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Mehr Nettolohn im Dezember für Arbeitnehmer: Antrag bis 30. November ist aber Pflicht

Beitragsbild von: Mehr Nettolohn im Dezember für Arbeitnehmer: Antrag bis 30. November ist aber Pflicht

29. Oktober 2026

Mehr Netto im Dezember: Dieser Antrag muss bis 30. November beim Finanzamt sein Wer hohe Fahrtkosten, abziehbare Betreuungskosten oder andere steuerlich begünstigte Ausgaben hat, kann sich noch mit dem Dezembergehalt entlasten lassen. Dafür muss der Antrag auf Lohnsteuer-Ermäßigung für 2026 spätestens am 30. November 2026 beim Finanzamt eingegangen sein. Gerade vor Weihnachten kann das helfen, wenn Rechnungen anstehen und das laufende Einkommen knapp bemessen ist. Das Verfahren verschafft Beschäftigten früher Zugriff auf eine Steuerentlastung, die sonst erst nach der Einkommensteuererklärung ankommt. Ein eingetragener Freibetrag von beispielsweise 1.800 Euro bedeutet allerdings keine Überweisung von 1.800 Euro. Wie viel zusätzlich auf dem Konto landet, hängt von der individuellen Lohnsteuerberechnung ab. Warum ein Antrag im November den Dezember entlasten kann Beim Lohnsteuer-Ermäßigungsverfahren berücksichtigt das Finanzamt bestimmte abziehbare Ausgaben bereits während des Jahres. Der anerkannte Freibetrag wird in den elektronischen Lohnsteuerabzugsmerkmalen gespeichert und vom Arbeitgeber bei der Abrechnung berücksichtigt. Nach § 39a Einkommensteuergesetz wird ein neu beantragter Jahresfreibetrag grundsätzlich auf die Monate nach der Antragstellung verteilt. Bei einem Antrag im November bleibt dafür im laufenden Jahr nur noch der Dezember. Ein erstmals bewilligter Jahresfreibetrag von 1.800 Euro kann deshalb vollständig in die Berechnung der Dezemberlohnsteuer eingehen. Bei einer Antragstellung im Oktober würde derselbe Betrag grundsätzlich mit jeweils 900 Euro auf November und Dezember verteilt. Der Vorteil liegt im früher verfügbaren Geld Der Freibetrag senkt die Grundlage für den Lohnsteuerabzug, wodurch mehr vom Gehalt übrig bleiben kann. Das vertragliche Bruttogehalt steigt dadurch nicht. Eine feste Zusage über mehrere Hundert Euro zusätzliches Netto wäre unseriös, solange Einkommen, Steuerklasse und weitere Abrechnungsmerkmale unbekannt sind. Auch Sonderzahlungen wie Weihnachtsgeld können die Berechnung beeinflussen. Bei ansonsten gleichen Verhältnissen fällt die spätere Steuererstattung entsprechend geringer aus, weil bereits weniger Lohnsteuer einbehalten wurde. Der finanzielle Nutzen besteht darin, dass das Geld früher zur Verfügung steht. Die 600-Euro-Grenze wird leicht falsch verstanden Für viele Aufwendungen gilt eine Antragsgrenze von mehr als 600 Euro im Kalenderjahr. Bei Werbungskosten zählt dafür nur der Betrag, der den bereits berücksichtigten Arbeitnehmer-Pauschbetrag von 1.230 Euro übersteigt. Wer ausschließlich berufliche Ausgaben geltend macht, muss deshalb auf mehr als 1.830 Euro Werbungskosten kommen. Abziehbare Sonderausgaben und außergewöhnliche Belastungen können nach den jeweiligen Regeln hinzugerechnet werden. Die 600 Euro sind eine Zugangsvoraussetzung für den Antrag und werden bei erfüllter Voraussetzung nicht noch einmal vom Freibetrag abgezogen. Die amtliche ELSTER-Anleitung für 2026 erläutert die Antragsgrenze und die zu berücksichtigenden Pauschbeträge. Pendler erreichen die Grenze 2026 schneller Seit dem 1. Januar 2026 beträgt die Entfernungspauschale grundsätzlich 38 Cent ab dem ersten vollen Entfernungskilometer. Angesetzt werden die einfache Entfernung zur ersten Tätigkeitsstätte und die Tage, an denen dieser Arbeitsweg tatsächlich zurückgelegt wird. Für Urlaubstage, Krankheitstage oder reine Homeoffice-Tage fällt diese Fahrt zur Arbeitsstelle weg. Warum sich aus der Pauschale keine gleich hohe Auszahlung ableiten lässt, erläutert auch der Beitrag über Fahrtgeld und die steuerliche Entlastung von Pendlern. Einfache Entfernung Entfernungspauschale bei 220 Fahrtagen Betrag über 1.230 Euro Mehr als 600 Euro allein durch Fahrten? 20 Kilometer 1.672,00 Euro 442,00 Euro Nein 22 Kilometer 1.839,20 Euro 609,20 Euro Ja 30 Kilometer 2.508,00 Euro 1.278,00 Euro Ja 40 Kilometer 3.344,00 Euro 2.114,00 Euro Ja Die Modellrechnung unterstellt 220 tatsächliche Fahrtage, keine weiteren Werbungskosten und keine anzurechnenden Arbeitgeberleistungen. Bei weniger Fahrten oder abweichenden Verhältnissen verändert sich das Ergebnis. Auch andere Ausgaben können den Antrag ermöglichen Berufliche Fortbildungen, Arbeitsmittel oder eine steuerlich anerkannte doppelte Haushaltsführung können die Werbungskosten erhöhen. Hinzukommen können beispielsweise abziehbare Kinderbetreuungskosten, Spenden oder bestimmte Unterhaltszahlungen. Bei Krankheits- und Pflegekosten wird nur der steuerlich berücksichtigungsfähige Teil angesetzt. Soweit eine zumutbare Belastung abzuziehen ist, zählt daher nicht automatisch die gesamte selbst bezahlte Rechnung. Für den Behinderten-Pauschbetrag gilt die 600-Euro-Antragsgrenze dagegen nicht. Er beträgt beispielsweise bei einem anerkannten GdB von 30 jährlich 620 Euro und bei einem GdB von 50 jährlich 1.140 Euro. Eine Schwerbehinderung ist für den Pauschbetrag nicht erforderlich, denn er beginnt bereits bei einem festgestellten GdB von 20. Weitere Einzelheiten enthält die Übersicht zu Rechten und steuerlichen Freibeträgen bei Behinderung 2026. Für Handwerker und Haushaltshilfen gibt es eine weitere Ausnahme Auch begünstigte Handwerkerleistungen und haushaltsnahe Dienstleistungen können im Ermäßigungsverfahren berücksichtigt werden, ohne dass dafür die allgemeine 600-Euro-Grenze überschritten sein muss. Das kommt unter den gesetzlichen Voraussetzungen auch für Mieter infrage. Bei Handwerkerleistungen sind die begünstigten Arbeitskosten einschließlich berücksichtigungsfähiger Fahrt- und Maschinenkosten relevant. Für die Steuerermäßigung werden eine Rechnung und die Zahlung auf das Konto des Leistungserbringers vorausgesetzt. Die Höhe des daraus gebildeten Freibetrags richtet sich nach den besonderen Berechnungsregeln und Höchstbeträgen der Steuerermäßigung. Der vollständige Rechnungsbetrag darf deshalb nicht ungeprüft als zusätzlicher Freibetrag angesetzt werden. So kommt der Freibetrag in die Dezemberabrechnung Der Antrag lässt sich über Mein ELSTER mit dem Formular „Antrag auf Lohnsteuer-Ermäßigung und zu den Lohnsteuerabzugsmerkmalen 2026“ stellen. Zum Hauptvordruck kommen die Anlagen, die zu den geltend gemachten Ausgaben passen. Alternativ ist die Antragstellung mit den amtlichen Papierformularen möglich. Die Ausgaben sollten nachvollziehbar berechnet sein; angeforderte Nachweise müssen vorgelegt werden können. Für die Frist zählt der Eingang beim Finanzamt bis zum 30. November 2026. Für die tatsächliche Entlastung auf der Dezemberabrechnung müssen außerdem die Bearbeitung und die Übernahme der geänderten Daten durch den Arbeitgeber rechtzeitig erfolgen. Wer erst am letzten Tag einreicht, sollte deshalb keine bestimmte Dezemberauszahlung fest einplanen. Sinnvoll ist eine frühe Antragstellung und anschließend die Prüfung mit der Lohnbuchhaltung, ob der Freibetrag für die Abrechnung vorliegt. Eine Steuererklärung wird häufig zur Pflicht Wer einen Freibetrag etwa für Werbungskosten oder bestimmte Sonderausgaben nutzt, muss unter den Voraussetzungen des § 46 Einkommensteuergesetz anschließend eine Steuererklärung abgeben. Dabei wird die endgültige Jahressteuer anhand der tatsächlichen Verhältnisse ermittelt. Allein die Eintragung eines Behinderten- oder Hinterbliebenen-Pauschbetrags löst diese Pflicht dagegen grundsätzlich nicht aus. Eine Erklärungspflicht aus anderen Gründen kann trotzdem bestehen. Fallen die berücksichtigten Ausgaben niedriger aus, kann eine Nachzahlung entstehen. Veränderungen, durch die der Freibetrag zu hoch wird, müssen dem Finanzamt umgehend mitgeteilt werden. Für 2027 lässt sich die Entlastung ebenfalls vorbereiten Ab dem 1. November 2026 können Beschäftigte einen Lohnsteuerfreibetrag für 2027 beantragen. Wer über längere Zeit entsprechende Ausgaben hat, kann einen Freibetrag grundsätzlich für bis zu zwei Kalenderjahre berücksichtigen lassen. Vor einem neuen Antrag lohnt sich die Prüfung, bis wann ein bereits bewilligter Freibetrag gilt. Weitere Termine erläutert unser Überblick über wichtige Änderungen im November 2026. Die amtlichen Grundlagen finden sich insbesondere in § 39a EStG, § 46 EStG, § 33b EStG und § 35a EStG sowie den Hinweisen der hessischen Finanzverwaltung und den steuerlichen Änderungen 2026 des Bundesfinanzministeriums. Praxisbeispiel: Wie eine Pendlerin den Freibetrag nutzen kann In diesem Beispiel fährt Sabine an 220 Tagen im Jahr jeweils 30 Kilometer zu ihrer ersten Tätigkeitsstätte. Ohne anzurechnende Arbeitgeberleistungen ergibt das für 2026 eine Entfernungspauschale von 2.508 Euro. Nach Abzug des Arbeitnehmer-Pauschbetrags bleiben 1.278 Euro, sofern keine weiteren Werbungskosten hinzukommen. Damit liegt Sabine über der Antragsgrenze von 600 Euro. Beantragt sie den Freibetrag erstmals im November und wird er rechtzeitig übernommen, können die 1.278 Euro vollständig bei der Dezemberlohnsteuer berücksichtigt werden. Ihr zusätzliches Netto ergibt sich aus der dadurch verringerten Steuer und fällt entsprechend niedriger als der Freibetrag aus. Sieben Fragen und Antworten zur Lohnsteuer-Ermäßigung Bis wann muss der Antrag für 2026 beim Finanzamt sein? Der Antrag muss spätestens am 30. November 2026 eingegangen sein. Eine erst an diesem Tag abgesandte Postsendung sichert den rechtzeitigen Eingang nicht. Geht die Steuerentlastung verloren, wenn ich die Frist verpasse? Berücksichtigungsfähige Ausgaben können weiterhin in der Einkommensteuererklärung für 2026 geltend gemacht werden. Die Novemberfrist betrifft ihre vorgezogene Berücksichtigung beim Lohnsteuerabzug. Bekomme ich den eingetragenen Freibetrag ausgezahlt? Der Freibetrag verringert die Grundlage für die Lohnsteuerberechnung. Zusätzliches Netto entsteht in Höhe der Steuer, die dadurch beim Gehalt weniger einbehalten wird. Reichen 600 Euro berufliche Ausgaben aus? Bei ausschließlich geltend gemachten Werbungskosten müssen diese insgesamt mehr als 1.830 Euro betragen. Erst der über 1.230 Euro liegende Teil zählt für die Antragsgrenze von mehr als 600 Euro. Gilt die 600-Euro-Grenze auch für den Behinderten-Pauschbetrag? Für den Behinderten-Pauschbetrag gilt diese Antragsgrenze nicht. Daher kann auch der Pauschbetrag von 384 Euro bei einem anerkannten GdB von 20 berücksichtigt werden. Muss ich danach immer eine Steuererklärung abgeben? Bei einem Freibetrag etwa für Werbungskosten besteht häufig eine Erklärungspflicht nach § 46 Einkommensteuergesetz. Allein ein eingetragener Behinderten- oder Hinterbliebenen-Pauschbetrag begründet diese Pflicht grundsätzlich nicht. Können auch Rentner den Antrag nutzen? Für die gesetzliche Rente selbst wirkt das Verfahren nicht, weil davon keine Lohnsteuer einbehalten wird. Wer zusätzlich lohnsteuerpflichtigen Arbeitslohn erhält, kann unter den jeweiligen Voraussetzungen einen Freibetrag für diesen Lohnsteuerabzug nutzen.

Aktuelles

Beitragsbild von: Paukenschlag: Jobcenter dürfen Mietkosten während Karenzzeit nicht auf das 1,5-Fache begrenzen

