurteilen, ob die Entscheidung im Fall Walter Krieg rechtmäßig war. Der Bericht ist deshalb kein Beleg dafür, dass Pflegegeld allein wegen eines besonders selbstständigen Alltags gestrichen werden dürfte. Der Fall zeigt aber, wie wenig ein pauschaler Verweis auf einen Pflegedienst hilft, wenn ein Mensch seine Versorgung mit vertrauten Personen organisieren möchte. Eine Pflegekasse sollte erklären, welche Hilfe fehlt, und ihre Beratung dafür einsetzen, diese Lücke zu schließen. Fragen und Antworten zum Pflegegeld Kann Pflegegeld trotz anerkanntem Pflegegrad 3 entfallen? Ja, wenn die zusätzlichen Voraussetzungen für diese Geldleistung nicht erfüllt sind, etwa weil die notwendige häusliche Versorgung nicht gesichert ist. Der anerkannte Pflegegrad entfällt dadurch nicht automatisch. Muss die Pflege durch ein Familienmitglied erfolgen? Nein, auch Freunde, Nachbarn und andere ehrenamtlich Helfende können unterstützen. Die benötigte Hilfe darf auf mehrere Personen verteilt werden. Darf die Kasse eine offiziell benannte Pflegeperson verlangen? Die Benennung einer bestimmten Pflegeperson ist keine eigenständige Voraussetzung für den Pflegegeldanspruch. Die Pflegekasse darf aber prüfen, ob die notwendige Versorgung tatsächlich funktioniert. Wird das Pflegegeld direkt an den Helfer ausgezahlt? Grundsätzlich erhält die pflegebedürftige Person das Pflegegeld. Sie kann es beispielsweise als Anerkennung an Menschen weitergeben, die sie versorgen. Bleibt Pflegegeld übrig, wenn ein Pflegedienst hinzukommt? Bei einer Kombinationsleistung kann ein anteiliger Geldanspruch bestehen bleiben. Werden beispielsweise 25 Prozent des Sachleistungsbudgets genutzt, verbleiben 75 Prozent des vollen Pflegegeldes. Was ist nach einer Einstellung der Zahlung zu tun? Betroffene sollten den Bescheid prüfen, die Versorgung nachvollziehbar darstellen und die regelmäßig einmonatige Widerspruchsfrist beachten. Wurde der Widerspruch bereits zurückgewiesen, läuft grundsätzlich eine einmonatige Klagefrist ab Bekanntgabe des Widerspruchsbescheids.

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Tochter übernimmt den Haushalt: Krankenkasse erstattet die Fahrtkosten und Verdienstausfall

Beitragsbild von: Tochter übernimmt den Haushalt: Krankenkasse erstattet die Fahrtkosten und Verdienstausfall

25. Oktober 2026

Nach einer Operation springen oft die Tochter oder der Sohn ein und übernehmen den Haushalt. Entstehen dabei Fahrtkosten oder fällt durch die Hilfe Arbeitslohn weg, kann sich die Krankenkasse unter bestimmten Voraussetzungen an diesen Kosten beteiligen. Nahe Angehörige werden zwar grundsätzlich nicht wie eine professionelle Haushaltshilfe bezahlt. Nach § 38 Absatz 4 SGB V kann die Krankenkasse aber notwendige Fahrtkosten und Verdienstausfall erstatten. Voraussetzung ist, dass die unterstützte Person Anspruch auf Haushaltshilfe hat. Kein Helferlohn bedeutet nicht: keine Erstattung Für Verwandte und Verschwägerte bis zum zweiten Grad schließt das Gesetz grundsätzlich eine Vergütung der Hilfe aus. Dazu gehören etwa Kinder, Eltern, Geschwister und Großeltern. Eine Tochter kann deshalb keine geleisteten Stunden abrechnen wie ein gewerblicher Dienst. Auch ein privat vereinbarter Stundenlohn verpflichtet die Krankenkasse nicht zur Zahlung. Davon unterscheidet das Gesetz jedoch die erforderlichen Fahrtkosten und den Verdienstausfall. Diese Aufwendungen kann die Krankenkasse übernehmen. Nach einer Operation kann Haushaltshilfe zustehen Die Kostenerstattung setzt zunächst einen Anspruch der erkrankten Person auf Haushaltshilfe voraus. Eine Operation allein genügt dafür nicht. Entscheidend ist, ob Sie Ihren Haushalt wegen schwerer Krankheit oder einer akuten Verschlimmerung Ihrer Krankheit nicht weiterführen können. Das Gesetz nennt ausdrücklich die Zeit nach einem Krankenhausaufenthalt oder einer ambulanten Operation. Für diesen Anspruch brauchen Sie kein minderjähriges Kind im Haushalt. Er besteht längstens vier Wochen und setzt voraus, dass kein Pflegegrad 2 bis 5 vorliegt. Außerdem darf keine andere im Haushalt lebende Person die Haushaltsführung übernehmen können. Fiktives Beispiel: Rieke hilft ihrer Mutter Heike Heike, 54 Jahre, lebt allein in Papenburg. Nach einer größeren Bauchoperation kann sie vorübergehend weder einkaufen noch Wäsche tragen oder ihre Wohnung reinigen. Ein Pflegegrad liegt nicht vor. Ihre Ärztin bescheinigt, welche Hilfe Heike benötigt und wie lange die Einschränkungen voraussichtlich dauern. Ihre Tochter Rieke, 26 Jahre, wohnt 18 Kilometer entfernt in Dörpen. Sie arbeitet und möchte ihre Mutter mit dem eigenen Pkw besuchen, um den Haushalt weiterzuführen. Dass Rieke außerhalb von Heikes Wohnung lebt, ist wichtig: Sie gehört nicht zu den im Haushalt lebenden Personen, deren mögliche Hilfe den Anspruch nach § 38 Absatz 3 SGB V ausschließen kann. Heike beantragt vor Beginn Haushaltshilfe bei ihrer Krankenkasse und gibt Rieke als gewünschte Helferin an. Sie bittet zugleich um eine schriftliche Entscheidung über Fahrtkosten und Verdienstausfall. Im Beispiel erkennt die Kasse einen Bedarf von drei Stunden täglich an zehn Werktagen an und stimmt dem Einsatz der Tochter zu. 18 Kilometer hin und zurück ergeben 36 Kilometer je Einsatz Fährt Rieke an jedem der zehn bewilligten Tage einmal von Dörpen nach Papenburg und zurück, legt sie insgesamt 360 Kilometer zurück: zehn Fahrtenpaare zu jeweils 36 Kilometern. Sie dokumentiert Datum, Strecke, Fahrtzweck und gefahrene Kilometer. Private Umwege gehören nicht in diese Abrechnung. Aus den 360 Kilometern ergibt sich noch kein fester Erstattungsbetrag. § 38 Absatz 4 SGB V nennt keinen eigenen Kilometersatz. Heike sollte deshalb vorab schriftlich klären, welchen Satz ihre Kasse für Riekes Pkw-Fahrten anerkennt und welche Begrenzungen gelten. Eine steuerliche Kilometerpauschale lässt sich nicht auf die Krankenkasse übertragen. Verdienstausfall braucht einen tatsächlichen Einkommensverlust Für die notwendigen Einsätze vereinbart Rieke mit ihrem Arbeitgeber an zehn Tagen jeweils drei Stunden unbezahlte Freistellung. Der Arbeitgeber bestätigt für diese insgesamt 30 Stunden einen Ausfall des Nettoverdienstes von 390 Euro. Heike reicht die Bescheinigung zusammen mit der Einsatzübersicht ein und beantragt die Erstattung zusätzlich zu den Fahrtkosten. Die 390 Euro sind eine fiktive Rechengröße und kein gesetzlicher Höchstbetrag. Die Kasse prüft, ob die Arbeitsausfälle für die notwendige Haushaltshilfe erforderlich waren und ob die beantragten Gesamtkosten angemessen sind. Rieke sollte daher die Erstattung klären, bevor sie verbindlich auf Arbeitsentgelt verzichtet. Nimmt Rieke bezahlten Urlaub oder hilft sie ausschließlich in ihrer Freizeit, entsteht dadurch kein entsprechender Verdienstausfall. Ihre Hilfe erhält dadurch keinen abrechenbaren Stundenwert. Notwendige Fahrtkosten bleiben jedoch ein gesonderter Prüfpunkt. Welche Nachweise die Krankenkasse benötigt Nachweis Was daraus hervorgehen sollte Ärztliche Bescheinigung Warum Heike den Haushalt nicht führen kann sowie voraussichtliche Dauer und Umfang der notwendigen Hilfe. Angaben zum Haushalt Wer mit Heike zusammenlebt und weshalb niemand im Haushalt die erforderlichen Aufgaben übernehmen kann. Angaben zur Helferin Riekes Verwandtschaftsverhältnis, Wohnort und vorgesehene Einsatzzeiten. Fahrtenaufstellung Datum, Ausgangs- und Zielort, notwendige Kilometer und Zusammenhang mit dem jeweiligen Einsatz. Arbeitgeberbescheinigung Zeiten der unbezahlten Freistellung und Höhe des tatsächlichen Verdienstausfalls; gegebenenfalls ergänzende Lohnabrechnung. Einsatzübersicht An welchen Tagen Rieke welche Haushaltsaufgaben für wie viele Stunden übernommen hat. Warum Sie die Erstattung vorab klären sollten Eine selbst beschaffte Haushaltshilfe ist nach § 38 Absatz 4 SGB V vorgesehen, wenn die Krankenkasse keine Hilfe stellen kann oder ein Grund besteht, davon abzusehen. Klären Sie daher mit Ihrer Kasse sowohl den Einsatz der Angehörigen als auch die Kostenübernahme. Eine allgemeine Bewilligung von Haushaltshilfe beantwortet noch nicht automatisch, welche Fahrtkosten und Lohnausfälle anerkannt werden. Lassen Sie sich Zeitraum, Stundenumfang, Berechnung der Pkw-Kosten und Grenzen beim Verdienstausfall schriftlich bestätigen. Fragen Sie auch nach einer möglichen Zuzahlung. Für volljährige Versicherte beträgt diese bei krankheitsbedingter Haushaltshilfe grundsätzlich zehn Prozent der täglichen Kosten, mindestens fünf und höchstens zehn Euro, jedoch nicht mehr als die tatsächlichen Kosten. Eine bestehende Zuzahlungsbefreiung sollten Sie angeben. Die Kasse darf ihr Ermessen nicht durch eine pauschale Ablehnung ersetzen Heike hat nicht automatisch Anspruch darauf, dass die Krankenkasse sämtliche beantragten Angehörigenkosten vollständig bezahlt. Sie kann aber eine pflichtgemäße Ermessensentscheidung verlangen. Die Kasse muss die gesetzlichen Voraussetzungen und die Umstände ihres Falls berücksichtigen. Der bloße Hinweis „Ihre Tochter ist eine nahe Angehörige“ beantwortet den Antrag auf Fahrtkosten und Verdienstausfall nicht ausreichend. Lehnt die Kasse ab oder kürzt sie die Erstattung, verlangen Sie einen begründeten Bescheid. Prüfen Sie, ob die Entscheidung den notwendigen Hilfebedarf, die nachgewiesenen Kosten und den Vergleich mit einer Ersatzkraft berücksichtigt. Gegen den Bescheid können Sie grundsätzlich innerhalb eines Monats nach Bekanntgabe Widerspruch einlegen; beachten Sie die Rechtsbehelfsbelehrung. FAQ: Haushaltshilfe durch die Tochter Muss meine Tochter mit mir zusammenwohnen? Nein. Auch eine außerhalb Ihres Haushalts lebende Tochter kann die Hilfe übernehmen. Notwendige Anfahrten können dann Gegenstand des Erstattungsantrags sein. Bekomme ich Fahrtkosten nur zusammen mit Verdienstausfall erstattet? Ein tatsächlicher Lohnausfall ist keine gesetzliche Voraussetzung für die Erstattung notwendiger Fahrtkosten. Beantragen und belegen Sie die jeweils entstandenen Kosten getrennt. Bei welcher Krankenkasse stellen wir den Antrag? Bei der Krankenkasse der Person, die Haushaltshilfe benötigt. Im Beispiel beantragt Heike die Leistung bei ihrer Kasse und reicht dort Riekes Nachweise ein. Quellen DAK-Gesundheit: Bekommt meine Familie Kosten erstattet, wenn sie die Haushaltshilfe übernimmt?, aktualisiert am 1. Oktober 2026. DAK-Gesundheit: Brauche ich eine ärztliche Bescheinigung für Haushaltshilfe? Gesetze im Internet: § 38 SGB V – Haushaltshilfe. Gesetze im Internet: § 39 SGB I – Ermessensleistungen. Gesetze im Internet: § 84 SGG – Widerspruchsfrist. GKV-Spitzenverband: Haushaltshilfe.