29. Oktober 2026

Das Sozialgericht Stade hat nach der vorliegenden Entscheidungsschilderung einer Begrenzung der Unterkunftskosten während der Karenzzeit widersprochen. Das Jobcenter hatte dafür Wohngeldtabellenwerte zuzüglich eines Sicherheitszuschlags als Ausgangsgröße herangezogen und mit dem Faktor 1,5 multipliziert. Nach dem Beschluss vom 14. Oktober 2026 muss das Jobcenter vorläufig monatlich weitere 371 Euro für Unterkunft und Heizung gewähren (Az. S 39 AS 217/26 ER). Entscheidend war demnach, dass keine rechtmäßig bestimmte örtliche Angemessenheitsgrenze vorlag, auf die das Jobcenter den Faktor 1,5 hätte anwenden können. Was hat das Sozialgericht entschieden? Nach der wiedergegebenen Begründung setzt die Begrenzung nach § 22 Absatz 1 Satz 6 SGB II eine rechtmäßig ermittelte abstrakte Angemessenheitsgrenze voraus. Damit ist der Betrag gemeint, der für einen Haushalt der jeweiligen Größe auf dem örtlichen Wohnungsmarkt grundsätzlich als angemessen gilt. Lässt sich dieser Betrag auch nach Ausschöpfung der Ermittlungsmöglichkeiten nicht zuverlässig bestimmen, sprechen Gerichte von einem „nicht behebbaren Erkenntnisausfall“. Die Wohngeldtabellenwerte zuzüglich zehn Prozent Sicherheitszuschlag dürfen nach der dargestellten Auffassung des Sozialgerichts dann nicht ersatzweise als Ausgangswert für die Multiplikation mit dem Faktor 1,5 dienen. Ein fehlerhaftes oder zunächst fehlendes Konzept zur Ermittlung angemessener Mieten bedeutet allerdings noch nicht automatisch, dass ein solcher Erkenntnisausfall vorliegt. Entscheidend ist, ob sich eine belastbare örtliche Mietgrenze noch ermitteln lässt. Auch während der Karenzzeit gibt es eine gesetzliche Mietobergrenze Die Karenzzeit schützt die Unterkunft grundsätzlich im ersten Jahr des Leistungsbezugs. Sie bedeutet nach der seit Juli 2026 geltenden Regelung allerdings keine uneingeschränkte Übernahme jeder Miethöhe. § 22 Absatz 1 Satz 6 SGB II begrenzt die anerkannten Unterkunftskosten grundsätzlich auf das Eineinhalbfache der abstrakt angemessenen Aufwendungen. Während der Karenzzeit können im Einzelfall höhere Kosten anerkannt werden, wenn sie unabweisbar sind oder in Bedarfsgemeinschaften mit Kindern anfallen. Weitere gesetzliche Einschränkungen bleiben bestehen. www.bmas.bund.de Der Streit im Stader Verfahren betrifft somit die Berechnungsgrundlage dieser Obergrenze. Die gesetzliche Begrenzung selbst hat das Gericht nach der vorliegenden Schilderung nicht grundsätzlich verworfen. Warum die Wohngeldtabelle die örtliche Mietermittlung nicht ersetzt Wohngeldtabellenwerte und eine anhand örtlicher Mietdaten ermittelte Angemessenheitsgrenze sind unterschiedliche Größen. Nach der im Ausgangstext wiedergegebenen Begründung dürfen sie bei der Anwendung der neuen Begrenzungsvorschrift nicht ohne Weiteres gleichgesetzt werden. Die aus der älteren Rechtsprechung bekannte Auffanglösung aus Wohngeldtabellenwert und Sicherheitszuschlag ist danach keine geeignete Grundlage, um durch Multiplikation mit 1,5 eine Obergrenze für die Karenzzeit zu bilden. Daraus folgt allerdings weder eine bundesweite Aufhebung der gesetzlichen Grenze noch automatisch ein Anspruch auf Übernahme beliebig hoher Mieten. Welche Aufwendungen im konkreten Fall anzuerkennen sind, hängt von der anwendbaren Regelung und den Umständen des Einzelfalls ab. Jobcenter muss vorläufig monatlich 371 Euro zusätzlich zahlen Nach der Entscheidungsschilderung verpflichtete das Gericht das Jobcenter, für die Zeit vom 1. Juli bis zum 31. Dezember 2026 monatlich weitere 371 Euro zu gewähren. Die Verpflichtung gilt vorläufig, unter dem Vorbehalt der Rückforderung und längstens bis zu einer rechtskräftigen Entscheidung in der Hauptsache. Die 371 Euro sind damit eine zusätzliche Leistung im konkreten Verfahren. Sie stellen weder einen allgemeinen Mietzuschuss noch einen pauschalen Anspruch für andere Leistungsberechtigte dar. Eilrechtsschutz kann ausnahmsweise frühere Monate erfassen Ein Eilantrag dient grundsätzlich dazu, eine gegenwärtige Notlage abzuwenden. Nach der vorliegenden Schilderung erfasste die gerichtliche Anordnung hier auch Zeiträume vor Eingang des Eilantrags. Eine solche rückwirkende Regelung kommt ausnahmsweise in Betracht, wenn eine frühere Zahlungslücke bis in die Gegenwart fortwirkt und ihre Beseitigung erforderlich ist, um eine aktuelle Notlage abzuwenden. Allein der Umstand, dass in früheren Monaten zu wenig gezahlt wurde, genügt dafür nicht. Warum die Nachzahlung an den Vermieter gehen soll Die Nachzahlung soll nach der Entscheidungsschilderung unmittelbar an den Vermieter fließen. Hintergrund waren bestehende Mietrückstände und Kontopfändungen, durch die die Verwendung der Nachzahlung zur Begleichung der Mietschulden nicht hinreichend gesichert erschien. § 22 Absatz 7 Satz 2 SGB II sieht vor, dass Unterkunftsleistungen direkt an den Vermieter oder andere Empfangsberechtigte gezahlt werden sollen, wenn ihre zweckentsprechende Verwendung nicht sichergestellt ist. Ein Pfändungsschutzkonto allein belegt dies noch nicht; entscheidend sind die konkreten Umstände. Einzelnorm Was Betroffene bei einer Kürzung prüfen sollten Wer während der Karenzzeit eine Kürzung seiner Unterkunftskosten erhält, sollte sich vom Jobcenter die Berechnung und die zugrunde gelegte örtliche Mietgrenze erläutern lassen. Dabei sollte erkennbar sein, ob die Behörde örtliche Mietdaten oder lediglich Wohngeldtabellenwerte verwendet hat. Gegen einen entsprechenden Bescheid kann grundsätzlich innerhalb eines Monats nach Bekanntgabe Widerspruch eingelegt werden. Die Rechtsbehelfsbelehrung sollte deshalb sofort geprüft und der fristgerechte Eingang des Widerspruchs beim Jobcenter nachweisbar gesichert werden. Drohen durch die Kürzung Mietrückstände oder der Verlust der Wohnung, kommt zusätzlich ein Eilantrag beim Sozialgericht in Betracht. Dafür sollten Betroffene die Dringlichkeit mit Unterlagen wie Mietkonto, Mahnungen und Kontoauszügen belegen; einstweiliger Rechtsschutz ist bereits vor einer Klage möglich. Ergänzung des Autors Nach Meinung des Sozialrechtsexperten Brock stärkt das Sozialgericht damit die Position von Leistungsberechtigten im Grundsicherungsgeldbezug während der einjährigen Karenzzeit. Sofern Kommunen über kein rechtssicheres Konzept zur Ermittlung der angemessenen Mieten verfügen, greift die Deckelungsvorschrift des § 22 Abs. 1 Satz 6 SGB II ins Leere – das Jobcenter muss folglich die tatsächlichen Wohnkosten in voller Höhe übernehmen. Dieses Verfahren gilt als eine der ersten wichtigen gerichtlichen Entscheidungen zur Neuregelung der Grundsicherung ab Juli 2026. Die Karenzzeit soll Betroffene im ersten Jahr grundsätzlich vor den Konsequenzen unangemessen hoher Mieten schützen. Der Beschluss verdeutlicht, dass Behörden bei Kürzungen streng an lokale, fundierte Mietdaten gebunden sind und nicht willkürlich pauschale Deckelungen anwenden dürfen.

Beitragsbild von: Krankschreibung: Ärztliches Attest und trotzdem keine Lohnfortzahlung

29. Oktober 2026

Eine Krankschreibung allein sichert nicht in jedem Streit die Lohnfortzahlung. Kann der Arbeitgeber mit konkreten Tatsachen ernsthafte Zweifel an der Krankschreibung begründen, reicht das Attest als Nachweis nicht mehr aus. Beschäftigte müssen dann genauer erklären und im Streitfall beweisen, weshalb sie nicht arbeiten konnten. Eine Verkäuferin konnte das vor dem Arbeitsgericht Erfurt nicht ausreichend nachweisen. Das Gericht wies ihre Forderung nach 2.667,75 Euro Lohnfortzahlung mit Urteil vom 24. April 2026 (6 Ca 1823/24) ab. Nach einem Streit folgte die Krankschreibung Am 18. September 2024 eskalierte ein Gespräch am Arbeitsplatz. Nach der Beweisaufnahme war das Gericht überzeugt, dass die Arbeitnehmerin angekündigt hatte: „Dann gehe ich halt zum Arzt und bin jetzt krank.“ Am folgenden Tag schrieb ihre Hausärztin sie rückwirkend krank und bescheinigte eine depressive Episode. Das Gericht sah den Beweiswert der Bescheinigungen erschüttert. Die Richter vermissten eine konkrete Beschreibung der Beschwerden und ihrer Auswirkungen auf die Arbeit. Diagnose und Medikamente reichten dem Gericht nicht Die Arbeitnehmerin hatte auf ihre Diagnose und die Behandlung mit Antidepressiva verwiesen. Sie hatte ihre Ärztin auch von der Schweigepflicht entbunden. Jedoch hatte die Krankgeschriebene aber nach Auffassung des Gerichts nicht ausreichend erklärt, weshalb sie im umstrittenen Zeitraum nicht arbeiten konnte. Der Fall eine Leerstelle ücke zwischen ärztlicher Diagnose und gerichtlichem Nachweis. Eine Krankheit zu benennen, bewantwortet nicht jede Frage zur Arbeitsfähigkeit. Weitere Entscheidungen zeigen, wie das Verhalten von Beschäftigten Zweifel am Beweiswert einer Krankschreibung auslösen kann. Der Arbeitgeber darf ein Attest nicht einfach beiseiteschieben Eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung besitzt einen hohen Beweiswert. Der Arbeitgeber kann diesen nicht beseitigen, weil er nur behauptet, Sie seien gesund gewesen. Er muss tatsächliche Umstände darlegen und im Streitfall beweisen, die ernsthafte Zweifel begründen. Auch eine Krankschreibung im Zusammenhang mit einer Kündigung erlaubt keinen pauschalen Zahlungsstopp; das Gericht muss die jeweiligen Umstände bewerten. Welche zusätzlichen Angaben Beschäftigte brauchen Hat der Arbeitgeber den Beweiswert tatsächlich erschüttert, sollten Sie Ihre Beschwerden in eigenen Worten schildern und zeitlich einordnen. Beschreiben Sie, welche Einschränkungen bestanden und weshalb Sie dadurch Ihre konkrete Tätigkeit nicht ausüben konnten. Das Bundesarbeitsgericht verlangt eine nachvollziehbare Darstellung für die gesamte Zeit der Entgeltfortzahlung. Dazu können Angaben über ärztlich verordnete Medikamente und Verhaltensempfehlungen gehören; eine weitere Bescheinigung mit derselben pauschalen Aussage ersetzt diese Erläuterungen nicht automatisch. Warum die konkrete Arbeit zur Krankheitsbeschreibung gehört Wer im Verkauf arbeitet, muss andere Anforderungen erfüllen als jemand, der schwere Lasten bewegt oder ein Fahrzeug führt. Erklären Sie deshalb den Zusammenhang zwischen Ihren tatsächlichen Beschwerden und den Aufgaben, die Sie hätten erledigen müssen. Bei psychischen Erkrankungen können zum Beispiel  Konzentrationsstörungen oder Angstzustände nachvollziehbare Begründungen liefen (sofern diese Beschwerden tatsächlich vorlagen). Auch bei einer Krankschreibung wegen psychischer Überlastung hilft eine konkrete Darstellung mehr als ein bloßes Schlagwort. Ärztliche Unterlagen und Zeugenaussage gezielt vorbereiten Um sich auf einen Rechtsstreit vorzubereiten, können Sie Unterlagen zur Behandlungen vorbereiten, Befunde und dokumentierte Therapien sichern. Prüfen Sie mit Ihrer rechtlichen Vertretung, welche Unterlagen die Krankheitszeiten betreffen und welche ärztlichen Feststellungen Ihre Schilderung stützen. Als Beweis ist auch die Aussage des behandelnden Arztes wichtig. Dafür müssen Sie diesen von der Schweigepflicht entbinden. Auch dann entscheidet das Gericht nach Prüfung aller Beweise. Eine ärztliche Zeugenaussage garantiert nicht, vor Gericht Recht zu bekommen. Der konkrete Vortrag kann entscheiden Benennen Sie genau, zu welchen Beschwerden, Behandlungen und Zeiträumen Ihr Arzt aussagen soll. Bei der Entbindung von der Schweigepflicht sollten Sie darauf achten, diese auf den Konflikt zu konzentrieren. Der Arzt hat dann Klarheit darüber, welche Auskünfte er geben darf. Das Gericht muss außerdem erkennen können, welche behaupteten Tatsachen die Vernehmung klären soll. Wer nur auf den Arzt verweist, ohne die eigenen Einschränkungen zu erläutern, riskiert einen der Fehler, die bei Zweifeln an der Krankschreibung das Gehalt kosten können. Sie müssen nicht bei jeder Krankmeldung Ihre Diagnose offenlegen Die Anforderungen in einem gerichtlichen Beweisstreit sind andere als Pflichten gegenüber dem Arbeitgeber bei der bloßen Krankmeldung. Beim Abruf der elektronischen AU-Bescheinigung erhalten Arbeitgeber keine Diagnose. Erst wenn Sie eine Zahlung vor Gericht erkämpfen, können nähere medizinische Angaben notwendig sein. Die Grenzen dessen, was der Arbeitgeber über Ihre Erkrankung erfahren darf, bleiben dabei bestehen. Bei einem Zahlungsstopp nicht auf die nächste Abrechnung warten Fordern Sie die Entgeltfortzahlung nachweisbar an und benennen Sie den Zeitraum sowie den Betrag. Bitten Sie zugleich um eine konkrete Begründung der Zahlungsverweigerung und sichern Sie Krankschreibungen, Abrechnungen und den Schriftverkehr. Lassen Sie früh prüfen, ob Ihr Arbeits- oder Tarifvertrag Ausschlussfristen enthält. Solche Fristen sind auch bei anderen Streitigkeiten über die Zahlungspflicht von Arbeitgeber und Krankenkasse zu beachten. Krankengeld kann den Lohnausfall überbrücken Wenn der Arbeitgeber nicht zahlt, sollten Sie parallel Ihre Krankenkasse kontaktieren und Krankengeld beantragen. Bei bestehendem Anspruch kann Krankengeld bereits vor der siebten Krankheitswoche infrage kommen; die Zahlungsverweigerung allein garantiert die Leistung allerdings nicht. Der Beitrag zur Nachzahlung nach verweigerter Lohnfortzahlung erklärt, weshalb der Zahlungsanspruch in Höhe der erbrachten Sozialleistung auf die Krankenkasse übergehen kann. Fragen und Antworten zur Arbeitsunfähigkeit Darf mein Arbeitgeber wegen eigener Zweifel die Entgeltfortzahlung verweigern? Bloßes Misstrauen reicht nicht aus, um den Beweiswert einer Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung zu erschüttern. Der Arbeitgeber muss Tatsachen vorbringen und diese beweisen. Brauche ich bei einem erschütterten Attest zwingend ein zweites Attest? Nein, es gibt keine allgemeine Pflicht zu einem zweiten Attest. Sie müssen die Arbeitsunfähigkeit konkret darlegen und gegebenenfalls beweisen, etwa durch eine ärztliche Zeugenaussage. Reicht es, meinen Arzt von der Schweigepflicht zu entbinden? Nein, die Erklärung ermöglicht die ärztliche Aussage, ersetzt aber nicht Ihre Beschreibung der Beschwerden. Erläutern Sie auch, wann diese bestanden und wie sie Ihre Arbeit verhinderten. Bedeutet eine verlorene Zahlungsklage, dass ich eine Krankheit vorgetäuscht habe? Nein, ein fehlender Nachweis der Arbeitsunfähigkeit ist noch kein Beweis einer Täuschung. Ein Gericht kann den Zahlungsanspruch bereits deshalb ablehnen, weil der Vortrag oder Beweis nicht ausreicht. Quellen Arbeitsgericht Erfurt: Urteil vom 24. April 2026, 6 Ca 1823/24, veröffentlichter Entscheidungstext. Arbeitskammer des Saarlandes: Entgeltfortzahlung bei Krankheit. Bundesarbeitsgericht: Urteil vom 8. September 2021, 5 AZR 149/21. Bundesarbeitsgericht: Urteil vom 21. August 2024, 5 AZR 248/23. Bundesministerium für Gesundheit, gesund.bund.de: Elektronische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung.

Beitragsbild von: Schwerbehinderung: 620 Euro Vorteil schon ab GdB 30 möglich

29. Oktober 2026

Menschen mit einem Grad der Behinderung von 30 können 2026 einen Behinderten-Pauschbetrag von 620 Euro geltend machen. Dafür ist kein Schwerbehindertenausweis erforderlich. Der steuerliche Vorteil kann sogar für das gesamte Jahr gelten, wenn der GdB erst im Dezember festgestellt wird. Allerdings gibt es seit Januar 2026 eine wichtige Änderung. Neue und geänderte Feststellungen müssen grundsätzlich elektronisch an das Finanzamt übermittelt werden. Wer seine Steuer-ID nicht angibt oder die Übermittlung nicht veranlasst, riskiert Probleme bei der steuerlichen Anerkennung. Schon ein GdB von 30 bringt eine steuerliche Entlastung Viele Menschen gehen davon aus, dass sie erst mit einem Schwerbehindertenausweis steuerliche Vergünstigungen erhalten. Tatsächlich beginnt der Anspruch auf einen Behinderten-Pauschbetrag bereits bei einem festgestellten GdB von 20. Bei einem GdB von 30 beträgt dieser Pauschbetrag jährlich 620 Euro. Die gesetzliche Grundlage ist § 33b Einkommensteuergesetz. Der Pauschbetrag berücksichtigt bestimmte typische behinderungsbedingte Belastungen, ohne dass Betroffene diese Kosten einzeln nachweisen müssen. Dazu gehören insbesondere regelmäßig wiederkehrende Aufwendungen im Zusammenhang mit der Behinderung. Ein Schwerbehindertenausweis ist dafür nicht erforderlich. Nach § 2 SGB IX gelten Menschen grundsätzlich erst ab einem GdB von 50 als schwerbehindert. Auch ein ärztliches Attest allein genügt jedoch nicht. Der GdB muss von der zuständigen Behörde nach den gesetzlichen Vorschriften festgestellt worden sein. Selbst bei einer Anerkennung im Dezember gelten die vollen 620 Euro Besonders interessant ist die steuerliche Behandlung einer Behinderung, die erst im Laufe des Jahres festgestellt wird. Denn der Behinderten-Pauschbetrag wird grundsätzlich nicht auf einzelne Monate aufgeteilt. Die Einkommensteuer-Richtlinien sehen vor, dass der höchste im Kalenderjahr festgestellte Grad der Behinderung maßgeblich ist. Eine anteilige Berechnung nach Monaten erfolgt nicht. Ein Beispiel zeigt die Bedeutung dieser Regelung. Eine 48-jährige Arbeitnehmerin erhält im Dezember 2026 einen Bescheid, der für sie erstmals einen GdB von 30 ab November 2026 feststellt. Obwohl die anerkannte Behinderung nur einen Teil des Jahres betrifft, kann sie grundsätzlich den vollständigen Pauschbetrag von 620 Euro für das Steuerjahr 2026 nutzen. Dasselbe Prinzip gilt bei einer Erhöhung des bisherigen GdB. Wird eine bereits anerkannte Behinderung im Laufe des Jahres höher bewertet, kann der entsprechend höhere Pauschbetrag für das gesamte Kalenderjahr berücksichtigt werden. Entscheidend ist allerdings, ab welchem Zeitpunkt die Behörde den jeweiligen GdB tatsächlich anerkennt. Eine erst ab 2027 gültige Feststellung begründet allein deshalb keinen Anspruch für 2026. Eine Höherstufung kann mehrere Hundert Euro zusätzlich bringen Wer bereits einen GdB besitzt, sollte auch bei einem Änderungsbescheid die steuerlichen Auswirkungen prüfen. Denn mit einem höheren GdB steigt regelmäßig der Behinderten-Pauschbetrag. Festgestellter GdB Jährlicher Pauschbetrag 2026 20 384 Euro 30 620 Euro 40 860 Euro 50 1.140 Euro 60 1.440 Euro 70 1.780 Euro 80 2.120 Euro 90 2.460 Euro 100 2.840 Euro Bei Hilflosigkeit, Blindheit oder Taubblindheit beträgt der erhöhte Pauschbetrag 7.400 Euro. Dieser tritt an die Stelle des regulären Pauschbetrags und kann nicht zusätzlich zu diesem geltend gemacht werden. Bei einem Wechsel von GdB 30 auf GdB 50 erhöht sich der jährliche Pauschbetrag von 620 auf 1.140 Euro. Das bedeutet einen zusätzlichen steuerlichen Abzugsbetrag von 520 Euro. Die tatsächliche Steuerersparnis fällt allerdings geringer aus. Sie hängt insbesondere von der Höhe des steuerpflichtigen Einkommens ab. Warum 620 Euro Pauschbetrag keine 620 Euro Auszahlung bedeuten Der Behinderten-Pauschbetrag ist keine Sozialleistung, die das Finanzamt direkt auszahlt. Er verringert das zu versteuernde Einkommen. Deshalb ist die tatsächliche finanzielle Entlastung vom individuellen Steuersatz abhängig. Wer keine Einkommensteuer zahlen muss, erhält den Pauschbetrag nicht ersatzweise als Geldleistung. Bei einem angenommenen Grenzsteuersatz von 25 Prozent würde ein zusätzlicher Abzug von 620 Euro rechnerisch rund 155 Euro Einkommensteuer sparen. Bei einem Grenzsteuersatz von 30 Prozent wären es ungefähr 186 Euro. Diese Zahlen dienen lediglich der Veranschaulichung. Die genaue Entlastung ergibt sich erst aus der persönlichen Steuerberechnung. Auch Rentner können den Pauschbetrag geltend machen, sofern ihre steuerlichen Verhältnisse eine entsprechende Berücksichtigung ermöglichen. Der GdB allein führt jedoch nicht automatisch zu einer Einkommensteuererstattung. Ab 2026 ist der elektronische GdB-Nachweis entscheidend Seit dem 1. Januar 2026 gilt für neue und geänderte Feststellungen des Grades der Behinderung grundsätzlich ein elektronisches Nachweisverfahren. Nach § 65 Absatz 3a Einkommensteuer-Durchführungsverordnung muss die zuständige Feststellungsbehörde die steuerlich relevanten Angaben auf Antrag der betroffenen Person an die Finanzverwaltung übermitteln. Dazu gehören der festgestellte GdB, gegebenenfalls bestimmte Merkzeichen sowie Angaben zur Gültigkeit der Feststellung. Bislang konnten Betroffene ihre Behinderung gegenüber dem Finanzamt regelmäßig mit einem Schwerbehindertenausweis oder einer Bescheinigung nachweisen. Bei den neuen Feststellungen soll dieser Nachweis grundsätzlich unmittelbar zwischen den Behörden erfolgen. Das bedeutet jedoch nicht, dass die Übermittlung in jedem Fall ohne Mitwirkung der betroffenen Person beginnt. Der erforderliche Antrag auf Datenübermittlung muss gestellt werden. Steuer-ID und Zustimmung sollten bereits beim GdB-Antrag vorliegen Für die elektronische Zuordnung benötigt die zuständige Feststellungsbehörde die steuerliche Identifikationsnummer der betroffenen Person. Diese besteht aus elf Ziffern. Außerdem muss die Übermittlung der Daten nach dem vorgesehenen Verfahren beantragt werden. In vielen Bundesländern sind entsprechende Erklärungen bereits Bestandteil des Antrags auf Feststellung einer Behinderung. Das Niedersächsische Landesamt für Soziales, Jugend und Familie weist ausdrücklich darauf hin, dass die erforderliche Datenübermittlung bei Feststellungen seit Januar 2026 Voraussetzung für die Gewährung des Behinderten-Pauschbetrags ist. Auch bei minderjährigen Kindern ist die eigene Steuer-ID des Kindes maßgeblich. Die Identifikationsnummer der Eltern ersetzt diese nicht. Wer 2026 bereits einen GdB-Bescheid erhalten hat und unsicher ist, ob die steuerlichen Daten übermittelt wurden, sollte bei der zuständigen Behörde nachfragen. Wurde die Erklärung zur Übermittlung noch nicht abgegeben, kann dort geklärt werden, wie sie nachträglich eingereicht werden kann. Die Diagnose allein entscheidet nicht über den Grad der Behinderung Nicht jede chronische Erkrankung oder Entwicklungsstörung führt automatisch zu einem bestimmten GdB. Die zuständige Behörde bewertet vielmehr die gesundheitlichen Beeinträchtigungen und ihre Auswirkungen auf die Teilhabe. Das gilt beispielsweise auch für Menschen mit Autismus. Eine Autismusdiagnose führt nicht automatisch zu einem GdB von 30, 50 oder einem anderen bestimmten Wert. Für die Feststellung sind die Versorgungsmedizinischen Grundsätze maßgeblich. Je nach Ausprägung der Teilhabebeeinträchtigungen können unterschiedliche Werte in Betracht kommen. Eltern von Kindern mit Autismus und betroffene Erwachsene sollten deshalb nicht allein auf die Diagnosebezeichnung achten. Wichtig sind nachvollziehbare Angaben darüber, wie sich die Beeinträchtigungen im Alltag auswirken. Wird schließlich ein GdB von mindestens 20 festgestellt, kann der entsprechende Behinderten-Pauschbetrag steuerlich berücksichtigt werden. Dafür gelten unabhängig von der jeweiligen Diagnose dieselben steuerrechtlichen Voraussetzungen. Der digitale Nachweis ersetzt nicht den steuerlichen Antrag Ein häufiger Irrtum betrifft die Wirkung der elektronischen Datenübermittlung. Auch wenn der GdB bereits an die Finanzverwaltung gemeldet wurde, ist der Behinderten-Pauschbetrag damit nicht direkt steuerlich berücksichtigt. Die elektronische Meldung dient zunächst als Nachweis der festgestellten Behinderung. Die steuerliche Vergünstigung muss weiterhin geltend gemacht werden. In der Einkommensteuererklärung erfolgt dies grundsätzlich über die Anlage Außergewöhnliche Belastungen. Dort werden die erforderlichen Angaben zur Behinderung eingetragen. Betroffene sollten deshalb zwei Schritte auseinanderhalten. Zunächst muss die Feststellungsbehörde den GdB nach den geltenden Regeln elektronisch melden, anschließend muss die steuerliche Berücksichtigung beantragt werden. Ausführliche Hinweise dazu enthält unser Beitrag Trotz digitalem GdB-Nachweis müssen Schwerbehinderte den Vorteil beantragen. Wer davon ausgeht, dass das Finanzamt nach der elektronischen Meldung automatisch eine Erstattung veranlasst, kann die steuerliche Entlastung übersehen. Alte GdB-Bescheide bleiben grundsätzlich gültig Die Umstellung auf das elektronische Verfahren betrifft nicht sämtliche bereits anerkannten Behinderungen. Für ältere Feststellungen gelten gesetzliche Übergangsregelungen. Nach § 84 Einkommensteuer-Durchführungsverordnung werden vor dem 1. Januar 2026 ausgestellte und weiterhin gültige Nachweise weiter berücksichtigt. Wer beispielsweise 2023 einen unbefristeten GdB von 30 anerkannt bekommen hat, muss deshalb nicht allein wegen des neuen elektronischen Verfahrens einen weiteren Feststellungsantrag stellen. Ändert die zuständige Behörde den bisherigen GdB dagegen im Jahr 2026, ist für diese neue Entscheidung grundsätzlich das elektronische Verfahren maßgeblich. Betroffene sollten ihre vorhandenen Unterlagen weiterhin aufbewahren. Feststellungsbescheide können auch außerhalb des Steuerrechts eine wichtige Rolle spielen. Arbeitnehmer können den Pauschbetrag bereits beim Gehalt nutzen Beschäftigte müssen nicht zwingend bis zur Einkommensteuererklärung warten, um vom Behinderten-Pauschbetrag zu profitieren. Unter den gesetzlichen Voraussetzungen kann der Betrag bereits beim monatlichen Lohnsteuerabzug berücksichtigt werden. Dafür ist ein Antrag auf Lohnsteuer-Ermäßigung beim Finanzamt möglich. Die berücksichtigten Freibeträge werden anschließend in den elektronischen Lohnsteuerabzugsmerkmalen hinterlegt. Bei einem GdB von 30 entspricht der Jahrespauschbetrag von 620 Euro rechnerisch rund 51,67 Euro monatlich. Dieser Betrag reduziert jedoch nur die Bemessungsgrundlage und nicht unmittelbar die zu zahlende Lohnsteuer. Ab dem 1. November 2026 kann außerdem der Lohnsteuerfreibetrag für das Jahr 2027 beantragt werden. Wer seinen GdB bereits anerkannt bekommen hat, kann deshalb frühzeitig prüfen, ob er die Entlastung schon ab Januar 2027 beim Gehalt berücksichtigen lassen möchte. Ein bewilligter Freibetrag kann grundsätzlich für zwei Kalenderjahre gelten. Besteht bereits eine entsprechende Bewilligung, sollte vor einem neuen Antrag geprüft werden, ob sie noch gültig ist. Auch Eltern können den Pauschbetrag ihres Kindes nutzen Der Behinderten-Pauschbetrag ist nicht ausschließlich für erwerbstätige Erwachsene interessant. Auch Kinder können einen entsprechenden Anspruch haben, wenn bei ihnen ein ausreichender GdB festgestellt wurde. Da Kinder häufig selbst keine Einkommensteuer zahlen, bleibt der Pauschbetrag bei ihnen ohne unmittelbare steuerliche Wirkung. Unter den Voraussetzungen des § 33b Absatz 5 Einkommensteuergesetz kann er deshalb auf die Eltern übertragen werden. Dafür müssen die Eltern insbesondere Anspruch auf Kindergeld oder einen Kinderfreibetrag haben. Außerdem darf das Kind den Pauschbetrag nicht selbst in Anspruch nehmen. Die Übertragung muss in der Steuererklärung beantragt werden. Für Kinder mit einem im Jahr 2026 neu festgestellten GdB muss außerdem die elektronische Datenübermittlung beachtet werden. Auch hier ist die Steuer-ID des Kindes wichtig. Sie ermöglicht die Zuordnung der behördlichen Feststellung. Bei einer rückwirkenden Anerkennung können frühere Steuerjahre betroffen sein Wird eine Behinderung rückwirkend anerkannt, kann das auch für ältere Steuerjahre relevant sein. Entscheidend ist, für welchen Zeitraum die zuständige Behörde den jeweiligen GdB festgestellt hat. Ein solcher Bescheid kann unter den Voraussetzungen des § 175 Abgabenordnung eine Änderung bereits erlassener Einkommensteuerbescheide ermöglichen. Daraus folgt allerdings kein unbegrenzter Anspruch auf Erstattung für sämtliche vergangenen Jahre. Die steuerlichen Festsetzungsfristen und die gesetzlichen Voraussetzungen einer Bescheidänderung müssen eingehalten werden. Betroffene sollten deshalb bei einer rückwirkenden Anerkennung nicht nur den aktuellen Steuerbescheid betrachten. Auch die steuerliche Behandlung früherer Jahre kann eine Prüfung wert sein. Besonders wichtig ist dabei, ob bereits ein Steuerbescheid vorliegt und ob das jeweilige Jahr steuerlich noch geändert werden kann. Fehlt der Pauschbetrag im Steuerbescheid, sollten Betroffene handeln Wer den Behinderten-Pauschbetrag beantragt hat, sollte seinen Einkommensteuerbescheid sorgfältig kontrollieren. Dort muss erkennbar sein, ob die beantragte Entlastung tatsächlich berücksichtigt wurde. Fehlt der Pauschbetrag, können unterschiedliche Ursachen dahinterstecken. Möglich sind eine nicht erfolgte elektronische Datenübermittlung, eine fehlerhafte Steuer-ID oder unvollständige Angaben in der Steuererklärung. Bei Problemen mit dem elektronischen Nachweis ist zunächst die zuständige Feststellungsbehörde ein wichtiger Ansprechpartner. Das Finanzamt kann klären, weshalb die beantragte steuerliche Berücksichtigung nicht erfolgt ist. Gegen einen fehlerhaften Einkommensteuerbescheid kann grundsätzlich innerhalb eines Monats nach dessen Bekanntgabe Einspruch eingelegt werden. Diese Frist sollte nicht verstreichen, während Betroffene noch auf die technische Klärung warten. Wer 2026 erstmals einen GdB von 30 erhalten hat, sollte deshalb drei Dinge überprüfen. Der festgestellte Zeitraum muss stimmen, die elektronische Übermittlung muss veranlasst sein und der Pauschbetrag muss steuerlich geltend gemacht werden. Häufige Fragen zum Behinderten-Pauschbetrag 2026 Bekomme ich mit einem GdB von 30 auch ohne Schwerbehindertenausweis 620 Euro Pauschbetrag? Ja. Bereits ein behördlich festgestellter GdB von 30 reicht grundsätzlich für den jährlichen Behinderten-Pauschbetrag von 620 Euro aus. Ein Schwerbehindertenausweis ist nicht erforderlich, da dieser erst bei einer Schwerbehinderung ab GdB 50 ausgestellt wird. Bekomme ich den vollen Pauschbetrag, wenn mein GdB erst Ende 2026 festgestellt wird? Ja, sofern die Feststellung für einen Zeitraum innerhalb des Jahres 2026 gilt und die weiteren Voraussetzungen vorliegen. Der Behinderten-Pauschbetrag ist ein Jahresbetrag und wird grundsätzlich nicht nach Monaten aufgeteilt. Muss ich meinen alten GdB-Bescheid wegen der elektronischen Übermittlung erneuern lassen? Nein. Vor 2026 ausgestellte und weiterhin gültige Nachweise werden aufgrund der gesetzlichen Übergangsregelung grundsätzlich weiter berücksichtigt. Das neue elektronische Verfahren betrifft insbesondere erstmals seit Januar 2026 getroffene oder geänderte Feststellungen. Quellen § 33b Einkommensteuergesetz zu den Behinderten-Pauschbeträgen und ihrer Übertragung auf Eltern § 65 Einkommensteuer-Durchführungsverordnung zum elektronischen Nachweis der Behinderung ab 2026 § 84 Einkommensteuer-Durchführungsverordnung zu den Übergangsregeln für ältere Feststellungen Bundesfinanzministerium, Einkommensteuer-Hinweise zu § 33b EStG und zur Berücksichtigung des höchsten GdB im Kalenderjahr Niedersächsisches Landesamt für Soziales, Jugend und Familie, Fragen und Antworten zur Feststellung einer Behinderung und zur elektronischen Steuerdatenübermittlung Bundesportal, Informationen zur Feststellung einer Behinderung und zum elektronischen Nachweis ab Januar 2026 ELSTER, Anleitung zum Antrag auf Lohnsteuer-Ermäßigung für 2027 § 152 SGB IX zur Feststellung des Grades der Behinderung § 175 Abgabenordnung zur Änderung von Steuerbescheiden aufgrund von Grundlagenbescheiden Autismus Wissen, Schwerbehindertenausweis und GdB bei Autismus, 17. Oktober 2026