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Rentenerhöhung 2027: Zwei Euro fehlen – dann knackt die Standardrente die 2.000-Euro

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25. Oktober 2026

Die Standardrente könnte durch die Rentenerhöhung 2027 auf rund 1.998 Euro brutto im Monat steigen. Zur 2.000-Euro-Marke würden dann nur gut zwei Euro fehlen. Das ergibt eine Modellrechnung mit dem von der Deutschen Rentenversicherung prognostizierten Rentenplus von 4,4 Prozent. Beschlossen ist diese Erhöhung noch nicht. Außerdem beschreibt die Standardrente einen Modellfall mit 45 Jahren Durchschnittsverdienst. Sie ist weder eine garantierte Rente nach 45 Arbeitsjahren noch der Betrag, den Rentner durchschnittlich ausgezahlt bekommen. Rentenerhöhung 2027: Bisher stehen 4,4 Prozent in der Prognose Die Deutsche Rentenversicherung Bund geht in ihrer Frühjahrsfinanzschätzung vom Mai 2026 für das Jahr 2027 von einer Rentenanpassung um 4,4 Prozent aus. Diese Vorausberechnung dient der Finanzplanung und beruht auf wirtschaftlichen Annahmen. Einen Anspruch begründet sie nicht. Wie stark die Renten zum 1. Juli 2027 tatsächlich steigen, hängt vor allem von der maßgeblichen Lohnentwicklung ab. Die Bundesregierung legt den neuen Rentenwert durch eine Verordnung fest, der der Bundesrat zustimmen muss. Die endgültige Anpassung kann deshalb von der bisherigen Prognose abweichen. So kommt die Standardrente auf knapp 2.000 Euro Seit Juli 2026 beträgt der aktuelle Rentenwert 42,52 Euro. Bei einer regulären Altersrente ohne Abschläge entspricht das dem monatlichen Bruttowert eines Entgeltpunkts. Die Standardrente mit 45 Entgeltpunkten liegt damit bei 1.913,40 Euro brutto. Bei einer angenommenen Erhöhung um 4,4 Prozent würde der Rentenwert auf gerundet 44,39 Euro steigen. Daraus ergibt sich folgende eigene Modellrechnung: Standardrente mit 45 Entgeltpunkten Brutto pro Monat Seit Juli 2026 1.913,40 Euro Bei angenommenen 4,4 Prozent Erhöhung ab Juli 2027 1.997,55 Euro Monatliches Plus 84,15 Euro Fehlender Betrag bis 2.000 Euro 2,45 Euro Die „zwei Euro“ aus der Überschrift sind also gerundet. In der Rechnung mit einem auf Cent gerundeten Rentenwert fehlen 2,45 Euro. Ob dieser Abstand tatsächlich entsteht, entscheidet sich erst mit der verbindlichen Rentenanpassung. 45 Arbeitsjahre allein reichen für diesen Betrag nicht Für die Standardrente wird angenommen, dass eine Person 45 Jahre lang jeweils das Durchschnittsentgelt verdient und darauf Rentenbeiträge gezahlt hat. So entstehen 45 Entgeltpunkte. Wer über längere Zeit weniger verdient, erwirbt aus dieser Beschäftigung entsprechend weniger Punkte. Deshalb können auch Menschen mit 45 Arbeitsjahren deutlich unter der Standardrente liegen. Umgekehrt können höhere versicherte Verdienste zu mehr Entgeltpunkten führen. Für die persönliche Rentenhöhe zählen außerdem weitere Faktoren. Dazu gehören anrechenbare Zeiten der Kindererziehung oder Pflege und mögliche Abschläge bei einem vorzeitigen Rentenbeginn. Maßgeblich ist der individuelle Versicherungsverlauf. Auch bei kleineren Renten macht sich das Plus bemerkbar Die Rentenanpassung betrifft nicht nur die Standardrente. Bei einem angenommenen Anstieg um 4,4 Prozent würde beispielsweise eine bisherige Bruttorente von 1.000 Euro rechnerisch um 44 Euro steigen. Bei 1.500 Euro wären es 66 Euro. Bisherige Bruttorente pro Monat Rechnerisches Plus Neue Bruttorente bei 4,4 Prozent 800 Euro 35,20 Euro 835,20 Euro 1.000 Euro 44,00 Euro 1.044,00 Euro 1.200 Euro 52,80 Euro 1.252,80 Euro 1.500 Euro 66,00 Euro 1.566,00 Euro 1.800 Euro 79,20 Euro 1.879,20 Euro Die Beträge sind eigene, vereinfachte Beispielrechnungen auf Grundlage der DRV-Prognose. Sie sind keine zugesagten Rentenzahlungen für 2027. Durch die tatsächliche Festsetzung und Rundung des Rentenwerts können sich Abweichungen ergeben. Vom Bruttobetrag gehen noch Beiträge ab Knapp 2.000 Euro Standardrente bedeuten nicht, dass derselbe Betrag auf dem Konto landet. Bei gesetzlich pflichtversicherten Rentnern behält die Rentenversicherung die Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung grundsätzlich direkt ein. Der ausgezahlte Betrag fällt deshalb niedriger aus. Zusätzlich kann Einkommensteuer anfallen. Die steuerliche Belastung hängt unter anderem vom Jahr des Rentenbeginns, weiteren Einkünften und den persönlichen Verhältnissen ab. Aus einer Bruttorente von rund 1.998 Euro lässt sich daher kein einheitlicher Nettobetrag für alle Rentner ableiten. Auch das mögliche Rentenplus von 84,15 Euro bei der Standardrente wäre ein Bruttobetrag. Wie viel davon tatsächlich zusätzlich verfügbar bleibt, muss individuell betrachtet werden. Für die eigene Planung zählt die persönliche Rente Wer das mögliche Plus abschätzen möchte, sollte vom Bruttobetrag in der eigenen Rentenmitteilung ausgehen. Eine Multiplikation mit 0,044 zeigt überschlägig, wie hoch eine Erhöhung um 4,4 Prozent ausfallen würde. Bei 1.200 Euro Bruttorente wären das zum Beispiel 52,80 Euro monatlich. Diese Rechnung hilft bei der Orientierung, ersetzt aber keine verbindliche Rentenanpassungsmitteilung. Für die Haushaltsplanung sollte das prognostizierte Plus deshalb noch nicht als sicherer zusätzlicher Betrag behandelt werden. Die 2.000-Euro-Marke bleibt vorerst eine mögliche Schwelle für die Standardrente. Für den einzelnen Rentner entscheiden die eigenen Ansprüche, die endgültige Erhöhung und die persönlichen Abzüge darüber, wie viel Geld ab Juli 2027 zur Verfügung steht. Quellen Deutsche Rentenversicherung Bund, Frühjahrsfinanzschätzung 2026; Deutsche Rentenversicherung, Informationen zur Rentenanpassung 2026, Rentenberechnung und Rentenabzügen; BMAS, Erläuterungen zur Standardrente und Rentenanpassung. Eigene Modellrechnungen.