Beitragsbild von: Kürzungspläne bei der Rente machen frühen Rentenantrag attraktiv

29. Oktober 2026

Die Angst vor schlechteren Rentenbedingungen kann einen früheren Rentenantrag attraktiv machen. Damit droht die Politik einen Anreiz zu setzen, der ihrem Ziel längerer Erwerbsarbeit entgegenwirkt. Die Reform verunsichert schon vor dem Gesetz Die Alterssicherungskommission empfiehlt, die abschlagsfreie Altersrente für besonders langjährig Versicherte abzuschaffen. Außerdem soll der früheste Beginn der Altersrente nach 35 Versicherungsjahren von 63 auf 64 Jahre steigen. Diese Empfehlungen ändern die bestehenden Ansprüche noch nicht. Die Deutsche Rentenversicherung stellt ausdrücklich klar, dass bis zum Inkrafttreten entsprechender Gesetze das geltende Rentenrecht anzuwenden ist. Wie viel weiterhin offen ist, zeigt eine am 27. Oktober veröffentlichte Antwort der Bundesregierung: Die Folgen einer möglichen Abschaffung für unterschiedliche Personengruppen könne sie derzeit nicht angeben, weil die konkrete Ausgestaltung noch erarbeitet werde. Für Beschäftigte kurz vor dem geplanten Rentenbeginn bedeutet diese Ungewissheit ein erhebliches Planungsproblem. Besonders heikel bleibt deshalb, welche Übergangsregeln bei der Rente nach 45 Jahren gelten könnten. Eine politische Zusage ersetzt keine gesetzliche Regelung, auf die sich Versicherte bei ihrer Lebensplanung verlassen können. Eine beantragte Rente bedeutet noch keinen Berufsausstieg Seit Januar 2023 dürfen Bezieher einer Altersrente grundsätzlich unbegrenzt hinzuverdienen, ohne dass die Altersrente wegen dieses Verdienstes gekürzt wird. Das gilt auch für vorgezogene Altersrenten; für Erwerbsminderungsrenten bestehen dagegen weiterhin andere Vorgaben. Wer die Voraussetzungen erfüllt, kann daher bereits Rente beziehen und weiterarbeiten. Ein früherer Rentenbeginn verrät für sich genommen weder, ob jemand den Arbeitsplatz verlässt, noch, ob die Arbeitszeit sinkt. Für die Finanzierung bleibt ein früherer Leistungsbezug dennoch relevant, weil die Rentenkasse früher zahlt. Ob zugleich Arbeitskräfte und Beitragseinnahmen verloren gehen, hängt davon ab, wie die Betroffenen ihre Beschäftigung tatsächlich verändern. Auch ein Nebenjob lässt sich mit einer Altersrente verbinden, wie unser Beitrag zu Minijob und Rente ab 2026 erläutert. Die fehlende Hinzuverdienstgrenze bedeutet allerdings keine allgemeine Befreiung von Steuern und Sozialabgaben. 45 Versicherungsjahre bedeuten heute keine Rente mit 63 Die verbreitete Bezeichnung „Rente mit 63“ führt bei der abschlagsfreien Altersrente nach 45 Versicherungsjahren inzwischen in die Irre. Für den Jahrgang 1962 liegt die Altersgrenze bei 64 Jahren und acht Monaten, für 1963 bei 64 Jahren und zehn Monaten und ab 1964 bei 65 Jahren. Die folgende Tabelle zeigt die geltenden Regeln für die beiden Altersrenten nach 35 beziehungsweise 45 Versicherungsjahren. Die Abschläge beziehen sich auf einen Beginn genau mit 63 Jahren; besondere Rentenarten, etwa für schwerbehinderte Menschen, sind darin nicht enthalten. Jahrgang Abschlagsfrei nach 45 Jahren Regelaltersgrenze Abschlag mit 63 nach 35 Jahren 1962 64 Jahre und 8 Monate 66 Jahre und 8 Monate 13,2 Prozent 1963 64 Jahre und 10 Monate 66 Jahre und 10 Monate 13,8 Prozent Ab 1964 65 Jahre 67 Jahre 14,4 Prozent [6] [8] [9] Ein vorschneller Beginn kann lebenslang teuer werden Wer vor der Altersgrenze für die abschlagsfreie Rente beginnen möchte, muss die Voraussetzungen einer anderen Rentenart erfüllen. Bei der Altersrente für langjährig Versicherte nach 35 Jahren beträgt der Abschlag grundsätzlich 0,3 Prozent für jeden Monat vor der dafür geltenden abschlagsfreien Altersgrenze. Für Versicherte ab Jahrgang 1964 ergeben sich bei einem Beginn mit 63 statt mit 67 Jahren insgesamt 14,4 Prozent. Dieser Abschlag bleibt grundsätzlich auch nach Erreichen der Regelaltersgrenze bestehen. Hinzu kommt eine folgenreiche Einschränkung: Nach bindender Bewilligung einer Altersrente oder für Zeiten ihres Bezugs ist der Wechsel in eine andere Altersrente grundsätzlich ausgeschlossen. Wer zunächst die Rente mit Abschlägen wählt, kann deshalb regelmäßig nicht später in die abschlagsfreie Altersrente nach 45 Jahren wechseln. Warum auch nach 45 Versicherungsjahren lebenslange Abschläge drohen können, sollte deshalb vor jeder Entscheidung geklärt sein. Aus Angst vor einer möglichen Verschlechterung kann sonst eine sofortige und dauerhafte Einbuße entstehen. Ein früher Antrag friert die Rechtslage nicht ein Ein vorsorglich eingereichter Antrag sichert die heutigen Regeln nicht automatisch für einen späteren Rentenbeginn. Darauf weist die Deutsche Rentenversicherung ausdrücklich hin: Ein früher Antrag kann eine günstigere Rechtslage nicht einfach für die Zukunft festschreiben. Wer Monate vor dem gewünschten Beginn handelt, braucht deshalb eine Auskunft zu seinem tatsächlichen Anspruch und muss mögliche gesetzliche Übergangsbestimmungen beachten. Der Eingang des Antrags allein ist kein verlässlicher Schutz vor einer späteren Reform. Der Vorwurf des Abkassierens greift zu kurz Wer gesetzlich vorgesehene Leistungen beantragt und zulässig weiterarbeitet, nutzt einen bestehenden Anspruch. Daraus pauschal einen Vorwurf gegen ältere Beschäftigte abzuleiten, lenkt von der Verantwortung für die gesetzlichen Anreize ab. Ebenso wenig lässt sich aus der Weiterarbeit Einzelner schließen, dass alle Beschäftigten problemlos länger durchhalten könnten. Eine Pflegekraft mit körperlichen Beschwerden hat andere Möglichkeiten als ein gesunder Beschäftigter, der seine Arbeit in Teilzeit fortsetzen kann. Ausgerechnet hierzu fehlt der Bundesregierung eine belastbare Datengrundlage: Nach einer im September veröffentlichten Antwort weiß sie nicht, für wie viele Menschen die Altersrente für langjährig Versicherte aus gesundheitlichen Gründen erforderlich ist. Wer den Zugang erschweren will, muss erklären, wie er die Folgen für diese Menschen einschätzen und abfedern möchte. Längeres Arbeiten braucht mehr als höhere Altersgrenzen Auch Unternehmen müssen sich an ihren eigenen Forderungen messen lassen. Wer längere Erwerbszeiten verlangt und zugleich ältere Beschäftigte mit Ausstiegsangeboten zum Gehen bewegt, schafft widersprüchliche Erwartungen. Eine glaubwürdige Politik für längere Beschäftigung muss deshalb auch die Arbeitsbedingungen verbessern. Menschen brauchen Arbeitsplätze, an denen sie bis zum vorgesehenen Rentenalter gesund bleiben können, und einen nachvollziehbaren Schutz, wenn das nicht gelingt. Die Bundesregierung muss außerdem rechtzeitig verbindlich klären, welche Jahrgänge von Änderungen betroffen wären und wie bereits vorbereitete Übergänge behandelt würden. Solange das offenbleibt, müssen Versicherte Entscheidungen unter Unsicherheit treffen, deren finanzielle Folgen sie über Jahrzehnte tragen. Praxisbeispiel mit 192 Euro weniger im Monat Ein fiktiver Lagerist des Jahrgangs 1962 hat mit genau 64 Jahren bereits 45 anrechenbare Versicherungsjahre erreicht. Nach geltendem Recht könnte er acht Monate später die abschlagsfreie Altersrente für besonders langjährig Versicherte beziehen. Beginnt er aus Sorge vor der Reform stattdessen sofort die Altersrente für langjährig Versicherte, liegt er 32 Monate vor deren abschlagsfreier Altersgrenze von 66 Jahren und acht Monaten. Der dauerhafte Abschlag beträgt 9,6 Prozent; aus angenommenen 2.000 Euro Monatsrente ohne Abschlag werden 1.808 Euro brutto. Den monatlichen Unterschied von 192 Euro muss er gegen die acht Monate früheren Rentenzahlungen und seine persönliche Situation abwägen. Die vereinfachte Rechnung lässt weitere Beiträge und Rentenanpassungen ebenso außer Betracht wie Steuern und Sozialabgaben. Sieben Fragen und Antworten Ist die Abschaffung der abschlagsfreien Rente nach 45 Jahren bereits geltendes Recht? Nein, nach dem Stand vom 28. Oktober 2026 besteht diese Altersrente weiterhin. Die Bundesregierung arbeitet an der gesetzlichen Umsetzung der Reformempfehlungen; deren konkrete Ausgestaltung ist noch offen. Kann ich nach 45 Versicherungsjahren immer mit 63 abschlagsfrei in Rente gehen? Nein, zusätzlich müssen Sie die Altersgrenze Ihres Geburtsjahrgangs erreichen. Ab Jahrgang 1964 liegt sie nach geltendem Recht bei 65 Jahren. Darf ich eine vorgezogene Altersrente beziehen und weiterarbeiten? Ja, für Altersrenten gilt grundsätzlich keine Hinzuverdienstgrenze mehr. Der zusätzliche Verdienst kürzt die Altersrente deshalb nicht, kann aber steuerliche und sozialversicherungsrechtliche Folgen haben. Verschwinden Abschläge beim Erreichen der Regelaltersgrenze? Nein, die Abschläge auf die vorzeitig in Anspruch genommenen Rentenansprüche bleiben grundsätzlich lebenslang bestehen. Spätere zusätzliche Rentenansprüche können die Zahlung erhöhen, beseitigen den ursprünglichen Abschlag aber nicht automatisch. Kann ich später in die abschlagsfreie Altersrente nach 45 Jahren wechseln? Das ist nach bindender Bewilligung einer anderen Altersrente oder für Zeiten ihres Bezugs grundsätzlich ausgeschlossen. Deshalb sollten Sie die Rentenart und den gewünschten Beginn vorab sorgfältig vergleichen. Sichert ein vorsorglicher Rentenantrag die heutigen Bedingungen? Nein, ein früher Antrag allein schreibt die geltenden Regeln nicht für einen späteren Rentenbeginn fest. Welche Vorschriften dann anzuwenden sind, hängt vom geltenden Recht und möglichen Übergangsbestimmungen ab. Was sollte ich vor einer Entscheidung konkret berechnen lassen? Lassen Sie die möglichen Rentenbeginne mit den jeweiligen Abschlägen und die Vollständigkeit Ihres Versicherungsverlaufs prüfen. Für die Entscheidung zählt außerdem, wie sich früher ausgezahlte Renten, weiteres Arbeitseinkommen und die spätere monatliche Rente unter Berücksichtigung Ihrer Abgaben gegenüberstehen.

Beitragsbild von: Gericht stoppt Vermieter, der Mietwohnungen abreißen und durch teure Wohnungen ersetzen wollte

28. Oktober 2026

Drei Wohnhäuser abreißen und möblierte Mikroapartments als Ersatz anbieten: Damit ist eine Immobiliengesellschaft vor dem Verwaltungsgericht Köln gescheitert. Die Richter bestätigten die Ablehnung der Abrissgenehmigung, weil das angebotene Vermietungskonzept im konkreten Fall keinen gleichwertigen Ersatzwohnraum schuf. Das Urteil vom 16. Oktober 2026 trägt das Aktenzeichen 28 K 3595/24. Das Gericht veröffentlichte seine Mitteilung dazu am 27. Oktober 2026. Drei Wohnhäuser sollten verschwinden Die klagende Gesellschaft mit Sitz in Luxemburg wollte drei Wohnhäuser in der Kölner Neustadt-Nord abreißen lassen. Als Ersatz verwies sie auf ein Neubauvorhaben in Köln-Neuehrenfeld. Dort sollten überwiegend möblierte Apartments mit 21 bis 32 Quadratmetern für Ein- bis Zweipersonenhaushalte entstehen. Internet, Wäsche und Haushaltsutensilien sollten ebenso zum Angebot gehören wie ein Begrüßungspaket und eine optional angebotene Endreinigung. Warum der Abriss eine Genehmigung brauchte In Köln darf geschützter Wohnraum nicht ohne die erforderliche Genehmigung beseitigt oder einer anderen Nutzung zugeführt werden. Die Stadt hat auf Grundlage des nordrhein-westfälischen Wohnraumstärkungsgesetzes eine Wohnraumschutzsatzung erlassen, weil die Versorgung mit Mietwohnungen zu angemessenen Bedingungen besonders gefährdet ist. Eine Genehmigung ist nach der Gerichtsmitteilung in der Regel zu erteilen, wenn gleichwertiger Ersatzwohnraum geschaffen wird. Genau daran scheiterte das angebotene Vorhaben: Das Gericht sah die geplanten Apartments nicht als solchen Ersatz an. Wohnungspolitisch setzt die Entscheidung damit eine nachvollziehbare Grenze. Ein Neubau gleicht den Verlust gewöhnlicher Mietwohnungen nicht schon deshalb aus, weil darin ebenfalls Menschen übernachten können. Wohnen bedeutet mehr als ein Bett und Internet Nach der vom Gericht veröffentlichten Begründung muss Wohnraum als „Heimstätte im Alltag“ dienen. Davon unterscheidet das Wohnungsaufsichtsrecht Unterkünfte, die lediglich einem vorübergehenden oder übergangsweisen Aufenthalt dienen. Das Gericht bewertete dafür das Zusammenspiel aus vollständiger Möblierung, Ausstattung und erwartetem Mietniveau. Dieses Gesamtbild sprach aus seiner Sicht für eine vorübergehende Unterkunft. Die Entscheidung lässt sich deshalb nicht auf die Quadratmeterzahl reduzieren. Es ging um die Frage, ob das konkrete Angebot Menschen tatsächlich ein dauerhaftes Zuhause bieten sollte. Hohe Mieten und unbefristete Verträge Auch die erwarteten Mieten verstärkten die Zweifel des Gerichts. Nach den Ermittlungen der Stadt war mit Mieten deutlich über dem allgemeinen Mietniveau zu rechnen; einen konkreten Eurobetrag nennt die Mitteilung nicht. Nach Einschätzung des Gerichts werden solche Preise typischerweise für eine begrenzte Übergangszeit akzeptiert. Als dauerhafte Wohnlösung seien sie dagegen untypisch. Die vorgesehenen Verträge sollten grundsätzlich unbefristet sein und eine Mindestmietdauer von sechs Monaten vorsehen. Auch das überzeugte das Gericht angesichts des übrigen Vermietungskonzepts nicht. Kein allgemeines Verbot möblierter Wohnungen Das Urteil erklärt weder kleine Wohnungen noch möblierte Mietangebote pauschal für unzulässig. Es betrifft die Anerkennung des konkret angebotenen Neubauvorhabens als Ersatz für wegfallenden Wohnraum nach den Kölner Vorschriften. Ebenso wenig legt die Entscheidung eine bundesweite Mindestgröße für Mietwohnungen oder eine allgemeine Mietobergrenze fest. Ob ein anderes Apartmentkonzept als Ersatz anerkannt werden könnte, müsste anhand seiner Ausgestaltung und der anwendbaren Vorschriften geprüft werden. Über Konflikte um die Vermietung kleinster möblierter Räume hat gegen-hartz.de auch am Beispiel eines Berliner Mietshauses berichtet. Für den Kölner Fall ist jedoch die dortige Wohnraumschutzsatzung entscheidend. Was Menschen mit wenig Einkommen davon haben Für Wohnungssuchende mit wenig Geld zählt, ob ein Angebot auf Dauer bezahlbar und als Zuhause geeignet ist. Ein möbliertes Apartment kann eine praktische Übergangslösung sein, ohne den Verlust einer gewöhnlichen Mietwohnung auszugleichen. Wer auf Leistungen des Jobcenters angewiesen ist, sollte vor Abschluss eines neuen Mietvertrags die Anerkennung der konkreten Unterkunftskosten klären. Eine geringe Wohnfläche garantiert keine Kostenübernahme. Bei möblierten Angeboten lohnt außerdem ein Blick auf die Behandlung von Möblierungszuschlägen beim Wohngeld. Über einen individuellen Anspruch auf Sozialleistungen entscheidet das Kölner Urteil nicht. Rechtskraft ist nicht bestätigt Die Beteiligten können die Zulassung der Berufung beantragen; darüber würde das Oberverwaltungsgericht in Münster entscheiden. Eine Rechtskraft ist durch die Gerichtsmitteilung nicht bestätigt. Grundlage dieses Beitrags ist die offizielle Mitteilung des Verwaltungsgerichts Köln vom 27. Oktober 2026, nicht der Urteilsvolltext. Hinweise zur Klärung der Unterkunftskosten bietet die Bundesagentur für Arbeit. Sieben Fragen und Antworten Was hat das Verwaltungsgericht Köln entschieden? Es hat die Ablehnung einer Abrissgenehmigung für drei Wohnhäuser bestätigt. Das angebotene Neubauvorhaben mit überwiegend möblierten Mikroapartments genügte im konkreten Fall nicht als gleichwertiger Ersatzwohnraum. Warum reichten die Apartments nicht als Ersatz aus? Das Gericht sah in dem gesamten Vermietungskonzept ein Angebot für vorübergehendes Unterkommen. Dabei berücksichtigte es die Möblierung, die Ausstattung und die erwartbar hohen Mieten. Warum halfen unbefristete Mietverträge nicht? Die Vertragslaufzeit allein änderte aus Sicht des Gerichts nichts am Charakter des Angebots. Die übrige Ausgestaltung sprach weiterhin gegen ein dauerhaftes Zuhause. Sind möblierte Wohnungen jetzt verboten? Nein, ein allgemeines Verbot folgt aus dem Urteil nicht. Entschieden wurde über die Eignung eines bestimmten Vorhabens als Ersatzwohnraum nach den Kölner Vorschriften. Gilt die Entscheidung automatisch in anderen Städten? Nein, dafür müssen die jeweils geltenden Gesetze und örtlichen Satzungen geprüft werden. Die Begründung kann bei vergleichbaren Streitfällen als Argument dienen, ersetzt aber keine Prüfung des Einzelfalls. Verhindert das Urteil automatisch eine Kündigung? Nein, das Verfahren betraf die behördliche Abrissgenehmigung. Die Wirksamkeit einer mietrechtlichen Kündigung ist eine andere Frage. Ist das Urteil bereits rechtskräftig? Die Gerichtsmitteilung bestätigt keine Rechtskraft. Die Beteiligten können einen Antrag auf Zulassung der Berufung stellen.

Beitragsbild von: Rente: Diese Fristen im November 2026 können Rentner bares Geld kosten

28. Oktober 2026

Der November 2026 bringt wichtige Termine für Rentner, Arbeitnehmer und Autofahrer. Während die gesetzliche Rente am 30. November ausgezahlt wird, müssen viele Fahrzeughalter ihre Versicherung bis zu diesem Tag kündigen, wenn sie zum Jahreswechsel ändern möchten. Auch beim Steuerfreibetrag für 2027, beim Rentenbeginn und beim Black Friday gibt es wichtige Termine. Besonders dringend ist die Lage für bestimmte Auslandsrentner, denn ein fehlender Lebensnachweis kann bereits ab Ende Oktober zum Zahlungsstopp führen. Diese sechs Termine sind im November 2026 wichtig Nicht hinter jedem Termin steckt ein neues Gesetz. Einige betreffen jährlich wiederkehrende Fristen, andere ergeben sich aus den bestehenden Rentenregeln oder dem Verbraucherrecht. Termin Änderung oder Ereignis Ab 1. November Lohnsteuerfreibetrag für 2027 beantragen Bis 30. November Kfz-Versicherung bei vielen Verträgen kündigen 30. November Auszahlung der Novemberrente bei nachschüssiger Zahlung 27. November Black Friday mit zahlreichen Rabattaktionen Ab 1. November Weitere Versicherte können erstmals Altersrente beziehen Bereits ab Ende Oktober Zahlungsstopp bei fehlendem Lebensnachweis möglich Besonders wichtig ist die Unterscheidung zwischen festen gesetzlichen Fristen und individuellen Voraussetzungen. Wer einen Termin übersieht, verliert nicht direkt den entsprechenden Anspruch, muss aber unter Umständen mit finanziellen Nachteilen oder Verzögerungen rechnen. Ab 1. November kann der Steuerfreibetrag für 2027 beantragt werden Ab dem 1. November 2026 können Arbeitnehmer beim Finanzamt einen Lohnsteuerfreibetrag für das kommende Jahr beantragen. Dadurch lassen sich bestimmte steuerlich abziehbare Ausgaben bereits beim monatlichen Lohnsteuerabzug berücksichtigen. Das kann sinnvoll sein, wenn Beschäftigte regelmäßig hohe Werbungskosten oder außergewöhnliche Belastungen haben. Auch Rentner, die neben ihrer Rente weiterhin lohnsteuerpflichtig arbeiten, können unter den gesetzlichen Voraussetzungen davon profitieren. Typische Beispiele sind hohe Fahrtkosten zur Arbeitsstelle, berücksichtigungsfähige Kinderbetreuungskosten oder bestimmte behinderungsbedingte Aufwendungen. Welche Beträge anerkannt werden, richtet sich nach § 39a Einkommensteuergesetz. Für viele dieser Aufwendungen gilt eine Antragsgrenze von mehr als 600 Euro. Bei Werbungskosten wird dabei nur der Betrag berücksichtigt, der den Arbeitnehmer-Pauschbetrag übersteigt. Ein bewilligter Freibetrag wird in den elektronischen Lohnsteuerabzugsmerkmalen hinterlegt. Der Arbeitgeber kann ihn dadurch bei der Berechnung des monatlichen Nettogehalts berücksichtigen. Lohnsteuerfreibetrag und steuerlicher Grundfreibetrag sind nicht dasselbe Eine wichtige Unterscheidung betrifft die Art des Freibetrags. Der ab November beantragbare Lohnsteuerfreibetrag ist nicht mit dem allgemeinen steuerlichen Grundfreibetrag zu verwechseln. Der Grundfreibetrag wird bei der Einkommensteuerberechnung gesetzlich berücksichtigt und muss nicht gesondert beantragt werden. Der individuelle Lohnsteuerfreibetrag dient dagegen dazu, bestimmte zusätzliche Aufwendungen schon während des Jahres beim Steuerabzug zu berücksichtigen. Ein Freibetrag von beispielsweise 1.200 Euro bedeutet deshalb nicht, dass das Finanzamt 1.200 Euro auszahlt. Vielmehr verringert dieser Betrag die Grundlage für den Lohnsteuerabzug, sodass die tatsächliche Entlastung von der persönlichen Steuerbelastung abhängt. Wer einen Freibetrag beantragt, kann ihn grundsätzlich für zwei Kalenderjahre berücksichtigen lassen. Besteht bereits eine entsprechende Bewilligung für 2027, ist möglicherweise kein erneuter Antrag erforderlich. Die Antragstellung ist über Mein ELSTER oder beim zuständigen Finanzamt möglich. Der reguläre Antragszeitraum für das Jahr 2027 reicht vom 1. November 2026 bis zum 30. November 2027, wobei eine frühe Beantragung die Berücksichtigung ab Jahresbeginn erleichtert. Bis zum 30. November sollten Autofahrer ihre Kfz-Versicherung prüfen Für viele Autofahrer endet am Montag, dem 30. November 2026, die reguläre Kündigungsfrist ihrer Kfz-Versicherung. Das gilt insbesondere bei Verträgen, deren Versicherungsjahr am 31. Dezember endet und die eine einmonatige Kündigungsfrist vorsehen. Entscheidend ist nicht das Datum, an dem die Kündigung abgeschickt wird. Sie muss spätestens am 30. November beim bisherigen Versicherer eingegangen sein. Allerdings gilt dieser Termin nicht für sämtliche Kfz-Versicherungen. Bei Verträgen mit einem anderen Ablaufdatum verschiebt sich auch die Kündigungsfrist. Gerade Rentner sollten ihre Versicherungsbedingungen überprüfen. Wer nach dem Ausscheiden aus dem Berufsleben deutlich weniger Auto fährt, kann möglicherweise durch eine niedrigere jährliche Fahrleistung Beiträge sparen. Auch die Schadenfreiheitsklasse, der versicherte Fahrerkreis und die gewählte Selbstbeteiligung beeinflussen den Beitrag. Ein günstigeres Angebot muss deshalb mit dem bisherigen Versicherungsschutz verglichen werden. Auch unfallfreie Rentner können höhere Beiträge zahlen Besonders ärgerlich sind Beitragserhöhungen für Menschen, die seit vielen Jahren unfallfrei fahren. Dennoch können steigende Reparaturkosten, neue Typ- und Regionalklassen oder altersabhängige Tarifmerkmale zu höheren Versicherungsbeiträgen führen. Wer bisher beispielsweise 750 Euro jährlich bezahlt und einen vergleichbaren Vertrag für 600 Euro findet, könnte 150 Euro pro Jahr sparen. Voraussetzung ist, dass der neue Versicherungsschutz tatsächlich den benötigten Leistungen entspricht. Die Besonderheiten bei älteren Autofahrern erläutert auch unser Beitrag Unfallfreie Rentner müssen jetzt mehr für die Kfz-Versicherung zahlen. Bei einer Beitragserhöhung kann außerdem ein Sonderkündigungsrecht bestehen. Nach § 40 Versicherungsvertragsgesetz ist unter bestimmten Voraussetzungen eine Kündigung innerhalb eines Monats nach Zugang der Erhöhungsmitteilung möglich. Betroffene sollten deshalb nicht automatisch davon ausgehen, dass nach dem 30. November jeder Versicherungswechsel ausgeschlossen ist. Ob ein späterer Wechsel möglich bleibt, hängt vom konkreten Vertrag und dem Grund der Beitragserhöhung ab. Vor einer Kündigung sollte zudem feststehen, dass der neue Versicherer den gewünschten Schutz übernimmt. Eine Unterbrechung des gesetzlich vorgeschriebenen Kfz-Haftpflichtversicherungsschutzes muss vermieden werden. Die Novemberrente kommt am Montag, dem 30. November 2026 Für viele Rentner ist der letzte Bankarbeitstag des Monats besonders wichtig. Im November 2026 fällt dieser Termin auf Montag, den 30. November. Wer seine gesetzliche Rente nachschüssig erhält, bekommt an diesem Tag die Zahlung für November. Das betrifft grundsätzlich Renten, die nach dem 31. März 2004 begonnen haben. Bei älteren Renten sieht die Auszahlung anders aus. Wer seine Rente vorschüssig erhält, bekam die Novemberrente bereits am Freitag, dem 30. Oktober 2026. Die Zahlung am 30. November betrifft bei diesen Rentnern deshalb schon den Dezember. Auch bei bestimmten Folgerenten kann die bisherige vorschüssige Zahlungsweise erhalten bleiben. Zahlungsweise Novemberrente Zahlung am 30. November Nachschüssig 30. November 2026 Rente für November Vorschüssig 30. Oktober 2026 Rente für Dezember Der Unterschied kann bei der Planung von Miete, Strom und anderen laufenden Ausgaben entscheidend sein. Besonders bei einem Wechsel der Rentenart sollten Versicherte prüfen, welcher Zahlungsrhythmus für sie gilt. Die gesetzlichen Grundlagen ergeben sich insbesondere aus § 118 und § 272a SGB VI. Weitere Hinweise enthält unser Beitrag über die Rente im November 2026 und die wichtigsten Zahlungstermine. Neue Versicherte können ab November erstmals Altersrente beziehen Für bestimmte Geburtsjahrgänge beginnt am 1. November 2026 erstmals die Möglichkeit, eine Altersrente zu beziehen. Entscheidend sind dabei die jeweilige Rentenart, das Geburtsdatum und die erfüllten Versicherungszeiten. Bei der regulären Altersrente betrifft das beispielsweise Menschen, die im Juni 1960 geboren wurden. Sie erreichen ihre Regelaltersgrenze von 66 Jahren und vier Monaten im Oktober 2026 und können bei rechtzeitigem Antrag grundsätzlich ab November eine Regelaltersrente beziehen. Bei der Altersrente für besonders langjährig Versicherte gelten andere Altersgrenzen. Wer im Februar 1962 geboren wurde und die erforderlichen 45 Versicherungsjahre erfüllt, kann grundsätzlich ab November 2026 abschlagsfrei in Rente gehen. Auch für langjährig Versicherte mit mindestens 35 Versicherungsjahren kann ein Rentenbeginn möglich sein. Menschen mit Geburtsmonat Oktober 1963 erreichen das Mindestalter von 63 Jahren, müssen bei einem so frühen Rentenbeginn jedoch grundsätzlich einen dauerhaften Abschlag von 13,8 Prozent hinnehmen. Weitere Möglichkeiten bestehen für schwerbehinderte Menschen des Geburtsjahrgangs 1964. Wer im Oktober 1964 geboren wurde, einen Grad der Behinderung von mindestens 50 bei Rentenbeginn besitzt und 35 Versicherungsjahre erfüllt, kann die entsprechende Altersrente ab November mit einem Abschlag von 10,8 Prozent beziehen. Für Versicherte, die am ersten Tag eines Monats geboren wurden, kann sich der Rentenbeginn um einen Monat nach vorn verschieben. Deshalb muss der persönliche Rentenbeginn immer anhand des genauen Geburtsdatums bestimmt werden. Diese Altersgrenzen sind im November entscheidend Die folgenden Beispiele zeigen, für welche Versicherten ein Rentenbeginn am 1. November 2026 möglich ist. Rentenart Beispielgeburtstag Voraussetzungen Regelaltersrente 15. Juni 1960 66 Jahre und 4 Monate, mindestens 5 Versicherungsjahre Besonders langjährig Versicherte 15. Februar 1962 64 Jahre und 8 Monate, 45 Versicherungsjahre Langjährig Versicherte 15. Oktober 1963 63 Jahre, 35 Versicherungsjahre, 13,8 Prozent Abschlag Schwerbehinderte Menschen 15. Oktober 1964 62 Jahre, GdB mindestens 50, 35 Versicherungsjahre, 10,8 Prozent Abschlag Die Beispiele setzen voraus, dass die Rentenversicherung sämtliche weiteren Anspruchsvoraussetzungen anerkennt. Ein bestimmtes Lebensalter allein löst noch keine automatische Rentenzahlung aus. Die Deutsche Rentenversicherung empfiehlt, den Antrag ungefähr drei Monate vor dem gewünschten Rentenbeginn zu stellen. Wer die rechtzeitige Antragstellung versäumt, kann unter Umständen einen späteren Rentenbeginn riskieren. Am 27. November beginnt der Black Friday Am Freitag, dem 27. November 2026, findet der diesjährige Black Friday statt. Viele Händler werben an diesem Tag mit deutlichen Preisnachlässen bei Elektrogeräten, Haushaltswaren und zahlreichen weiteren Produkten. Für Menschen mit begrenztem Einkommen können günstige Angebote interessant sein, wenn ohnehin eine notwendige Anschaffung geplant war. Allerdings bedeutet ein auffälliger Rabatt nicht zwangsläufig, dass das Produkt tatsächlich besonders preiswert ist. Einige Händler beziehen ihre Rabattangaben auf unverbindliche Preisempfehlungen, die deutlich über den üblichen Verkaufspreisen liegen können. Deshalb sollten Verbraucher den tatsächlichen Marktpreis und möglichst auch die Preisentwicklung der vergangenen Wochen vergleichen. Nach § 11 Preisangabenverordnung müssen Händler bei der Bekanntgabe von Preisermäßigungen für Waren grundsätzlich den niedrigsten Gesamtpreis angeben, den sie innerhalb der vergangenen 30 Tage verlangt haben. Für bestimmte Preisaktionen gelten gesetzliche Ausnahmen. Auch am Black Friday bleiben die gesetzlichen Verbraucherrechte bestehen. Bei gewöhnlichen Online-Warenkäufen gilt grundsätzlich ein Widerrufsrecht von 14 Tagen ab Erhalt der Ware, wobei bestimmte Produkte und Verträge ausgenommen sind. Der Cyber Monday fällt mit dem Rentenzahltag zusammen Eine weitere Besonderheit des November 2026 ist der Cyber Monday am 30. November. Er fällt damit auf denselben Montag, an dem viele Rentner ihre Novemberrente ausgezahlt bekommen. Händler setzen ihre Rabattaktionen häufig bis zu diesem Tag fort. Teilweise laufen sie sogar unter Bezeichnungen wie Black Week über mehrere Tage. Wer eine größere Anschaffung plant, sollte deshalb nicht ausschließlich auf die zeitliche Nähe zur Rentenzahlung achten. Entscheidend ist, ob der tatsächliche Endpreis einschließlich Versandkosten günstiger ist und die Anschaffung ins verfügbare Haushaltsbudget passt. Besondere Vorsicht ist bei unbekannten Onlineshops angebracht, die ausschließlich Vorkasse per Überweisung verlangen. Das Europäische Verbraucherzentrum empfiehlt, solche Angebote kritisch zu prüfen und sich nicht durch künstlichen Zeitdruck zu einem Kauf drängen zu lassen. Auslandsrentner müssen wegen fehlendem Lebensnachweis aufpassen Für bestimmte Bezieher einer deutschen Rente, die im Ausland leben, ist eine weitere Frist besonders wichtig. Der Renten Service der Deutschen Post verlangt von ihnen regelmäßig einen Nachweis darüber, dass sie noch leben. Die Frist für den Lebensnachweis 2026 endete bereits am 9. Oktober 2026. Nach den aktuellen Angaben des Renten Service werden Rentenzahlungen bei fehlendem Nachweis ab Ende Oktober angehalten. Damit kann sich das Problem unmittelbar auf die Rentenzahlungen im November auswirken. Wer einen solchen Nachweis abgeben musste und bisher nicht reagiert hat, sollte deshalb unverzüglich handeln. Die Rentenzahlung wird nach Angaben des Renten Service so lange angehalten, bis der erforderliche Lebensnachweis eingegangen ist. Es handelt sich nicht automatisch um einen endgültigen Verlust des Rentenanspruchs. Betroffene können den Nachweis entweder digital über das vorgesehene Verfahren oder durch eine bestätigte Lebensbescheinigung erbringen. Eine Übersendung per gewöhnlicher E-Mail oder Fax wird ausdrücklich nicht akzeptiert. Nicht jeder Auslandsrentner muss eine Lebensbescheinigung einreichen Der Nachweis wird nicht von allen im Ausland lebenden Rentnern verlangt. In immer mehr Staaten können die erforderlichen Informationen bereits durch einen Datenaustausch zwischen den Behörden übermittelt werden. Wer mit seiner Rentenanpassungsmitteilung keine Aufforderung zum Lebensnachweis erhalten hat, muss nach den Angaben des Renten Service für 2026 grundsätzlich nichts weiter unternehmen. Anders sieht es aus, wenn eine entsprechende Aufforderung vorliegt. Dann ist der Nachweis in der vorgesehenen Form zu erbringen, auch wenn sich an den persönlichen Lebensumständen nichts verändert hat. Beim digitalen Lebensnachweis muss sich die rentenberechtigte Person selbst identifizieren. Angehörige können dieses Verfahren nicht stellvertretend durchführen und sollten bei Schwierigkeiten gegebenenfalls das papiergebundene Verfahren unterstützen. Besonders wichtig ist die rechtzeitige Klärung für Menschen, deren deutsche Rente ihre wesentliche Einkommensquelle darstellt. Bleibt die Zahlung aus, können sonst laufende Ausgaben wie Miete oder Krankenversicherung schnell zum Problem werden. Was Betroffene vor und während des Novembers erledigen sollten Für Rentner mit Auto ist zunächst die Kündigungsfrist der Kfz-Versicherung wichtig. Wer wechseln möchte, sollte den bisherigen Vertrag überprüfen, vergleichbare Angebote einholen und den rechtzeitigen Zugang seiner Kündigung sicherstellen. Beschäftigte und weiterarbeitende Rentner können ab dem 1. November die Möglichkeit eines Lohnsteuerfreibetrags für 2027 prüfen. Dabei sollte auch kontrolliert werden, ob bereits ein gültiger Freibetrag für das kommende Jahr besteht. Wer ab November erstmals Altersrente beziehen möchte, sollte seine Anspruchsvoraussetzungen und den Stand des Rentenantrags kontrollieren. Besonders bei fehlenden Versicherungszeiten kann eine Rückfrage bei der Rentenversicherung sinnvoll sein. Auslandsrentner mit noch offenem Lebensnachweis sollten dagegen nicht bis Ende November warten. Die hierfür maßgebliche Frist ist bereits abgelaufen und der angekündigte Zahlungsstopp kann schon Ende Oktober einsetzen. Beim Black Friday empfiehlt sich schließlich ein Preisvergleich vor dem Kauf. Ein angekündigter Rabatt ist nur dann eine tatsächliche Ersparnis, wenn das Angebot günstiger ist als vergleichbare reguläre Preise. Häufige Fragen zu den Änderungen im November 2026 Wann wird die gesetzliche Rente im November 2026 überwiesen? Bei nachschüssiger Auszahlung wird die Novemberrente am Montag, dem 30. November 2026, überwiesen. Wer seine Rente vorschüssig erhält, bekommt die Novemberzahlung bereits am 30. Oktober und am 30. November die Rente für Dezember. Muss ich meine Kfz-Versicherung bis zum 30. November 2026 kündigen? Nur wenn der Vertrag zum 31. Dezember 2026 endet und eine Kündigungsfrist von einem Monat gilt, ist der 30. November der reguläre Stichtag. Bei anderen Vertragslaufzeiten oder einem bestehenden Sonderkündigungsrecht können andere Termine maßgeblich sein. Wird meine Auslandsrente im November gestoppt, wenn der Lebensnachweis fehlt? Das ist möglich, wenn der Renten Service für 2026 einen Lebensnachweis verlangt hat und dieser nicht eingegangen ist. Die Frist endete am 9. Oktober 2026 und die Zahlungen können bereits ab Ende Oktober angehalten werden, bis der Nachweis vorliegt. Quellen Bundesfinanzministerium, Lohnsteuer-Handbuch 2026 zu § 39a EStG und dem Lohnsteuer-Ermäßigungsverfahren ELSTER, Offizielle Anleitung zum Antrag auf Lohnsteuer-Ermäßigung für 2027 Verbraucherzentrale, Kfz-Versicherung überprüfen und mehrere hundert Euro sparen § 40 Versicherungsvertragsgesetz zum Sonderkündigungsrecht bei Beitragserhöhungen Deutsche Rentenversicherung, Rechtliche Erläuterungen zu § 118 SGB VI und den Rentenzahlungsterminen § 235 SGB VI zur Regelaltersgrenze § 236b SGB VI zur Altersrente für besonders langjährig Versicherte