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Schwerbehinderung: Auch das zahlt der Staat beim Ehrenamt

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25. Oktober 2026

Wer sich ehrenamtlich engagiert und wegen einer Behinderung Unterstützung braucht, muss die Kosten dafür nicht immer selbst tragen. § 78 Absatz 5 SGB IX ermöglicht unter bestimmten Voraussetzungen die Erstattung angemessener Aufwendungen. Das kann etwa die Mithilfe in einem sozialen Verein oder einer Selbsthilfegruppe betreffen. Ein Schwerbehindertenausweis allein reicht für den Anspruch nicht aus. Geprüft wird, ob die Person die gesetzlichen Voraussetzungen erfüllt und welche Hilfe sie für ihr Ehrenamt benötigt. Das Ehrenamt bleibt unbezahlt – die Unterstützung muss es nicht sein Menschen mit Behinderung können selbst Hilfe leisten, Verantwortung übernehmen und Projekte organisieren. Dass sie dafür bisweilen Assistenz brauchen, macht ihr Engagement nicht weniger wertvoll. Der Gesetzgeber finanziert Unterstützung bei dieser Tätigkeit; er zahlt keinen Lohn für das Ehrenamt. Wer Geld für die ehrenamtliche Arbeit erwartet, kann keinen Anspruch ableiten. Ein hoher GdB allein begründet keinen Anspruch Bei Leistungen der Eingliederungshilfe greifen § 113 SGB IX und § 78 SGB IX zusammen. Nach § 99 SGB IX kommt es darauf an, ob eine Behinderung die gleichberechtigte Teilhabe wesentlich einschränkt oder eine solche Einschränkung droht. Der GdB ersetzt diese Prüfung nicht; umgekehrt setzt Eingliederungshilfe keinen GdB von 50 voraus, im Unterschied vielen Vergünstigungen und Nachteilsausgleichen bei Schwerbehinderung. Welche Hilfe im Verein bezahlt werden kann Je nach Beeinträchtigung kann eine Begleitung oder Unterstützung bei einzelnen Handgriffen erforderlich sein. Auch Hilfe bei der Verständigung kommt in Betracht, wenn Sie Ihre ehrenamtliche Aufgabe sonst nicht ausüben können. Beschreiben Sie die konkrete Barriere: Welche Tätigkeit übernehmen Sie, wobei brauchen Sie Hilfe und wie oft? Wie bei anderen Assistenzleistungen der Eingliederungshilfe muss die Unterstützung zu Ihrem tatsächlichen Bedarf passen. Unterstützung beim Ehrenamt Voraussetzung oder Grenze Begleitung zu einem Vereinstermin Sie benötigen die Begleitung wegen Ihrer Behinderung; eine zumutbare kostenlose Hilfe steht nicht zur Verfügung. Hilfe bei behinderungsbedingt nicht möglichen Handgriffen Die Hilfe ermöglicht Ihre eigene Tätigkeit und ersetzt keine allgemeine Arbeitskraft des Vereins. Unterstützung bei der Kommunikation Art und Umfang müssen für die konkrete Aufgabe erforderlich sein. Ausgaben für Vereinsmaterial oder Raummiete Allgemeine Vereinskosten sind keine persönliche Ehrenamtsassistenz nach dieser Vorschrift. Auch Engagement in einer Selbsthilfegruppe kommt infrage Wer Treffen organisiert, andere Betroffene unterstützt oder Aufgaben für die Gruppe übernimmt, kann ehrenamtlich tätig sein. Beschreiben Sie diese Aufgaben im Antrag genau. Die bloße Teilnahme an einer Gruppe ist noch kein Ehrenamt. Benötigen Sie dafür Unterstützung, können jedoch andere Leistungen der sozialen Teilhabe zu prüfen sein. Das Amt darf nach kostenloser Hilfe fragen Das Gesetz sieht vorrangig Unterstützung durch Menschen vor, die zur Familie, dem Freundeskreis, der Nachbarschaft und ähnlichen Beziehungen gehören.  Eine Behörde darf also prüfen, ob geeignete Hilfe aus diesem Umfeld zumutbar und kostenlos möglich ist. Ein Verweis auf vorhandene Angehörige beantwortet diese Frage aber noch nicht. Erläutern Sie, wenn diese zu den benötigten Zeiten arbeiten, weit entfernt wohnen oder die Hilfe selbst nicht leisten können. Die Berliner Ausführungsvorschriften nennen die Lebensumstände der Unterstützungsperson als Prüfkriterium. Sie gelten nur für Berlin, veranschaulichen aber, weshalb die Zumutbarkeit nicht allein von  Verwandtschaft abhängt. Keine pauschale Zusage für jede Assistenzrechnung § 78 Absatz 5 SGB IX enthält keinen bundesweit gültigen Eurobetrag für jedes Ehrenamt. Der Träger prüft, welche Unterstützung notwendig ist und welche Aufwendungen dafür angemessen sind. Der Vorrang privater kostenloser Hilfe erschwert zwar das Engagement im Ehrenamt, allerdings ist ein Ersatz für den Aufwand grundsätzlich vorgesehen. Beauftragen Sie nicht ungeprüft eine Assistenz und setzen die Erstattung voraus. Dass Assistenzkosten vor Gericht durchgesetzt werden können, ersetzt nicht, den Anspruch im Vorfeld zu klären. Einkommen und vorhandene Leistungen mitprüfen Auch bei einer notwendigen Unterstützung können die Regeln der Eingliederungshilfe zu Einkommen und Vermögen eine Rolle spielen. Ein Ehrenamt ist zwingend beitragsfrei; beachten Sie die Freibeträge bei der Eingliederungshilfe. § 138 SGB IX enthält Ausnahmen von einem Einkommensbeitrag, etwa bei Leistungen nach dem SGB II oder SGB XII. Lassen Sie eine verlangte Eigenbeteiligung anhand Ihres Leistungsbezugs prüfen. Ein Pflegegrad schließt den Anspruch auf Teilhabeleistungen nicht aus, denn Eingliederungshilfe kommt auch bei Pflegebedarf infrage. Bereits finanzierte Unterstützung muss jedoch berücksichtigt werden, um den Bedarf nicht doppelt abgzurechnen. So begründen Sie Ihren Antrag Wenden Sie sich an den Träger der Eingliederungshilfe und nennen Sie die Unterstützung für Ihr Ehrenamt nach § 78 Absatz 5 SGB IX. Eine Vereinsbestätigung über Aufgaben, Termine und benötigte Hilfe erleichtert die Prüfung. Ergänzen Sie den Zeitaufwand, eine Kostenaufstellung und die Gründe, weshalb kostenlose Unterstützung nicht ausreicht. Eine konkrete Begründung des Assistenzbedarfs ist übrigens auch wichtig bei anderen Lesitungen der Teilhabe. Stellen Sie den Antrag vor der kostenpflichtigen Hilfe: Nach § 108 SGB IX beginnen Leistungen frühestens mit dem ersten Tag des Antragsmonats, wenn die Voraussetzungen vorlagen. Ein zusätzlicher Antrag entfällt, soweit der Bedarf bereits im Gesamtplan ermittelt wurde. Mit Ihrer Zustimmung kann nach § 116 Absatz 1 SGB IX auch eine pauschale Geldleistung infrage kommen. Davon zu unterscheiden ist die Leistungsform des Persönlichen Budgets. Eine Ablehnung muss nachvollziehbar sein Verlangen Sie einen schriftlichen Bescheid, wenn das Amt die Unterstützung ablehnt oder nur einen Teil der Kosten anerkennt. Unterstützung bei Fragen zu Antrag und Bescheid bietet die Ergänzende unabhängige Teilhabeberatung. Für einen Widerspruch gilt grundsätzlich eine Monatsfrist nach Bekanntgabe des Bescheids. Auch die Hinweise der Fachverbände zu abgelehnter Eingliederungshilfe können bei der Einordnung helfen, müssen aber zum jeweiligen Ablehnungsgrund passen. Fiktives Beispiel: Carlos engagiert sich gegen Kinderarmut Carlos ist 44 Jahre alt, lebt in Solingen, hat einen GdB von 90 und nutzt einen Rollstuhl. In einem Verein gegen Kinderarmut organisiert er die Ausgabe von Schulmaterialien und bespricht mit Familien, welche Unterstützung sie benötigen. Für einzelne Handgriffe und die Wege während der Ausgabe benötigt er Hilfe, die die übrigen Vereinsmitglieder neben ihren eigenen Aufgaben nicht zuverlässig übernehmen können. Seine Angehörigen stehen zu diesen Zeiten ebenfalls nicht zur Verfügung. Carlos beantragt die Erstattung der notwendigen Unterstützung und legt eine Bestätigung des Vereins sowie eine Kostenaufstellung vor. Erfüllt er die Voraussetzungen der Eingliederungshilfe und erkennt der Träger Notwendigkeit, Angemessenheit und fehlende zumutbare kostenlose Hilfe an, können die entsprechenden Aufwendungen erstattet werden. Sechs Fragen und Antworten zur Unterstützung im Ehrenamt Reicht ein Schwerbehindertenausweis aus? Nein, die Behörde prüft die Leistungsberechtigung und den konkreten Hilfebedarf. Der GdB allein entscheidet nicht über die Erstattung. Erhalte ich dadurch Geld für meine ehrenamtliche Arbeit? Nein, die Regelung betrifft Aufwendungen für notwendige Unterstützung. Sie begründet keine Vergütung Ihrer eigenen Tätigkeit. Müssen Angehörige kostenlos helfen? Das Gesetz bevorzugt Hilfe aus dem persönlichen Umfeld. Ob diese unentgeltlich zumutbar ist, muss anhand der tatsächlichen Umstände geprüft werden. Kann auch eine Assistenzkraft helfen? Das kommt in Betracht, wenn zumutbare kostenlose Unterstützung nicht möglich ist. Daraus folgt jedoch keine automatische Übernahme jedes angebotenen Honorars. Gibt es einen festen monatlichen Betrag? § 78 Absatz 5 SGB IX nennt keinen einheitlichen Monatsbetrag. Eine pauschale Geldleistung kann unter den Voraussetzungen des § 116 SGB IX vereinbart werden. Was ist bei einer Ablehnung wichtig? Prüfen Sie die Begründung und die Rechtsbehelfsbelehrung des Bescheids. Ein Widerspruch muss grundsätzlich innerhalb eines Monats nach Bekanntgabe eingehen. Quellen Deutscher Verein für öffentliche und private Fürsorge: Empfehlungen zu Assistenzleistungen nach dem SGB IX, 19. Juni 2024, Abschnitt 5.4. Gesetze im Internet: SGB IX, §§ 78, 99, 108, 113, 116, 135–140; Sozialgerichtsgesetz, § 84. Land Berlin: Gemeinsame Ausführungsvorschriften Eingliederungshilfe, Nummern 169 und 170.