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Kürzungspläne bei der Rente machen frühen Rentenantrag attraktiv

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29. Oktober 2026

Die Angst vor schlechteren Rentenbedingungen kann einen früheren Rentenantrag attraktiv machen. Damit droht die Politik einen Anreiz zu setzen, der ihrem Ziel längerer Erwerbsarbeit entgegenwirkt. Die Reform verunsichert schon vor dem Gesetz Die Alterssicherungskommission empfiehlt, die abschlagsfreie Altersrente für besonders langjährig Versicherte abzuschaffen. Außerdem soll der früheste Beginn der Altersrente nach 35 Versicherungsjahren von 63 auf 64 Jahre steigen. Diese Empfehlungen ändern die bestehenden Ansprüche noch nicht. Die Deutsche Rentenversicherung stellt ausdrücklich klar, dass bis zum Inkrafttreten entsprechender Gesetze das geltende Rentenrecht anzuwenden ist. Wie viel weiterhin offen ist, zeigt eine am 27. Oktober veröffentlichte Antwort der Bundesregierung: Die Folgen einer möglichen Abschaffung für unterschiedliche Personengruppen könne sie derzeit nicht angeben, weil die konkrete Ausgestaltung noch erarbeitet werde. Für Beschäftigte kurz vor dem geplanten Rentenbeginn bedeutet diese Ungewissheit ein erhebliches Planungsproblem. Besonders heikel bleibt deshalb, welche Übergangsregeln bei der Rente nach 45 Jahren gelten könnten. Eine politische Zusage ersetzt keine gesetzliche Regelung, auf die sich Versicherte bei ihrer Lebensplanung verlassen können. Eine beantragte Rente bedeutet noch keinen Berufsausstieg Seit Januar 2023 dürfen Bezieher einer Altersrente grundsätzlich unbegrenzt hinzuverdienen, ohne dass die Altersrente wegen dieses Verdienstes gekürzt wird. Das gilt auch für vorgezogene Altersrenten; für Erwerbsminderungsrenten bestehen dagegen weiterhin andere Vorgaben. Wer die Voraussetzungen erfüllt, kann daher bereits Rente beziehen und weiterarbeiten. Ein früherer Rentenbeginn verrät für sich genommen weder, ob jemand den Arbeitsplatz verlässt, noch, ob die Arbeitszeit sinkt. Für die Finanzierung bleibt ein früherer Leistungsbezug dennoch relevant, weil die Rentenkasse früher zahlt. Ob zugleich Arbeitskräfte und Beitragseinnahmen verloren gehen, hängt davon ab, wie die Betroffenen ihre Beschäftigung tatsächlich verändern. Auch ein Nebenjob lässt sich mit einer Altersrente verbinden, wie unser Beitrag zu Minijob und Rente ab 2026 erläutert. Die fehlende Hinzuverdienstgrenze bedeutet allerdings keine allgemeine Befreiung von Steuern und Sozialabgaben. 45 Versicherungsjahre bedeuten heute keine Rente mit 63 Die verbreitete Bezeichnung „Rente mit 63“ führt bei der abschlagsfreien Altersrente nach 45 Versicherungsjahren inzwischen in die Irre. Für den Jahrgang 1962 liegt die Altersgrenze bei 64 Jahren und acht Monaten, für 1963 bei 64 Jahren und zehn Monaten und ab 1964 bei 65 Jahren. Die folgende Tabelle zeigt die geltenden Regeln für die beiden Altersrenten nach 35 beziehungsweise 45 Versicherungsjahren. Die Abschläge beziehen sich auf einen Beginn genau mit 63 Jahren; besondere Rentenarten, etwa für schwerbehinderte Menschen, sind darin nicht enthalten. Jahrgang Abschlagsfrei nach 45 Jahren Regelaltersgrenze Abschlag mit 63 nach 35 Jahren 1962 64 Jahre und 8 Monate 66 Jahre und 8 Monate 13,2 Prozent 1963 64 Jahre und 10 Monate 66 Jahre und 10 Monate 13,8 Prozent Ab 1964 65 Jahre 67 Jahre 14,4 Prozent [6] [8] [9] Ein vorschneller Beginn kann lebenslang teuer werden Wer vor der Altersgrenze für die abschlagsfreie Rente beginnen möchte, muss die Voraussetzungen einer anderen Rentenart erfüllen. Bei der Altersrente für langjährig Versicherte nach 35 Jahren beträgt der Abschlag grundsätzlich 0,3 Prozent für jeden Monat vor der dafür geltenden abschlagsfreien Altersgrenze. Für Versicherte ab Jahrgang 1964 ergeben sich bei einem Beginn mit 63 statt mit 67 Jahren insgesamt 14,4 Prozent. Dieser Abschlag bleibt grundsätzlich auch nach Erreichen der Regelaltersgrenze bestehen. Hinzu kommt eine folgenreiche Einschränkung: Nach bindender Bewilligung einer Altersrente oder für Zeiten ihres Bezugs ist der Wechsel in eine andere Altersrente grundsätzlich ausgeschlossen. Wer zunächst die Rente mit Abschlägen wählt, kann deshalb regelmäßig nicht später in die abschlagsfreie Altersrente nach 45 Jahren wechseln. Warum auch nach 45 Versicherungsjahren lebenslange Abschläge drohen können, sollte deshalb vor jeder Entscheidung geklärt sein. Aus Angst vor einer möglichen Verschlechterung kann sonst eine sofortige und dauerhafte Einbuße entstehen. Ein früher Antrag friert die Rechtslage nicht ein Ein vorsorglich eingereichter Antrag sichert die heutigen Regeln nicht automatisch für einen späteren Rentenbeginn. Darauf weist die Deutsche Rentenversicherung ausdrücklich hin: Ein früher Antrag kann eine günstigere Rechtslage nicht einfach für die Zukunft festschreiben. Wer Monate vor dem gewünschten Beginn handelt, braucht deshalb eine Auskunft zu seinem tatsächlichen Anspruch und muss mögliche gesetzliche Übergangsbestimmungen beachten. Der Eingang des Antrags allein ist kein verlässlicher Schutz vor einer späteren Reform. Der Vorwurf des Abkassierens greift zu kurz Wer gesetzlich vorgesehene Leistungen beantragt und zulässig weiterarbeitet, nutzt einen bestehenden Anspruch. Daraus pauschal einen Vorwurf gegen ältere Beschäftigte abzuleiten, lenkt von der Verantwortung für die gesetzlichen Anreize ab. Ebenso wenig lässt sich aus der Weiterarbeit Einzelner schließen, dass alle Beschäftigten problemlos länger durchhalten könnten. Eine Pflegekraft mit körperlichen Beschwerden hat andere Möglichkeiten als ein gesunder Beschäftigter, der seine Arbeit in Teilzeit fortsetzen kann. Ausgerechnet hierzu fehlt der Bundesregierung eine belastbare Datengrundlage: Nach einer im September veröffentlichten Antwort weiß sie nicht, für wie viele Menschen die Altersrente für langjährig Versicherte aus gesundheitlichen Gründen erforderlich ist. Wer den Zugang erschweren will, muss erklären, wie er die Folgen für diese Menschen einschätzen und abfedern möchte. Längeres Arbeiten braucht mehr als höhere Altersgrenzen Auch Unternehmen müssen sich an ihren eigenen Forderungen messen lassen. Wer längere Erwerbszeiten verlangt und zugleich ältere Beschäftigte mit Ausstiegsangeboten zum Gehen bewegt, schafft widersprüchliche Erwartungen. Eine glaubwürdige Politik für längere Beschäftigung muss deshalb auch die Arbeitsbedingungen verbessern. Menschen brauchen Arbeitsplätze, an denen sie bis zum vorgesehenen Rentenalter gesund bleiben können, und einen nachvollziehbaren Schutz, wenn das nicht gelingt. Die Bundesregierung muss außerdem rechtzeitig verbindlich klären, welche Jahrgänge von Änderungen betroffen wären und wie bereits vorbereitete Übergänge behandelt würden. Solange das offenbleibt, müssen Versicherte Entscheidungen unter Unsicherheit treffen, deren finanzielle Folgen sie über Jahrzehnte tragen. Praxisbeispiel mit 192 Euro weniger im Monat Ein fiktiver Lagerist des Jahrgangs 1962 hat mit genau 64 Jahren bereits 45 anrechenbare Versicherungsjahre erreicht. Nach geltendem Recht könnte er acht Monate später die abschlagsfreie Altersrente für besonders langjährig Versicherte beziehen. Beginnt er aus Sorge vor der Reform stattdessen sofort die Altersrente für langjährig Versicherte, liegt er 32 Monate vor deren abschlagsfreier Altersgrenze von 66 Jahren und acht Monaten. Der dauerhafte Abschlag beträgt 9,6 Prozent; aus angenommenen 2.000 Euro Monatsrente ohne Abschlag werden 1.808 Euro brutto. Den monatlichen Unterschied von 192 Euro muss er gegen die acht Monate früheren Rentenzahlungen und seine persönliche Situation abwägen. Die vereinfachte Rechnung lässt weitere Beiträge und Rentenanpassungen ebenso außer Betracht wie Steuern und Sozialabgaben. Sieben Fragen und Antworten Ist die Abschaffung der abschlagsfreien Rente nach 45 Jahren bereits geltendes Recht? Nein, nach dem Stand vom 28. Oktober 2026 besteht diese Altersrente weiterhin. Die Bundesregierung arbeitet an der gesetzlichen Umsetzung der Reformempfehlungen; deren konkrete Ausgestaltung ist noch offen. Kann ich nach 45 Versicherungsjahren immer mit 63 abschlagsfrei in Rente gehen? Nein, zusätzlich müssen Sie die Altersgrenze Ihres Geburtsjahrgangs erreichen. Ab Jahrgang 1964 liegt sie nach geltendem Recht bei 65 Jahren. Darf ich eine vorgezogene Altersrente beziehen und weiterarbeiten? Ja, für Altersrenten gilt grundsätzlich keine Hinzuverdienstgrenze mehr. Der zusätzliche Verdienst kürzt die Altersrente deshalb nicht, kann aber steuerliche und sozialversicherungsrechtliche Folgen haben. Verschwinden Abschläge beim Erreichen der Regelaltersgrenze? Nein, die Abschläge auf die vorzeitig in Anspruch genommenen Rentenansprüche bleiben grundsätzlich lebenslang bestehen. Spätere zusätzliche Rentenansprüche können die Zahlung erhöhen, beseitigen den ursprünglichen Abschlag aber nicht automatisch. Kann ich später in die abschlagsfreie Altersrente nach 45 Jahren wechseln? Das ist nach bindender Bewilligung einer anderen Altersrente oder für Zeiten ihres Bezugs grundsätzlich ausgeschlossen. Deshalb sollten Sie die Rentenart und den gewünschten Beginn vorab sorgfältig vergleichen. Sichert ein vorsorglicher Rentenantrag die heutigen Bedingungen? Nein, ein früher Antrag allein schreibt die geltenden Regeln nicht für einen späteren Rentenbeginn fest. Welche Vorschriften dann anzuwenden sind, hängt vom geltenden Recht und möglichen Übergangsbestimmungen ab. Was sollte ich vor einer Entscheidung konkret berechnen lassen? Lassen Sie die möglichen Rentenbeginne mit den jeweiligen Abschlägen und die Vollständigkeit Ihres Versicherungsverlaufs prüfen. Für die Entscheidung zählt außerdem, wie sich früher ausgezahlte Renten, weiteres Arbeitseinkommen und die spätere monatliche Rente unter Berücksichtigung Ihrer Abgaben gegenüberstehen.

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Witwenrente: Der Hochzeitstermin entscheidet über Höhe der Abfindung

Beitragsbild von: Witwenrente: Der Hochzeitstermin entscheidet über Höhe der Abfindung

29. Oktober 2026

Wer kurz vor der Altersgrenze für die große Witwenrente erneut heiratet, sollte den Termin genau prüfen. Schon wenige Tage können darüber entscheiden, ob die Rentenversicherung die Abfindung um bisherige Bezugsmonate kürzt. Bereits der entstandene Anspruch auf die große Witwenrente verhindert die Kürzung. Neue Ehe beendet die laufende Witwenrente Mit einer Wiederheirat endet die gesetzliche Witwenrente zum Ablauf des Hochzeitsmonats. Bei der ersten Wiederheirat nach dem Tod des bisherigen Ehepartners sieht § 107 SGB VI dafür grundsätzlich eine Rentenabfindung in Höhe von 24 berechneten Monatsbeträgen vor. Bei der zeitlich begrenzten kleinen Witwenrente fällt diese Zahlung geringer aus: Bereits berücksichtigte Bezugsmonate vermindern den Faktor 24. Sind etwa 18 Monate anzurechnen, bleiben sechs Monatsbeträge als Abfindung. Eine neue Partnerschaft ohne Heirat beendet keine gesetzliche Witwenrente. Der Anspruch entscheidet, nicht die letzte Überweisung Abschnitt 7 der DRV-Anweisungen zu § 107 SGB VI behandelt den Übergang zwischen kleiner und großer Witwenrente. Sind die Voraussetzungen der großen Rente bei der Wiederheirat bereits erfüllt, entfällt die Kürzung auch dann, wenn im Hochzeitsmonat noch die kleine Rente läuft. Die DRV nennt dazu die Reihenfolge: Altersgrenze am 16. Mai erreicht, Hochzeit am 20. Mai. Der spätere Beginn der großen Rente steht verhindert keine ungekürzte Abfindung. Welche Altersgrenze gilt für Sie? Die Altersgrenze richtet sich nach dem Todesjahr des verstorbenen Ehepartners. Entscheidend ist deshalb nicht einfach das Jahr, in dem Sie wieder heiraten. Todesjahr des Ehepartners Altersgrenze für die große Witwenrente 2024 46 Jahre und 2 Monate 2025 46 Jahre und 4 Monate 2026 46 Jahre und 6 Monate 2027 46 Jahre und 8 Monate 2028 46 Jahre und 10 Monate Ab 2029 47 Jahre Starb Ihr Ehepartner 2025, bleibt es für Ihren altersabhängigen Anspruch bei 46 Jahren und vier Monaten, auch wenn die neue Hochzeit 2026 stattfindet. Lassen Sie sich vor der Terminentscheidung den genauen Tag bestätigen, an dem Sie die Altersvoraussetzung erfüllen. Große Witwenrente ist auch ohne Erreichen der Altersgrenze möglich Der Unterschied zwischen kleiner und großer Witwenrente hängt nicht ausschließlich am Alter. Eine große Witwenrente kommt auch bei Erwerbsminderung oder bei der Erziehung eines eigenen Kindes infrage ( gilt auch für ein Kind des verstorbenen Ehepartners unter 18 Jahren). Auch die Sorge für ein Kind mit Behinderung kann genügen, wenn es sich nicht selbst unterhalten kann und mit Ihnen in häuslicher Gemeinschaft lebt. Diese Ausnahme bei einem erwachsenen Kind mit Behinderung begründet einen Anspruch unabhängig von der Altersgrenze. 24 Monatsbeträge bedeuten nicht automatisch 24 große Renten Der Wegfall der Kürzung verändert den Multiplikator, aber nicht rückwirkend die  Rentenbeträge. Grundsätzlich zählt der Durchschnitt der letzten zwölf Kalendermonate; die bisherige kleine Rente prägt also auch weiterhin die  Berechnung. § 107 Absatz 2 SGB VI enthält Sonderregeln für eine Hochzeit in den ersten 15 Kalendermonaten nach dem Sterbemonat. Dadurch fließen die erhöhten Zahlungen des Sterbevierteljahrs nicht einfach als Rentenbetrag in die Abfindung ein. Lassen Sie sich deshalb sowohl den Monatsdurchschnitt als auch den angewandten Faktor erläutern. Ein Bescheid kann den richtigen Durchschnitt enthalten und trotzdem zu wenig Geld zusprechen, weil der verminderte Faltor falsch ist. Bei altem Recht entfällt die Kürzung ohnehin Nicht jede kleine Witwenrente unterliegt der Begrenzung auf 24 Kalendermonate. Die Besitzstandsregeln greifen, wenn der frühere Ehepartner vor 2002 gestorben ist oder wenn die Ehe vor 2002 geschlossen wurde und mindestens einer der damaligen Ehepartner vor dem 2. Januar 1962 geboren ist. Für diese Fälle schließt § 269b SGB VI die Anrechnung bereits geleisteter kleiner Witwenrenten auf die Abfindung aus. Prüfen Sie, ob für Ihre Hinterbliebenenrente altes oder neues Recht gilt. Abfindungsbescheid prüfen und rechtzeitig widersprechen Beantragen Sie die Abfindung und weisen Sie auf den Zeitpunkt hin, zu dem die Voraussetzungen der großen Witwenrente erfüllt waren. Bitten Sie darum, diesen Zeitpunkt bei der Prüfung zu berücksichtigen. Hat die Rentenversicherung trotzdem Bezugsmonate abgezogen, können Sie gegen den Bescheid Widerspruch einlegen. Bei Bekanntgabe beträgt die Frist einen Monat; beachten Sie dazu die Rechtsbehelfsbelehrung. Fiktives Beispiel: Juliette aus Wiesbaden Juliettes Ehemann Matteo ist 2025 gestorben, sie erhält noch die kleine Witwenrente nach neuem Recht. Am 16. November 2026 erfüllt sie die Altersvoraussetzung von 46 Jahren und vier Monaten, am 20. November heiratet sie erneut. Obwohl im November noch die kleine Rente eingeht, darf die DRV die Abfindung nicht um die bisherigen Bezugsmonate kürzen. Ergibt die gesonderte Berechnung einen Monatsdurchschnitt von angenommenen 400 Euro, erhält Juliette 24 mal 400 Euro, also 9.600 Euro. Fragen und Antworten zur Abfindung der Witwenrente Muss die große Witwenrente vor der Hochzeit schon ausgezahlt worden sein? Nein, entscheidend ist der bereits entstandene Anspruch dem Grunde nach. Welches Jahr bestimmt die Altersgrenze? Das Todesjahr des früheren Ehepartners, nicht das Jahr der neuen Hochzeit. Erhalte ich automatisch das 24-Fache der höheren Rente? Nein, der Monatsbetrag für die Abfindung wird gesondert berechnet. Wird jede kleine Witwenrente bei der Abfindung gekürzt? Nein, für die geschützten Altfälle schließt § 269b SGB VI diese Kürzung aus. Gelten die Regeln auch für Witwer? Ja, § 107 SGB VI erfasst Witwenrenten und Witwerrenten gleichermaßen. Quellen Deutsche Rentenversicherung: Gemeinsame Rechtliche Anweisungen zu § 107 SGB VI, vor allem Abschnitte 5 bis 7, Stand 23. September 2024. Gesetze im Internet: § 46, § 107, § 242a und § 269b SGB VI; § 84 SGG.

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Merz-Regierung will Rente mit 63 streichen: Diese Jahrgänge wären nach Reform noch geschützt

Beitragsbild von: Merz-Regierung will Rente mit 63 streichen: Diese Jahrgänge wären nach Reform noch geschützt

29. Oktober 2026

Friedrich Merz hält am Ende der abschlagsfreien Frührente nach 45 Versicherungsjahren fest. Für Beschäftigte kurz vor dem Ruhestand steht damit eine Frage im Raum, die über mehrere Jahre Lebensplanung entscheidet: Welcher Jahrgang dürfte noch nach den bisherigen Regeln gehen? Merz hält an der Abschaffung fest – Schweitzer will einen Kompromiss Beim Deutschen Arbeitgebertag am 13. Oktober 2026 verteidigte der Bundeskanzler das Vorhaben erneut. „Auch das Ende der abschlagsfreien Frühverrentung macht die Rente gerechter“, sagte Merz laut der von der Bundesregierung veröffentlichten Rede. Sein Argument: Wenn immer weniger Beschäftigte immer mehr Rentner finanzieren müssen, könne sich das System einen abschlagsfreien früheren Ausstieg gesunder Versicherter nicht leisten. Für Betroffene, die Jahrzehnte gearbeitet und ihren Ruhestand bereits vorbereitet haben, beantwortet diese Begründung allerdings noch keine einzige Frage zum Übergang. Hinzu kommt eine neue politische Entwicklung: Bundesarbeitsminister Alexander Schweitzer erklärte am 17. Oktober gegenüber der „Rheinpfalz“, er strebe bei der Rente nach 45 Jahren einen Kompromiss an. Nach dem Bericht der Nachrichtenagentur dpa verwies er dabei auf die ursprüngliche Vereinbarung im Koalitionsvertrag, diese Rentenart grundsätzlich beizubehalten. Damit ist selbst innerhalb der Bundesregierung weiter umstritten, wie weit die Änderungen gehen sollen. Merz’ politische Forderung ist deshalb noch keine Entscheidung darüber, wem der bisherige Rentenzugang erhalten bleibt. Jahrgang 1966 wird immer wieder genannt Die häufig genannte Grenze stammt aus einem frühen Arbeitsentwurf zur Umsetzung der Reformvorschläge. Nach der Darstellung des Rentenrechtlers Peter Knöppel sollten die Jahrgänge 1964 bis 1966 die abschlagsfreie Altersrente mit 65 nach 45 Versicherungsjahren weiterhin nutzen können. Für die Jahrgänge 1967 bis 1971 waren besondere Schutzregeln vorgesehen, bei denen eine rechtzeitig verbindlich vereinbarte Altersteilzeit Bedeutung bekommen könnte. Ab Jahrgang 1972 sollte der allgemeine Zugang zu dieser Rentenart nach diesem Modell entfallen. Allerdings wurde das Papier nach damaligen Presseberichten vom Bundesarbeitsministerium bereits als überholter Entwurf eines Fachreferats eingeordnet. Die Jahrgänge daraus als feststehende Schutzgrenzen zu verkaufen, würde daher Sicherheit vortäuschen. Die Jahrgänge im Vergleich: geltendes Recht und frühes Entwurfsmodell Die Tabelle zeigt den Unterschied zwischen einem heutigen Rentenanspruch und einer möglichen Übergangsregel. Die Angaben in der rechten Spalte beschreiben ausschließlich das frühe, inzwischen als überholt bezeichnete Modell und keine beschlossene Reform. Geburtsjahrgang Heute: abschlagsfreier Zugang nach 45 anrechenbaren Versicherungsjahren Frühes Entwurfsmodell – rechtlich unverbindlich 1962 Mit 64 Jahren und 8 Monaten Bisherige Altersgrenze sollte erhalten bleiben. 1963 Mit 64 Jahren und 10 Monaten Bisherige Altersgrenze sollte erhalten bleiben. 1964 bis 1966 Mit 65 Jahren Abschlagsfreier Zugang nach 45 Jahren sollte erhalten bleiben. 1967 bis 1971 Mit 65 Jahren Erhalt nur unter besonderen Schutzvoraussetzungen, etwa bei rechtzeitig vereinbarter Altersteilzeit. 1972 und jünger Mit 65 Jahren Kein allgemeiner Zugang mehr zur bisherigen Altersrente nach 45 Jahren vorgesehen. Nach geltendem Recht können also auch die Jahrgänge ab 1967 weiterhin mit 65 abschlagsfrei in diese Altersrente gehen, wenn sie die Voraussetzungen erfüllen. Ob dieses Recht bis zu ihrem tatsächlichen Rentenbeginn unverändert bestehen bleibt, hängt von künftigen Gesetzen ab. Fünf Jahre Übergang sind bisher eine politische Forderung Die damalige Arbeitsministerin Bärbel Bas zeigte sich Ende August laut ZDFheute offen für eine Übergangszeit von ungefähr fünf Jahren. Unionsfraktionschef Thorsten Frei hielt diese Dauer im September dagegen für zu lang. Eine solche Frist lässt sich noch nicht in einen sicheren letzten Geburtsjahrgang umrechnen. Dafür müsste feststehen, wann sie beginnt, wann sie endet und ob das Gesetz an den Geburtstag, den Rentenbeginn oder eine bereits geschlossene Vereinbarung anknüpft. Auch Merz hat Übergangszeiten in Aussicht gestellt, ohne damit einen verbindlichen Stichtag festzulegen. Wer heute behauptet, ein bestimmter Jahrgang sei allein wegen der Fünfjahresdebatte garantiert geschützt, greift dem Gesetzgeber vor. Die „Rente mit 63“ beginnt für viele längst erst mit 65 Der politische Name verdeckt, worum es tatsächlich geht: um die Altersrente für besonders langjährig Versicherte. Für alle ab 1964 Geborenen liegt deren Altersgrenze bereits heute bei 65 Jahren, wie auch die Bundesregierung zu den geltenden Rentenregeln erläutert. Die 45 anrechenbaren Jahre allein erlauben keinen beliebig frühen abschlagsfreien Ausstieg. Wer diese Wartezeit schon mit 61 oder 62 erfüllt, muss trotzdem das für seinen Jahrgang vorgeschriebene Alter erreichen. Davon zu unterscheiden ist die Altersrente für langjährig Versicherte nach 35 Versicherungsjahren, die derzeit ab 63 mit dauerhaften Abschlägen möglich ist. Die Unterschiede erläutert gegen-hartz.de auch im Beitrag zum Rentenbeginn der Jahrgänge 1964 und 1965. Ein früher Rentenantrag sichert die heutigen Regeln nicht automatisch Eine Rentenplanung nach heutigem Recht ist noch keine Garantie gegen spätere Gesetzesänderungen. Die Deutsche Rentenversicherung weist ausdrücklich darauf hin, dass sich eine vermeintlich günstigere Rechtslage nicht dadurch für die Zukunft sichern lässt, dass der Antrag besonders früh gestellt wird. Welche Regeln für einen künftigen Rentenbeginn gelten, entscheidet sich nach dem dann geltenden Recht einschließlich möglicher Übergangsvorschriften. Die Hinweise der Rentenversicherung zur Reformdebatte stellen zugleich klar, dass Kommissionsempfehlungen noch keine Gesetze sind. Für bereits vereinbarte Altersteilzeit könnten besondere Vorschriften entstehen, wie sie im frühen Modell angedacht waren. Ob ein konkreter Vertrag darunterfällt, lässt sich jedoch erst anhand der endgültigen gesetzlichen Voraussetzungen beurteilen. Der mögliche Verlust wäre mehr als ein späterer Termin Fiele die abschlagsfreie Altersrente nach 45 Jahren weg, müssten Betroffene je nach künftiger Rechtslage länger arbeiten, die Zeit bis zur Rente anders finanzieren oder einen Zugang mit Abschlägen wählen. Die bereits erworbenen Rentenanwartschaften würden durch die Abschaffung einer Rentenart nicht einfach verschwinden. Für Jahrgänge ab 1964 beträgt der Unterschied zwischen dem heutigen abschlagsfreien Zugang mit 65 nach 45 Jahren und der Regelaltersgrenze 67 zwei Jahre. Wer stattdessen mit 65 die Altersrente nach 35 Jahren nutzt, nimmt nach heutigem Recht grundsätzlich 7,2 Prozent dauerhaften Abschlag in Kauf. Allerdings steht auch der früheste Zugang nach 35 Jahren zur Diskussion: Die Rentenkommission empfiehlt eine Anhebung von 63 auf 64 Jahre. Welche Vorschläge zusammen Gesetz werden, bleibt deshalb für die gesamte Planung entscheidend; gegen-hartz.de ordnet die möglichen Folgen der Reform für einzelne Jahrgänge näher ein. Was Versicherte jetzt tatsächlich klären können Unabhängig vom Streit in Berlin lässt sich prüfen, ob die 45 Jahre zum gewünschten Rentenbeginn überhaupt erfüllt wären. Besonders bei Arbeitslosigkeit kurz vor der Rente gelten Einschränkungen, die eine vermeintlich sichere Rechnung verändern können. Arbeitslosengeld I zählt in den letzten zwei Jahren vor dieser Altersrente grundsätzlich nicht mit; eine Ausnahme betrifft den Bezug infolge einer Insolvenz oder vollständigen Geschäftsaufgabe des Arbeitgebers. Was das für die Planung bedeutet, erklärt der Beitrag zur Zwei-Jahres-Falle bei der Rente nach 45 Jahren. Ein aktueller Versicherungsverlauf und eine individuelle Rentenauskunft schaffen dafür eine belastbare Grundlage. Wer jetzt einen Aufhebungsvertrag oder eine Altersteilzeit unterschreibt, sollte die finanziellen Folgen auch für den Fall prüfen lassen, dass die erhoffte Übergangsregel anders ausfällt.