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Rentenreform: Diese Jahrgänge müssen künftig länger arbeiten und später in Rente

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25. Oktober 2026

Wer 1968 oder später geboren wurde, könnte künftig länger arbeiten müssen als bisher geplant. Die Rentenkommission empfiehlt, das Rentenalter über 67 Jahre hinaus anzuheben. Bundeskanzler Friedrich Merz hat sich erneut dafür eingesetzt, Reformvorschläge umzusetzen. Für Versicherte könnte das bedeuten, dass sie erst später ohne Abschläge in Rente gehen können. Wer trotzdem früher aufhören möchte, müsste dann lebenslange Rentenkürzungen hinnehmen. Beschlossen ist noch keine neue Altersgrenze. Auch der erste betroffene Jahrgang steht nicht fest. Merz will die Vorschläge der Rentenkommission umsetzen Die Alterssicherungskommission legte am 23. Juni 2026 insgesamt 33 Empfehlungen zur Reform der Altersvorsorge vor. Dazu gehört der Vorschlag, die Regelaltersgrenze bei steigender Lebenserwartung anzuheben. Beim Deutschlandtag der Jungen Union am 17. Oktober 2026 in Bonn bekräftigte Bundeskanzler Friedrich Merz seine Unterstützung für die Reform. Das Bundeskabinett soll nach seinen Angaben noch in diesem Jahr über die Umsetzung entscheiden. Für Versicherte ändert diese Ankündigung zunächst nichts. Die Empfehlungen sind keine geltenden Gesetze. Erst durch einen entsprechenden Gesetzesbeschluss könnten sich die bisherigen Altersgrenzen verändern. Bis dahin bleibt es für alle ab 1964 Geborenen bei der Regelaltersgrenze von 67 Jahren. Warum besonders der Jahrgang 1968 betroffen sein könnte Im August 2026 wurde ein interner Arbeitsentwurf aus dem Bundesarbeitsministerium bekannt. Danach sollte die weitere Anhebung des Rentenalters erst für Menschen ab Geburtsjahrgang 1968 beginnen. Für die Jahrgänge 1965, 1966 und 1967 wäre es nach diesem Entwurf beim regulären Renteneintritt mit 67 geblieben. Die Rentenkommission selbst empfiehlt eine Anpassung nach 2031. Damit könnten Versicherte ab Jahrgang 1965 von einer späteren Regelaltersgrenze betroffen sein. Welche Jahrgänge tatsächlich länger arbeiten müssten, ist noch offen. Weitere Einzelheiten erläutert unser Beitrag „Rentenreform: Diese drei Jahrgänge könnten von der höheren Altersgrenze bei der Rente verschont bleiben“. Rentenalter könnte bis 2041 auf 67 Jahre und sechs Monate steigen Die Kommission schlägt vor, das Rentenalter künftig an die Entwicklung der Lebenserwartung zu koppeln. Dafür ist eine sogenannte Zwei-zu-eins-Regel vorgesehen. Steigt die Lebenserwartung um zwölf Monate, sollen davon rechnerisch acht Monate auf ein längeres Erwerbsleben und vier Monate auf einen längeren Rentenbezug entfallen. Nach den Annahmen der Kommission könnte die Regelaltersgrenze dadurch zwischen 2031 und 2041 von 67 Jahren auf 67 Jahre und sechs Monate steigen. Langfristig wäre auch eine Altersgrenze von 68 Jahren denkbar. Voraussetzung wäre, dass die Lebenserwartung entsprechend weiter steigt und die vorgeschlagene Regel umgesetzt wird. Es handelt sich also nicht um eine bereits festgelegte Rente mit 68. Die künftige Entwicklung soll regelmäßig überprüft werden. Jahrgang 1968: Schon zwei Monate könnten Rentenabschläge bedeuten Welche finanziellen Folgen eine höhere Altersgrenze haben könnte, zeigt eine Modellrechnung. Ein Versicherter des Jahrgangs 1968 hat 42 Entgeltpunkte erworben. Beim seit Juli 2026 geltenden Rentenwert von 42,52 Euro ergibt sich daraus eine rechnerische Monatsrente von 1.785,84 Euro brutto. Angenommen, seine Regelaltersgrenze würde durch eine Reform auf 67 Jahre und zwei Monate steigen. Wenn er trotzdem mit 67 Jahren in Rente gehen möchte, läge der Rentenbeginn zwei Monate vor seiner neuen Regelaltersgrenze. Nach den derzeitigen Abschlagsregeln werden bei einer vorgezogenen Altersrente 0,3 Prozent für jeden Monat des vorzeitigen Bezugs abgezogen. Bei zwei Monaten wären das 0,6 Prozent. Die monatliche Bruttorente würde sich rechnerisch um 10,72 Euro auf rund 1.775,12 Euro verringern. Der Abschlag bliebe dauerhaft bestehen. Voraussetzung wäre allerdings, dass der Versicherte eine vorgezogene Altersrente beanspruchen kann, beispielsweise nach mindestens 35 Versicherungsjahren. Die Regelaltersrente selbst lässt sich nicht einfach vorzeitig mit Abschlägen beziehen. Wichtig ist außerdem, dass die angenommene Anhebung um zwei Monate keine amtlich festgelegte Altersgrenze für den Jahrgang 1968 ist. Auch die heutigen Abschlagssätze müssen nach einer Reform nicht unverändert gelten. Jahrgang 1974: Sechs Monate später könnten 30,61 Euro kosten Für jüngere Jahrgänge könnte sich das Rentenalter noch deutlicher verschieben. Ein Beispiel ist der Jahrgang 1974. Diese Versicherten werden 2041 67 Jahre alt. Sollte die Regelaltersgrenze bis dahin auf 67 Jahre und sechs Monate steigen, läge ein Rentenbeginn mit 67 sechs Monate vor der neuen Altersgrenze. Bei 40 Entgeltpunkten ergibt sich nach dem Rentenwert von Juli 2026 eine rechnerische Monatsrente von 1.700,80 Euro brutto. Sechs Monate vorzeitiger Rentenbeginn würden bei Anwendung des heutigen Abschlagssatzes eine Kürzung von 1,8 Prozent bedeuten. Das entspricht rund 30,61 Euro brutto im Monat. Modellrechnung Jahrgang 1968 Jahrgang 1974 Entgeltpunkte 42 40 Rechnerische Bruttorente nach Rentenwert 2026 1.785,84 Euro 1.700,80 Euro Angenommene neue Altersgrenze 67 Jahre und 2 Monate 67 Jahre und 6 Monate Rentenbeginn im Beispiel 67 Jahre 67 Jahre Abschlag nach heutigem Satz 0,6 Prozent 1,8 Prozent Monatliche Kürzung 10,72 Euro 30,61 Euro Die Beträge sind reine Modellrechnungen mit dem Rentenwert von 2026. Sie berücksichtigen weder spätere Rentenerhöhungen noch zusätzliche Entgeltpunkte oder mögliche Änderungen der Abschlagsregeln. Die Beispiele zeigen jedoch, dass bereits wenige Monate Unterschied beim Rentenbeginn zu dauerhaften Kürzungen führen können. Früher in Rente geht nur mit der passenden Rentenart Wer vor der Regelaltersgrenze in Rente gehen möchte, muss die Voraussetzungen einer entsprechenden Altersrentenart erfüllen. Nach geltendem Recht können Menschen mit mindestens 35 Versicherungsjahren bereits ab 63 Jahren die Altersrente für langjährig Versicherte beziehen. Dafür müssen sie allerdings dauerhafte Abschläge hinnehmen. Die Rentenkommission empfiehlt, diesen frühesten Zugang zunächst auf 64 Jahre anzuheben. Anschließend soll die Altersgrenze parallel zur Regelaltersgrenze steigen. Wer die erforderlichen Versicherungsjahre nicht erreicht und keinen anderen vorgezogenen Rentenanspruch besitzt, kann nicht einfach gegen einen Abschlag früher in Altersrente gehen. Für die persönliche Planung kommt es deshalb sowohl auf das mögliche neue Rentenalter als auch auf die erfüllten Versicherungszeiten an. Auch die abschlagsfreie Rente nach 45 Jahren steht zur Debatte Besonders weitreichend ist ein weiterer Vorschlag der Rentenkommission. Die Altersrente für besonders langjährig Versicherte soll nach ihrer Empfehlung abgeschafft werden. Diese Rentenart ermöglicht derzeit nach 45 anrechenbaren Versicherungsjahren einen abschlagsfreien Ruhestand vor der Regelaltersgrenze. Für ab 1964 Geborene ist das nach geltendem Recht mit 65 Jahren möglich. Würde diese Möglichkeit wegfallen, könnten Betroffene ihren bisher vorgesehenen abschlagsfreien Rentenbeginn verlieren. Sie müssten entweder länger arbeiten oder eine andere vorgezogene Altersrente mit Abschlägen beanspruchen, wenn deren Voraussetzungen erfüllt sind. Ob Übergangsregelungen vorgesehen werden und welche Jahrgänge geschützt bleiben könnten, ist noch nicht entschieden. Welche finanziellen Folgen die Abschaffung haben könnte, zeigt unser Beitrag „Rentenreform: Jahrgänge 1960 bis 1969 treffen bei der Rente auf empfindlichen Punkt“. Altersteilzeit könnte erst mit 58 Jahren beginnen Die Reformvorschläge betreffen auch Beschäftigte, die bereits vor ihrem Rentenbeginn weniger arbeiten möchten. Die Kommission empfiehlt, das gesetzliche Mindestalter für Altersteilzeit von 55 auf 58 Jahre anzuheben und später an die Regelaltersgrenze zu koppeln. Außerdem soll das sogenannte Blockmodell entfallen. Bei dieser Variante arbeiten Beschäftigte zunächst weiter und werden anschließend für die zweite Phase der Altersteilzeit freigestellt. Ein Wegfall würde den Übergang in den Ruhestand verändern. Für bereits abgeschlossene Vereinbarungen wären mögliche Übergangs- und Vertrauensschutzregelungen entscheidend. Bislang handelt es sich auch hierbei ausschließlich um Reformempfehlungen. Neue Schutzrente für gesundheitlich eingeschränkte Beschäftigte geplant Wer aus gesundheitlichen Gründen seinen langjährig ausgeübten Beruf nicht mehr ausüben kann, soll nach den Empfehlungen der Kommission einen besonderen Rentenzugang erhalten. Vorgesehen ist eine Schutzrente für Versicherte, die kurz vor dem Ruhestand stehen und nach einer individuellen gesundheitlichen Prüfung nicht mehr in ihrem bisherigen Berufsfeld arbeiten können. Nach dem Reformvorschlag könnten Menschen mit mindestens 35 Versicherungsjahren unter bestimmten Voraussetzungen zwei Jahre vor der Regelaltersgrenze abschlagsfrei in Rente gehen. Ein noch früherer Beginn soll mit Abschlägen möglich sein. Ein allgemeiner Anspruch auf einen früheren Ruhestand wäre das jedoch nicht. Die gesundheitlichen Voraussetzungen müssten nachgewiesen werden. Wie die Schutzrente genau ausgestaltet wird, ist noch offen. Was Versicherte jetzt für ihre Rente prüfen sollten Noch ist nicht entschieden, welche Empfehlungen tatsächlich umgesetzt werden. Versicherte sollten deshalb zunächst ihre bestehenden Ansprüche kennen. Hilfreich ist eine Rentenauskunft der Deutschen Rentenversicherung. Daraus geht hervor, welche Versicherungszeiten berücksichtigt wurden und wann ein Rentenbeginn möglich ist. Wer Lücken im Versicherungsverlauf entdeckt, sollte eine Kontenklärung beantragen. Das betrifft fehlende Ausbildungszeiten, Beschäftigungszeiten oder Zeiten der Kindererziehung. Wichtig ist der Unterschied zwischen Versicherungsjahren und Entgeltpunkten. 45 Versicherungsjahre bedeuten nicht unbedingt 45 Rentenpunkte erworben wurden. Ein vorschneller Rentenantrag bietet keinen Schutz vor späteren Gesetzesänderungen. Wer erst in einigen Jahren in Rente gehen möchte, kann sich die heutigen Altersgrenzen nicht durch frühzeitigen Antrag sichern. FAQ zur möglichen Anhebung des Rentenalters Muss der Jahrgang 1968 künftig länger als bis 67 arbeiten? Das steht noch nicht fest. Ein interner Arbeitsentwurf sah eine weitere Anhebung ab Jahrgang 1968 vor. Die Rentenkommission empfiehlt eine Kopplung an die Lebenserwartung nach 2031. Kann ich mit 67 in Rente gehen, wenn meine Altersgrenze auf 67 Jahre und sechs Monate steigt? Das wäre unter Umständen möglich, wenn ein Anspruch auf eine vorgezogene Altersrente besteht. Nach den heutigen Regeln können zum Beispiel Menschen mit mindestens 35 Versicherungsjahren vorzeitig in Rente gehen. Was passiert mit einer bereits vereinbarten Altersteilzeit? Die Empfehlungen der Rentenkommission ändern bestehende Vereinbarungen zunächst nicht. Sollte die Altersteilzeit gesetzlich neu geregelt werden, sind die konkreten Übergangs- und Vertrauensschutzvorschriften entscheidend. Für viele Jahrgänge bleibt die Rentenplanung unsicher Die geplante Reform könnte den Rentenbeginn für jüngere Jahrgänge deutlich verändern. Neben einer höheren Regelaltersgrenze stehen auch die vorgezogene Rente nach 35 Versicherungsjahren und der abschlagsfreie Rentenzugang nach 45 Jahren zur Diskussion. Die Modellrechnungen zeigen, dass bereits wenige Monate Unterschied beim Renteneintritt zu dauerhaften Abschlägen führen können. Wie hoch diese tatsächlich ausfallen würden, hängt jedoch von der späteren Gesetzgebung ab. Bis neue Regeln beschlossen sind, gelten die bisherigen Altersgrenzen. Wer seinen Ruhestand vorbereitet, sollte deshalb die aktuellen Rentenansprüche prüfen und bei langfristigen Planungen mögliche Veränderungen berücksichtigen. Quellen Bundesministerium für Arbeit und Soziales – Rentenkommission 2026 und die 33 Reformempfehlungen Bundesministerium für Arbeit und Soziales – Fragen und Antworten zur Rentenkommission 2026 CDU Deutschlands – Deutschlandtag der Jungen Union und Reformankündigungen von Friedrich Merz, 19. Oktober 2026 Rentenwertbestimmungsverordnung 2026 – Aktueller Rentenwert von 42,52 Euro ab 1. Juli 2026 Deutsche Rentenversicherung – Rentenanpassung 2026 § 35 SGB VI – Regelaltersrente § 36 SGB VI – Altersrente für langjährig Versicherte § 38 SGB VI – Altersrente für besonders langjährig Versicherte

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6 wichtige Änderungen für Alle kommen ab November 2026

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25. Oktober 2026

Beim Einkauf auf Raten greifen neue Schutzregeln, Krankenkassen bereiten ihre Beiträge für 2027 vor und für viele Autofahrer läuft die Kündigungsfrist ab. Der November bringt Entscheidungen, die sich noch lange auf das Haushaltsbudget auswirken können. Wer wenig finanziellen Spielraum hat, sollte besonders auf Zahlungsfristen, Versicherungsbeiträge und mögliche Steuerentlastungen achten. Allerdings beginnt nicht jede angekündigte Neuerung schon im November: Das neue Altersvorsorgedepot startet erst 2027. Ab 20. November gelten neue Regeln für kleine Kredite und Ratenkäufe Eine kleine Monatsrate kann einen großen Kauf harmlos erscheinen lassen. Werden mehrere Anschaffungen gleichzeitig finanziert, entsteht daraus schnell eine Belastung, die im Alltag kaum noch zu stemmen ist. Ab dem 20. November 2026 werden deshalb auch Kleinkredite unter 200 Euro, zinsfreie Finanzierungen und zahlreiche Angebote nach dem Prinzip „Jetzt kaufen, später bezahlen“ stärker vom Verbraucherkreditrecht erfasst. Über die Ausweitung des Schutzes informiert die Bundesregierung zur Umsetzung der neuen Verbraucherkreditrichtlinie. Für erfasste Verträge müssen Anbieter vor dem Abschluss die Kreditwürdigkeit prüfen. Auch bei kleinen Beträgen ist eine Finanzierung damit kein Selbstläufer; wie aufwendig die Prüfung ausfällt, hängt von den gesetzlichen Vorgaben und dem jeweiligen Angebot ab. Die Reform erweitert außerdem die Informationspflichten und begrenzt das bislang in bestimmten Fällen unbefristete Widerrufsrecht bei Allgemein-Verbraucherdarlehen grundsätzlich auf zwölf Monate und 14 Tage. Wer einen älteren Vertrag überprüfen lassen will, sollte daraus allerdings keinen pauschalen Verlust bestehender Rechte ableiten. Der Zusatzbeitrag für 2027 ist keine Preisgarantie der Krankenkasse Bis zum 1. November muss das Bundesgesundheitsministerium den durchschnittlichen Zusatzbeitrag für das kommende Jahr bekannt geben. Der GKV-Schätzerkreis hat am 14. Oktober 2026 einen rechnerischen Wert von unverändert 2,9 Prozent für 2027 ermittelt. Dieser Wert sagt jedoch nicht, welchen Beitrag die eigene Krankenkasse verlangen wird. Wie das Bundesamt für Soziale Sicherung erläutert, entscheidet darüber die jeweilige Kasse; Veränderungen ihrer Finanzreserven berücksichtigt die Schätzung nicht. Seit Ende Juli 2026 ist die bisherige gesetzliche Pflicht zur individuellen Information über eine Erhöhung entfallen. Versicherte sollten deshalb die Veröffentlichungen ihrer Kasse und deren Beitragssatz für 2027 prüfen; gegen-hartz.de erklärt die Folgen im Beitrag über steigende Krankenkassenbeiträge ohne Pflichtbrief. Bei einer Kassenerhöhung zählt die rechtzeitige Wahl der neuen Kasse Das besondere Wechselrecht bei einer Beitragserhöhung besteht weiterhin. Steigt der Zusatzbeitrag zum 1. Januar 2027, muss die Wahl einer neuen gesetzlichen Krankenkasse grundsätzlich spätestens bis Ende Januar erklärt werden, um dieses Recht zu nutzen. Die Mitgliedschaft bei der neuen Kasse muss zu diesem Zeitpunkt noch nicht begonnen haben. Bei einer Wahlerklärung im Januar erfolgt der Wechsel wegen der Frist zum Ende des übernächsten Kalendermonats regelmäßig zum 1. April; die neue Kasse übernimmt die elektronische Meldung an die bisherige. Diese Unterscheidung ergibt sich aus § 175 SGB V und ist für die Planung entscheidend. Ein bestehender Wahltarif kann zusätzliche Bindungen auslösen, die vor dem Wechsel geprüft werden sollten. Pflichtversicherte Rentner sollten zudem nicht erst auf eine niedrigere Rentenüberweisung warten. Nach den Informationen der Deutschen Rentenversicherung wirken sich Änderungen des Zusatzbeitrags auf die Beiträge aus der gesetzlichen Rente erst zwei Monate später aus. Ab November den Lohnsteuerfreibetrag für 2027 beantragen Beschäftigte mit höheren abziehbaren Ausgaben können ab dem 1. November 2026 einen Freibetrag für den Lohnsteuerabzug 2027 beantragen. Das kommt beispielsweise bei längeren Arbeitswegen, abziehbaren Kinderbetreuungskosten oder bestimmten außergewöhnlichen Belastungen infrage. Berücksichtigt das Finanzamt den Freibetrag, kann bereits während des Jahres mehr Netto vom Gehalt bleiben. Die Entlastung wird vorgezogen, statt erst über eine spätere Steuererstattung zu wirken. Ein Freibetrag von 1.200 Euro bedeutet allerdings keine Auszahlung von 1.200 Euro. Er verringert die Berechnungsgrundlage für den Lohnsteuerabzug; die tatsächliche Entlastung hängt von den persönlichen Steuerverhältnissen ab. Für viele Aufwendungen gilt eine Antragsgrenze von mehr als 600 Euro, wobei Werbungskosten nur oberhalb des Arbeitnehmer-Pauschbetrags mitzählen. Einzelheiten und die Formulare erläutert ELSTER zum Lohnsteuer-Ermäßigungsverfahren. Wer einen solchen Freibetrag erhält, muss häufig später eine Einkommensteuererklärung abgeben. Außerdem sollten Beschäftigte prüfen, ob ein bereits bewilligter Freibetrag ohnehin noch für 2027 gilt. Altersvorsorgedepot: Bis zu 540 Euro Förderung beginnen erst 2027 Das neue Altersvorsorgedepot ist keine zusätzliche Auszahlung zur laufenden gesetzlichen Rente. Die reformierten Produkte können ab dem 1. Januar 2027 angeboten werden, wie die Bundesregierung zur Reform der privaten Altersvorsorge erklärt. Unmittelbar Förderberechtigte erhalten auf die ersten 360 Euro Eigenbeitrag im Jahr eine Grundzulage von 50 Prozent. Für weitere Einzahlungen bis insgesamt 1.800 Euro gibt es 25 Prozent, sodass die Grundzulage höchstens 540 Euro jährlich beträgt. Die höchste Grundzulage setzt damit einen eigenen Beitrag von 150 Euro monatlich im Jahresdurchschnitt voraus. Zusätzlich sind unter den jeweiligen Voraussetzungen Kinderzulagen von bis zu 300 Euro pro Kind möglich; auch bisher nicht erfasste Selbstständige werden in die Förderung einbezogen. Für das Standarddepot gilt eine Begrenzung der Effektivkosten auf ein Prozent, nicht pauschal für jedes angebotene Vorsorgeprodukt. Die Änderungen bei Förderung und Kosten hat der Bundestag in seiner Darstellung zum Altersvorsorgereformgesetzerläutert. Ein Depot ohne Garantie eröffnet Renditechancen, trägt aber auch das Risiko von Kursverlusten. Wer Angebote vergleicht, sollte Kosten, Bindung, spätere Besteuerung und das eigene Budget prüfen; eine hohe Zulage macht eine dauerhaft untragbare Sparrate nicht bezahlbar. Wie sich unterschiedliche Eigenbeiträge auswirken, zeigt der Beitrag „Rente 2027: 540 Euro Extra vom Staat – aber das muss man dafür tun“. Eine gesetzliche Pflicht, bereits im November bei einem bestimmten Anbieter abzuschließen, gehört nicht zu den Fördervoraussetzungen. Kfz-Versicherung: Der 30. November gilt für viele Verträge Endet das Versicherungsjahr am 31. Dezember und beträgt die Kündigungsfrist einen Monat, muss die Kündigung spätestens am 30. November 2026 beim Versicherer eingehen. Das Absendedatum genügt nicht; bei anderen Vertragsabläufen gelten andere Termine. Vor einem Wechsel kann sich eine Anfrage nach einem günstigeren Tarif beim bisherigen Versicherer lohnen. Auch eine veränderte Fahrleistung oder ein kleinerer Fahrerkreis können den Beitrag beeinflussen, sofern die Angaben zur tatsächlichen Nutzung passen. Ein niedrigerer Preis allein reicht für einen sinnvollen Vergleich nicht aus. Selbstbeteiligung, Leistungsumfang und die Übernahme des Schadenverlaufs sollten ebenfalls geprüft werden, wie die Verbraucherzentrale zum Versicherungswechsel erläutert. Erhöht der Versicherer den Beitrag aufgrund einer Anpassungsklausel ohne entsprechende Mehrleistung, eröffnet § 40 Versicherungsvertragsgesetz ein Sonderkündigungsrecht innerhalb eines Monats nach Zugang der Mitteilung. Welche Bedeutung neue regionale Einstufungen haben, erläutert gegen-hartz.de im Beitrag zur Kfz-Versicherung für Senioren ab 2027. Euro 7 beginnt am 29. November mit neuen Fahrzeugtypen Ab dem 29. November 2026 gelten die Euro-7-Anforderungen zunächst für neue Typgenehmigungen von Pkw und leichten Nutzfahrzeugen. Für Neufahrzeuge dieser Klassen greift die nächste Stufe grundsätzlich am 29. November 2027. Die Regeln erfassen neben Abgasen auch Bremspartikel und die Haltbarkeit von Antriebsbatterien. Für den Reifenabrieb gelten eigene, spätere Einführungstermine, bei neuen Pkw-Reifentypen ab Juli 2028. Bei erfassten Elektro-Pkw und Plug-in-Hybriden verlangt die Verordnung grundsätzlich mindestens 80 Prozent der ursprünglichen Batterieenergie bis fünf Jahre oder 100.000 Kilometer. Für den anschließenden Zeitraum bis acht Jahre oder 160.000 Kilometer beträgt die Schwelle 72 Prozent, wobei jeweils das zuerst erreichte Alters- oder Kilometerlimit zählt. Die Einzelheiten stehen in der Euro-7-Verordnung (EU) 2024/1257. Für bereits zugelassene Autos entsteht allein durch diesen Starttermin keine neue allgemeine Nachrüstpflicht. Diese Termine und Entscheidungen sind im November wichtig Thema Termin Bedeutung für Verbraucher Lohnsteuerfreibetrag Ab 1. November 2026 Antrag für den Lohnsteuerabzug 2027 stellen. Krankenkassen Bis 1. November 2026 Bekanntgabe des Durchschnittswerts; der eigene Kassenbeitrag kann abweichen. Verbraucherkredite Ab 20. November 2026 Erweiterter Schutz auch bei kleinen Finanzierungen und vielen Ratenkäufen. Euro 7 Ab 29. November 2026 Neue Anforderungen zunächst für neue Pkw- und Transportertypen. Kfz-Versicherung Häufig 30. November 2026 Kündigung muss bei entsprechendem Vertragsablauf bis dahin eingehen. Altersvorsorgedepot Start ab 1. Januar 2027 Im November Angebote prüfen; Förderung setzt Berechtigung und Eigenbeiträge voraus. Sechs Fragen und Antworten zu den Änderungen im November 2026 Sind kleine Ratenkäufe ab November verboten? Nein, solche Finanzierungen bleiben möglich. Ab dem 20. November greifen für mehr Angebote Schutzvorschriften, zu denen insbesondere die Prüfung der Kreditwürdigkeit gehört. Muss der Kassenwechsel bei einer Januar-Erhöhung bis Ende Januar abgeschlossen sein? Nein, bis dahin muss grundsätzlich die Wahl der neuen Kasse erklärt sein. Bei einer Erklärung im Januar beginnt die neue Mitgliedschaft regelmäßig am 1. April, sofern keine besonderen Bindungen entgegenstehen. Bekommen Rentner die 540 Euro automatisch ausgezahlt? Nein, die Summe ist die mögliche jährliche Grundzulage für einen geförderten Altersvorsorgevertrag. Sie setzt Förderberechtigung und entsprechende Eigenbeiträge voraus und erhöht nicht automatisch die laufende gesetzliche Rente. Ist ein Lohnsteuerfreibetrag eine zusätzliche Steuererstattung? Der Freibetrag berücksichtigt abziehbare Beträge bereits beim laufenden Lohnsteuerabzug. Die endgültige Jahressteuer richtet sich weiterhin nach den tatsächlich vorliegenden Verhältnissen. Gilt der 30. November für jede Autoversicherung? Nein, der Termin passt zu Verträgen mit Ablauf zum Jahresende und einer Kündigungsfrist von einem Monat. Bei abweichendem Versicherungsjahr oder einem Sonderkündigungsrecht kann ein anderer Termin gelten. Muss mein bisheriges Auto wegen Euro 7 umgerüstet werden? Aus dem Beginn der neuen Vorgaben am 29. November 2026 folgt keine allgemeine Umrüstpflicht für bereits zugelassene Fahrzeuge. Zunächst sind neue Fahrzeugtypen von Pkw und leichten Nutzfahrzeugen betroffen.

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Verhinderungspflege und Kurzzeitpflege: Zum Jahresende droht der Verlust der Pflegeleistungen

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25. Oktober 2026

Wer Angehörige zu Hause pflegt, sollte vor Jahresende prüfen, wie viel Geld für eine Vertretung noch zur Verfügung steht. Für Verhinderungs- und Kurzzeitpflege gibt es 2026 zusammen bis zu 3.539 Euro, doch ungenutzte Mittel lassen sich nicht ins nächste Jahr übertragen. Für bereits entstandene Kosten gilt eine andere Frist. Hat die Ersatzpflege 2026 stattgefunden, können Familien die Erstattung nach geltendem Recht noch bis Ende 2027 beantragen. Die 3.539 Euro sind keine pauschale Auszahlung Verhinderungspflege hilft, wenn die sonst pflegende Person wegen Urlaub, Krankheit oder aus anderen Gründen vorübergehend ausfällt. Voraussetzung sind mindestens Pflegegrad 2 und nachgewiesene Kosten einer notwendigen Ersatzpflege. Das gemeinsame Jahresbudget steht für Verhinderungs- und Kurzzeitpflege zur Verfügung. Wer daraus bereits einen Aufenthalt in einer Kurzzeitpflegeeinrichtung finanziert hat, kann für die Ersatzpflege zu Hause nur noch den verbleibenden Betrag einsetzen. Wurden als Beispiel bereits 2.000 Euro aus dem gemeinsamen Budget verbraucht, bleiben höchstens 1.539 Euro übrig. Diesen Restbetrag überweist die Pflegekasse nicht allein deshalb, weil das Jahr endet. Das Geld dient dazu, erstattungsfähige Pflegekosten zu decken. Wer keine solchen Leistungen nutzt, kann sich das ungenutzte Budget weder auszahlen lassen noch ansparen. Für Rechnungen aus 2026 bleibt mehr Zeit Für Ersatzpflege, die 2026 tatsächlich stattgefunden hat, müssen der Erstattungsantrag und die Kostennachweise spätestens am 31. Dezember 2027 bei der Pflegekasse eingehen. Eine Antragstellung vor Beginn der Ersatzpflege ist nach § 39 SGB XI nicht vorgeschrieben. Wer im Dezember 2026 eine notwendige Vertretung organisiert, muss deren Abrechnung deshalb nicht zwingend noch vor Silvester erledigen. Der Einsatz gehört trotzdem zum Budget des Jahres 2026. Situation Bedeutung für den Anspruch Ein Teil des Budgets für 2026 bleibt ungenutzt. Der Restbetrag kann nicht für Pflegeeinsätze im Folgejahr angespart werden. Die Ersatzpflege findet im Dezember 2026 statt. Die Erstattung kann nach geltendem Recht noch bis Ende 2027 mit Kostennachweisen beantragt werden. Die Ersatzpflege findet erst 2027 statt. Dafür steht das verbliebene Budget aus 2026 nicht zur Verfügung. Die Pflegekasse bearbeitet den Antrag erst nach Ablauf der Frist. Entscheidend ist der rechtzeitige Eingang des Antrags mit den Kostennachweisen, nicht der Auszahlungstermin. Weitere Hinweise enthält unser Beitrag zur Erstattungsfrist bei der Verhinderungspflege. Wer noch offene Abrechnungen hat, sollte die Unterlagen dennoch frühzeitig zusammenstellen, damit Zeit für fehlende Nachweise bleibt. Ein Beispiel zeigt den Unterschied Eine Tochter pflegt ihre Mutter mit Pflegegrad 3 und fällt im November 2026 wegen einer eigenen Erkrankung aus. Ein Pflegedienst übernimmt die notwendige Ersatzpflege und stellt dafür 900 Euro in Rechnung. Sind die Voraussetzungen erfüllt und stehen im Jahresbudget noch mindestens 900 Euro zur Verfügung, kann die Pflegekasse diese Kosten übernehmen. Reicht die Mutter den Erstattungsantrag samt Rechnung erst im Februar 2027 ein, ist die Frist nach geltendem Recht noch gewahrt. Anders liegt der Fall, wenn der Pflegedienst erst im Februar 2027 einspringt. Dann lassen sich die Kosten nicht mit ungenutzten Mitteln aus 2026 bezahlen. Bei Hilfe durch Angehörige gelten zusätzliche Grenzen Die Höhe des verfügbaren Budgets sagt noch nicht, wie viel die Pflegekasse für einen einzelnen Einsatz übernimmt. Bei nicht erwerbsmäßiger Ersatzpflege durch Angehörige bis zum zweiten Grad oder Personen aus demselben Haushalt ist die Erstattung regelmäßig auf zwei monatliche Pflegegeldbeträge begrenzt. Nachgewiesene notwendige Aufwendungen, etwa Fahrtkosten oder Verdienstausfall, können darüber hinaus berücksichtigt werden. Insgesamt bleibt aber das verfügbare gemeinsame Jahresbudget die Obergrenze. Die Pflegereform soll die Finanzierung verändern Neben dem jährlichen Verfall ungenutzter Mittel steht eine politische Änderung im Raum. Der Entwurf des Pflegeneuordnungsgesetzes sieht vor, bisherige Einzelleistungen in neuen Budgets zusammenzufassen. Nach den Erläuterungen des Bundesgesundheitsministeriums soll Ersatzpflege unter anderem aus einem erhöhten Entlastungsbudget oder einem ambulanten Sachleistungsbudget finanziert werden können. Hinzu kommen soll ein Überbrückungsbudget für bestimmte Versorgungssituationen. Die bisherige Finanzierung würde damit umgebaut. Daraus folgt aber weder, dass Ersatzpflege künftig vollständig selbst bezahlt werden müsste, noch dass die angekündigten Änderungen bereits gelten. Für Familien zählt deshalb die Trennung zwischen geltendem Anspruch und Reformplan. Ein Gesetzentwurf allein beendet das derzeitige Jahresbudget nicht. Diese Unterlagen sollten Familien jetzt prüfen Hilfreich ist zunächst eine Übersicht der Pflegekasse über bereits abgerechnete Leistungen. Gleichen Sie diese mit eigenen Rechnungen und noch offenen Einsätzen ab. Für eine nachvollziehbare Abrechnung sollten insbesondere folgende Angaben und Belege vorliegen. Name der pflegebedürftigen Person und Versicherungsnummer Datum und Dauer der Ersatzpflege Name der Ersatzpflegeperson oder des Dienstes Angefallene Kosten und entsprechende Nachweise Angaben zu Verwandtschaft oder gemeinsamem Haushalt Nachweise über zusätzlich geltend gemachte Fahrtkosten oder Verdienstausfälle Bewahren Sie eine Kopie der eingereichten Unterlagen und einen Nachweis über den Eingang auf. Welche ergänzenden Angaben die Kasse benötigt, lässt sich mit ihrem Abrechnungsformular oder einer Rückfrage klären. FAQ zur Verhinderungspflege am Jahresende Kann ich mir das verbleibende Budget auszahlen lassen? Nein, ein ungenutzter Restbetrag ist kein frei verfügbares Guthaben. Erstattet werden nachgewiesene Kosten für Leistungen, deren Voraussetzungen erfüllt sind. Muss eine Rechnung aus Dezember 2026 noch im selben Jahr eingereicht werden? Nein, für 2026 durchgeführte Ersatzpflege endet die gesetzliche Antragsfrist nach geltendem Recht am 31. Dezember 2027. Bis dahin müssen der Erstattungsantrag und die Kostennachweise bei der Pflegekasse eingegangen sein. Ist die Abschaffung des bisherigen Jahresbudgets bereits beschlossen? Die beschriebenen Änderungen gehören zum Entwurf des Pflegeneuordnungsgesetzes. Sie dürfen nicht mit einem bereits geltenden Wegfall der bisherigen Leistungen gleichgesetzt werden. Quellen Bundesgesundheitsministerium – Häusliche Pflege und Verhinderungspflege § 39 SGB XI – Voraussetzungen und Erstattungsfrist der Verhinderungspflege Bundesgesundheitsministerium – Fragen und Antworten zum Entwurf des Pflegeneuordnungsgesetzes

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Rentner verliert 599 Euro Pflegegeld trotz Pflegegrad 3

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25. Oktober 2026

101 Jahre alt, Pflegegrad 3 anerkannt – und trotzdem bleibt das Pflegegeld aus: Der Fall eines Rentners aus Dessau-Roßlau zeigt, wie schnell häusliche Pflege zum Streit mit der Pflegekasse werden kann. Dabei geht es um eine Frage, die viele Betroffene betrifft: Wer stellt die notwendige Hilfe tatsächlich sicher? Ein anerkannter Pflegegrad allein garantiert die Geldleistung nicht. Ebenso wenig darf eine Pflegekasse jedoch zusätzliche Hürden erfinden und funktionierende Unterstützung durch Freunde oder Nachbarn einfach übergehen. Pflegegrad bestätigt, Pflegegeld eingestellt Walter Krieg bekommt seit Ende Mai kein Pflegegeld mehr von der AOK Sachsen-Anhalt. Dabei sei sein Pflegegrad 3 bei einer erneuten Begutachtung während eines Krankenhausaufenthalts im Frühjahr bestätigt worden. Hinter dem Streit steht offenbar eine veränderte Versorgung: Der bisher helfende Neffe steht nicht mehr zur Verfügung, ein Freund unterstützt den Rentner dagegen täglich. Dieser möchte laut Bericht nicht als offizielle Pflegeperson auftreten. Die Pflegekasse verwies den 101-Jährigen auf einen professionellen Pflegedienst und wies seinen Widerspruch zurück. Gegenüber der Zeitung "BILD" kündigte sie eine erneute Prüfung an; deren Ergebnis geht aus den ausgewerteten Berichten nicht hervor. Pflegegeld setzt eine gesicherte Versorgung voraus Nach § 37 Absatz 1 SGB XI können Menschen mit Pflegegrad 2 bis 5 Pflegegeld für selbst organisierte Hilfe erhalten. Voraussetzung ist, dass die erforderliche Pflege, Betreuung und Unterstützung im Haushalt in geeigneter Weise sichergestellt wird. Der Pflegegrad beschreibt die Beeinträchtigung der Selbstständigkeit und Fähigkeiten, das Pflegegeld finanziert eine bestimmte Form der Versorgung. Deshalb kann der Geldanspruch entfallen, obwohl der Hilfebedarf und damit der Pflegegrad fortbestehen. Fällt die bisherige Unterstützung weg, muss geklärt werden, wie die notwendigen Hilfen künftig erbracht werden. Ein täglicher Besuch kann ausreichen, wenn er den Bedarf abdeckt; bloßes Vorbeischauen genügt dagegen nicht, wenn etwa notwendige Hilfe beim Waschen oder Anziehen ausbleibt. Eine offiziell benannte Pflegeperson ist keine zusätzliche Anspruchsvoraussetzung Das Pflegegeld ist nicht auf Familienpflege beschränkt: Auch Freunde, Nachbarn und andere ehrenamtlich Helfende können die Versorgung übernehmen. Ebenso kann sich die Unterstützung auf mehrere Menschen verteilen. Die Bürgerbeauftragte für soziale Angelegenheiten Schleswig-Holsteins hat in ihrem Tätigkeitsbericht 2024, Drucksache 20/3561, Seite 50 ausdrücklich beanstandet, dass Pflegekassen Zahlungen von der genauen Benennung einer Pflegeperson abhängig machten. Sie schildert eine Betroffene, die ihre Versorgung mit wechselnden Helfern organisierte und erst nach wiederholtem Einschreiten die ausstehenden Leistungen erhielt. Für den Fall des 101-Jährigen folgt daraus: Allein die Weigerung seines Freundes, offiziell als Pflegeperson aufzutreten, beantwortet die Frage nach dem Pflegegeld nicht. Geprüft werden muss, ob die tatsächlich geleistete Hilfe die Versorgung sichert. Auch die häufig genannten zehn Wochenstunden sind keine allgemeine Mindestgrenze für Pflegegeld. Diese zeitliche Voraussetzung betrifft nach § 19 SGB XI Leistungen zur sozialen Sicherung der pflegenden Person, für die weitere Bedingungen gelten. Wer noch selbstständig ist, verliert deshalb nicht seinen Anspruch Dass ein alter Mensch allein wohnt, seinen Interessen nachgeht oder einzelne Verrichtungen selbst erledigt, schließt Pflegebedürftigkeit nicht aus. Aus solchen Beobachtungen lässt sich nicht ohne Weiteres ableiten, ob er bei anderen Tätigkeiten regelmäßig Unterstützung benötigt. § 2 SGB XI verpflichtet die Pflegeversicherung ausdrücklich dazu, ein möglichst selbstständiges und selbstbestimmtes Leben zu unterstützen. Verbliebene Fähigkeiten zu nutzen, darf daher nicht pauschal zum Argument gegen notwendige Hilfe werden. Umgekehrt ersetzt der Wunsch nach einem selbstbestimmten Alltag keine fehlende Versorgung. Die Pflegekasse muss den konkreten Hilfebedarf und die vorhandene Unterstützung zusammen betrachten. Die Pflegekasse muss einen Zahlungsstopp nachvollziehbar begründen Wird eine laufende Bewilligung wegen veränderter Verhältnisse aufgehoben, muss dafür eine rechtlich erhebliche Änderung vorliegen; hierfür kommt insbesondere § 48 SGB X in Betracht. Der Ausfall eines bisherigen Helfers rechtfertigt nicht automatisch die Einstellung, wenn andere Menschen die benötigte Unterstützung übernehmen. Ein belastender Bescheid muss nach § 35 SGB X grundsätzlich die tatsächlichen und rechtlichen Gründe erkennen lassen. Vor einem Eingriff in bestehende Rechte ist nach § 24 SGB X regelmäßig Gelegenheit zur Stellungnahme zu geben. Betroffene sollten deshalb konkret erläutern, welche Hilfen sie benötigen und wie diese im Alltag organisiert sind. Eine kurze Darstellung der Aufgaben und Häufigkeit der Unterstützung kann helfen, pauschale Zweifel an der Versorgung zu widerlegen. Ein Pflegedienst bedeutet nicht automatisch null Euro Pflegegeld Deckt private Hilfe nur einen Teil des Bedarfs, kommt eine Kombination aus Pflegedienst und anteiligem Pflegegeld infrage. Nach § 38 SGB XI sinkt das Pflegegeld um den Prozentsatz, zu dem das verfügbare Sachleistungsbudget genutzt wird. Bei Pflegegrad 3 beträgt das volle Pflegegeld derzeit 599 Euro monatlich, für ambulante Pflegesachleistungen stehen nach § 36 SGB XI bis zu 1.497 Euro zur Verfügung. Diese Beträge werden bei einer Kombination anteilig berechnet und nicht vollständig nebeneinander gewährt. Pflegegrad 3: Rechenbeispiele zur Kombinationsleistung 2026 Genutzter Anteil des Sachleistungsbudgets Abgerechnete Pflegesachleistungen im Monat Verbleibendes Pflegegeld im Monat 0 Prozent 0,00 Euro 599,00 Euro 25 Prozent 374,25 Euro 449,25 Euro 50 Prozent 748,50 Euro 299,50 Euro 100 Prozent 1.497,00 Euro 0,00 Euro Unterstellt sind ein voller Anspruchsmonat, eine gesicherte Versorgung und keine weiteren Kürzungsgründe. Die Tabelle enthält Rechenbeispiele und sagt nicht aus, wie viele Pflegeeinsätze die jeweiligen Beträge finanzieren. Gerade wenn ein Freund weiter helfen möchte, aber bestimmte Aufgaben nicht übernehmen kann, sollte diese Möglichkeit geprüft werden. Die Pflegeberatung nach § 7a SGB XI soll dabei unterstützen, den Bedarf zu erfassen und einen passenden Versorgungsplan zu entwickeln. Beratungsbesuche sind eine weitere Voraussetzung Wer bei Pflegegrad 3 ausschließlich Pflegegeld bezieht, muss einmal pro Halbjahr einen Beratungseinsatz abrufen. Wird die vorgeschriebene Beratung nicht wahrgenommen, ist das Pflegegeld nach § 37 Absatz 6 SGB XI angemessen zu kürzen und im Wiederholungsfall zu entziehen. Diese Pflicht besteht unabhängig davon, ob Angehörige oder Freunde die Pflege übernehmen. Gegen-hartz.de erläutert, wie fehlende Beratungsnachweise das Pflegegeld gefährden können. Nach dem Bescheid laufen kurze Fristen Gegen einen Einstellungsbescheid kann grundsätzlich innerhalb eines Monats nach Bekanntgabe Widerspruch eingelegt werden. Nach einem ablehnenden Widerspruchsbescheid beträgt die Klagefrist beim Sozialgericht regelmäßig ebenfalls einen Monat; die Ankündigung einer erneuten Prüfung sollte niemand als sichere Fristverlängerung behandeln. Durch Akteneinsicht nach § 25 SGB X lässt sich feststellen, auf welche Unterlagen die Pflegekasse ihre Entscheidung stützt. Gutachten und Beratungsunterlagen können zeigen, ob tatsächlich Versorgungslücken festgestellt wurden oder lediglich Angaben zur Organisation der Hilfe fehlen. Gefährdet der Zahlungsstopp die notwendige Versorgung, kommt zusätzlich gerichtlicher Eilrechtsschutz nach § 86b SGG infrage. Für Versicherte fallen in solchen sozialgerichtlichen Verfahren grundsätzlich keine Gerichtsgebühren an; mögliche eigene Anwaltskosten sind davon zu unterscheiden. Pflegekassen müssen an einer tragfähigen Lösung mitarbeiten Ohne Kenntnis des vollständigen Bescheids und der Pflegeunterlagen lässt sich nicht abschließend beurteilen, ob die Entscheidung im Fall Walter Krieg rechtmäßig war. Der Bericht ist deshalb kein Beleg dafür, dass Pflegegeld allein wegen eines besonders selbstständigen Alltags gestrichen werden dürfte. Der Fall zeigt aber, wie wenig ein pauschaler Verweis auf einen Pflegedienst hilft, wenn ein Mensch seine Versorgung mit vertrauten Personen organisieren möchte. Eine Pflegekasse sollte erklären, welche Hilfe fehlt, und ihre Beratung dafür einsetzen, diese Lücke zu schließen. Fragen und Antworten zum Pflegegeld Kann Pflegegeld trotz anerkanntem Pflegegrad 3 entfallen? Ja, wenn die zusätzlichen Voraussetzungen für diese Geldleistung nicht erfüllt sind, etwa weil die notwendige häusliche Versorgung nicht gesichert ist. Der anerkannte Pflegegrad entfällt dadurch nicht automatisch. Muss die Pflege durch ein Familienmitglied erfolgen? Nein, auch Freunde, Nachbarn und andere ehrenamtlich Helfende können unterstützen. Die benötigte Hilfe darf auf mehrere Personen verteilt werden. Darf die Kasse eine offiziell benannte Pflegeperson verlangen? Die Benennung einer bestimmten Pflegeperson ist keine eigenständige Voraussetzung für den Pflegegeldanspruch. Die Pflegekasse darf aber prüfen, ob die notwendige Versorgung tatsächlich funktioniert. Wird das Pflegegeld direkt an den Helfer ausgezahlt? Grundsätzlich erhält die pflegebedürftige Person das Pflegegeld. Sie kann es beispielsweise als Anerkennung an Menschen weitergeben, die sie versorgen. Bleibt Pflegegeld übrig, wenn ein Pflegedienst hinzukommt? Bei einer Kombinationsleistung kann ein anteiliger Geldanspruch bestehen bleiben. Werden beispielsweise 25 Prozent des Sachleistungsbudgets genutzt, verbleiben 75 Prozent des vollen Pflegegeldes. Was ist nach einer Einstellung der Zahlung zu tun? Betroffene sollten den Bescheid prüfen, die Versorgung nachvollziehbar darstellen und die regelmäßig einmonatige Widerspruchsfrist beachten. Wurde der Widerspruch bereits zurückgewiesen, läuft grundsätzlich eine einmonatige Klagefrist ab Bekanntgabe des Widerspruchsbescheids.