Aktuelle Urteile zum Bürgergeld, Grundsicherung, Sozialhilfe und Rente

Gericht stoppt Vermieter, der Mietwohnungen abreißen und durch teure Wohnungen ersetzen wollte

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28. Oktober 2026

Drei Wohnhäuser abreißen und möblierte Mikroapartments als Ersatz anbieten: Damit ist eine Immobiliengesellschaft vor dem Verwaltungsgericht Köln gescheitert. Die Richter bestätigten die Ablehnung der Abrissgenehmigung, weil das angebotene Vermietungskonzept im konkreten Fall keinen gleichwertigen Ersatzwohnraum schuf. Das Urteil vom 16. Oktober 2026 trägt das Aktenzeichen 28 K 3595/24. Das Gericht veröffentlichte seine Mitteilung dazu am 27. Oktober 2026. Drei Wohnhäuser sollten verschwinden Die klagende Gesellschaft mit Sitz in Luxemburg wollte drei Wohnhäuser in der Kölner Neustadt-Nord abreißen lassen. Als Ersatz verwies sie auf ein Neubauvorhaben in Köln-Neuehrenfeld. Dort sollten überwiegend möblierte Apartments mit 21 bis 32 Quadratmetern für Ein- bis Zweipersonenhaushalte entstehen. Internet, Wäsche und Haushaltsutensilien sollten ebenso zum Angebot gehören wie ein Begrüßungspaket und eine optional angebotene Endreinigung. Warum der Abriss eine Genehmigung brauchte In Köln darf geschützter Wohnraum nicht ohne die erforderliche Genehmigung beseitigt oder einer anderen Nutzung zugeführt werden. Die Stadt hat auf Grundlage des nordrhein-westfälischen Wohnraumstärkungsgesetzes eine Wohnraumschutzsatzung erlassen, weil die Versorgung mit Mietwohnungen zu angemessenen Bedingungen besonders gefährdet ist. Eine Genehmigung ist nach der Gerichtsmitteilung in der Regel zu erteilen, wenn gleichwertiger Ersatzwohnraum geschaffen wird. Genau daran scheiterte das angebotene Vorhaben: Das Gericht sah die geplanten Apartments nicht als solchen Ersatz an. Wohnungspolitisch setzt die Entscheidung damit eine nachvollziehbare Grenze. Ein Neubau gleicht den Verlust gewöhnlicher Mietwohnungen nicht schon deshalb aus, weil darin ebenfalls Menschen übernachten können. Wohnen bedeutet mehr als ein Bett und Internet Nach der vom Gericht veröffentlichten Begründung muss Wohnraum als „Heimstätte im Alltag“ dienen. Davon unterscheidet das Wohnungsaufsichtsrecht Unterkünfte, die lediglich einem vorübergehenden oder übergangsweisen Aufenthalt dienen. Das Gericht bewertete dafür das Zusammenspiel aus vollständiger Möblierung, Ausstattung und erwartetem Mietniveau. Dieses Gesamtbild sprach aus seiner Sicht für eine vorübergehende Unterkunft. Die Entscheidung lässt sich deshalb nicht auf die Quadratmeterzahl reduzieren. Es ging um die Frage, ob das konkrete Angebot Menschen tatsächlich ein dauerhaftes Zuhause bieten sollte. Hohe Mieten und unbefristete Verträge Auch die erwarteten Mieten verstärkten die Zweifel des Gerichts. Nach den Ermittlungen der Stadt war mit Mieten deutlich über dem allgemeinen Mietniveau zu rechnen; einen konkreten Eurobetrag nennt die Mitteilung nicht. Nach Einschätzung des Gerichts werden solche Preise typischerweise für eine begrenzte Übergangszeit akzeptiert. Als dauerhafte Wohnlösung seien sie dagegen untypisch. Die vorgesehenen Verträge sollten grundsätzlich unbefristet sein und eine Mindestmietdauer von sechs Monaten vorsehen. Auch das überzeugte das Gericht angesichts des übrigen Vermietungskonzepts nicht. Kein allgemeines Verbot möblierter Wohnungen Das Urteil erklärt weder kleine Wohnungen noch möblierte Mietangebote pauschal für unzulässig. Es betrifft die Anerkennung des konkret angebotenen Neubauvorhabens als Ersatz für wegfallenden Wohnraum nach den Kölner Vorschriften. Ebenso wenig legt die Entscheidung eine bundesweite Mindestgröße für Mietwohnungen oder eine allgemeine Mietobergrenze fest. Ob ein anderes Apartmentkonzept als Ersatz anerkannt werden könnte, müsste anhand seiner Ausgestaltung und der anwendbaren Vorschriften geprüft werden. Über Konflikte um die Vermietung kleinster möblierter Räume hat gegen-hartz.de auch am Beispiel eines Berliner Mietshauses berichtet. Für den Kölner Fall ist jedoch die dortige Wohnraumschutzsatzung entscheidend. Was Menschen mit wenig Einkommen davon haben Für Wohnungssuchende mit wenig Geld zählt, ob ein Angebot auf Dauer bezahlbar und als Zuhause geeignet ist. Ein möbliertes Apartment kann eine praktische Übergangslösung sein, ohne den Verlust einer gewöhnlichen Mietwohnung auszugleichen. Wer auf Leistungen des Jobcenters angewiesen ist, sollte vor Abschluss eines neuen Mietvertrags die Anerkennung der konkreten Unterkunftskosten klären. Eine geringe Wohnfläche garantiert keine Kostenübernahme. Bei möblierten Angeboten lohnt außerdem ein Blick auf die Behandlung von Möblierungszuschlägen beim Wohngeld. Über einen individuellen Anspruch auf Sozialleistungen entscheidet das Kölner Urteil nicht. Rechtskraft ist nicht bestätigt Die Beteiligten können die Zulassung der Berufung beantragen; darüber würde das Oberverwaltungsgericht in Münster entscheiden. Eine Rechtskraft ist durch die Gerichtsmitteilung nicht bestätigt. Grundlage dieses Beitrags ist die offizielle Mitteilung des Verwaltungsgerichts Köln vom 27. Oktober 2026, nicht der Urteilsvolltext. Hinweise zur Klärung der Unterkunftskosten bietet die Bundesagentur für Arbeit. Sieben Fragen und Antworten Was hat das Verwaltungsgericht Köln entschieden? Es hat die Ablehnung einer Abrissgenehmigung für drei Wohnhäuser bestätigt. Das angebotene Neubauvorhaben mit überwiegend möblierten Mikroapartments genügte im konkreten Fall nicht als gleichwertiger Ersatzwohnraum. Warum reichten die Apartments nicht als Ersatz aus? Das Gericht sah in dem gesamten Vermietungskonzept ein Angebot für vorübergehendes Unterkommen. Dabei berücksichtigte es die Möblierung, die Ausstattung und die erwartbar hohen Mieten. Warum halfen unbefristete Mietverträge nicht? Die Vertragslaufzeit allein änderte aus Sicht des Gerichts nichts am Charakter des Angebots. Die übrige Ausgestaltung sprach weiterhin gegen ein dauerhaftes Zuhause. Sind möblierte Wohnungen jetzt verboten? Nein, ein allgemeines Verbot folgt aus dem Urteil nicht. Entschieden wurde über die Eignung eines bestimmten Vorhabens als Ersatzwohnraum nach den Kölner Vorschriften. Gilt die Entscheidung automatisch in anderen Städten? Nein, dafür müssen die jeweils geltenden Gesetze und örtlichen Satzungen geprüft werden. Die Begründung kann bei vergleichbaren Streitfällen als Argument dienen, ersetzt aber keine Prüfung des Einzelfalls. Verhindert das Urteil automatisch eine Kündigung? Nein, das Verfahren betraf die behördliche Abrissgenehmigung. Die Wirksamkeit einer mietrechtlichen Kündigung ist eine andere Frage. Ist das Urteil bereits rechtskräftig? Die Gerichtsmitteilung bestätigt keine Rechtskraft. Die Beteiligten können einen Antrag auf Zulassung der Berufung stellen.

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Das Jobcenter macht aus Kontoauszügen versteckten Umzug und verweigert dann das Bürgergeld

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28. Oktober 2026

Die Bankkarte wurde weit entfernt vom Wohnort eingesetzt – für das Jobcenter sprach das für einen Umzug zur Freundin. Ein schwerbehinderter Mann bekam deshalb keine Weiterbewilligung seiner monatlichen 1.131 Euro Bürgergeld. Das Landessozialgericht Nordrhein-Westfalen verpflichtete die Behörde zur vorläufigen Zahlung. Der aktuelle Fall zeigt, wie gefährlich es wird, wenn aus auffälligen Buchungen eine vermeintlich sichere Erkenntnis über das Leben eines Menschen entsteht. 370 Kilometer entfernt eingekauft – aber wer hatte die Karte? In dem verhandelten Fall zeigten Kontoauszüge zahlreiche Buchungen in der rund 370 Kilometer entfernten Region seiner Freundin. Drei unangekündigte Hausbesuche blieben erfolglos; auch seine Ärzte und sein Anwalt waren in deren Umgebung ansässig. Der Mann erklärte, wegen seiner gesundheitlichen Einschränkungen die Wohnung im zweiten Stock ohne Hilfe nicht verlassen zu können. Seine Freundin erledige Einkäufe mit seiner Karte und nutze auch sein Auto. Beim angekündigten Hausbesuch wurde er schließlich in seiner eingerichteten Wohnung angetroffen, samt Kleidung, Unterlagen und Lebensmitteln. In der Wohnung der Freundin fanden sich dagegen kaum Hinweise auf einen dauerhaften Einzug. Das Gericht nahm auch die belastenden Hinweise ernst Der Verdacht war allerdings nicht aus der Luft gegriffen: Besonders der ungewöhnlich niedrige Wasserverbrauch ließ auch das Gericht zweifeln. Es hielt die Erklärung, der Mann gehe lediglich sehr sparsam mit Wasser um, für wenig überzeugend. Dennoch sprachen die eidesstattlich versicherten Angaben, Zeugenaussagen und Feststellungen bei den Hausbesuchen insgesamt für den bisherigen Lebensmittelpunkt. Der Senat hielt dessen Fortbestand im Eilverfahren für überwiegend wahrscheinlich. Bis dahin waren bereits 1.500 Euro Mietrückstände aufgelaufen, die Wohnung war gekündigt und eine Gassperre angedroht. Ein Streit über Buchungsorte hatte damit längst Folgen für Wohnen und Versorgung. Was das Landessozialgericht tatsächlich entschieden hat Mit Beschluss vom 8. Juli 2025, Aktenzeichen L 21 AS 537/25 B ER, sprach das Gericht vorläufig 563 Euro Regelbedarf und 68 Euro Heizkosten monatlich ab dem 10. Februar 2025 zu. Die Unterkunftskosten von 500 Euro monatlich kamen ab März hinzu, weil die Februarmiete bereits bezahlt war. Die Anordnung galt bis zum 30. September 2025, längstens bis zu einer rechtskräftigen Entscheidung in der Hauptsache. Es handelt sich somit um einen Eilbeschluss aus dem Jahr 2025 und nicht um eine neue, endgültige Entscheidung über sämtliche Streitfragen. Ein Buchungsort ist noch kein Lebensmittelpunkt Nach § 30 Absatz 3 SGB I kommt es beim gewöhnlichen Aufenthalt darauf an, ob jemand an einem Ort mehr als nur vorübergehend verweilt. Wo eine Karte eingesetzt wird, beantwortet diese Frage allein noch nicht. Kurze Besuche bei einem Partner verlagern den gewöhnlichen Aufenthalt nicht automatisch. Umgekehrt reicht eine weiterbestehende Meldeadresse nicht, wenn jemand tatsächlich dauerhaft anderswo lebt. Davon getrennt gelten die Anforderungen an die Erreichbarkeit gegenüber dem Jobcenter. Aus der Feststellung, dass kein Umzug vorliegt, folgt deshalb keine pauschale Erlaubnis für beliebig lange oder nicht abgestimmte Abwesenheiten. Das Jobcenter muss auch entlastende Umstände prüfen Nach § 20 SGB X muss die Behörde den Sachverhalt von Amts wegen ermitteln und auch Umstände berücksichtigen, die für Betroffene sprechen. Wer lediglich belastende Hinweise zusammenzählt, wird dieser Pflicht nicht gerecht. Beobachtung Was zusätzlich geklärt werden muss Kartenzahlungen in einer anderen Stadt Wer hat die Karte tatsächlich benutzt und weshalb? Niemand öffnet beim unangekündigten Besuch Welche Erklärung gibt es, und was zeigen weitere Ermittlungen? Auffällig niedriger Verbrauch in der Wohnung Welche nachvollziehbaren Gründe bestehen, und passen diese zu den übrigen Umständen? Regelmäßige Aufenthalte beim Partner Handelt es sich um Besuche oder um eine dauerhafte Verlagerung des Alltags? Für Betroffene ist es deshalb sinnvoll, ungewöhnliche Buchungen konkret zu erläutern und vorhandene Nachweise einzureichen. Welche Grenzen für Wohnungsbesichtigungen gelten, erläutert unser Beitrag zu Hausbesuchen des Jobcenters und den Rechten der Betroffenen. „Nicht zuständig“ darf den Antrag nicht verschwinden lassen Hält sich ein Jobcenter für örtlich unzuständig, muss es den Antrag nach § 16 Absatz 2 SGB I unverzüglich an den zuständigen Leistungsträger weiterleiten. Im entschiedenen Fall war genau das unterblieben. Für Streitigkeiten zwischen Leistungsträgern sieht § 43 SGB I vorläufige Leistungen vor, wenn der Sozialleistungsanspruch besteht. Beantragt der Berechtigte diese, muss der zuerst angegangene Träger unter den gesetzlichen Voraussetzungen vorläufig leisten. Die Vorschrift schützt davor, zwischen Behörden ohne Existenzsicherung stehen zu bleiben. Sie ersetzt allerdings nicht die sonstigen Anspruchsvoraussetzungen und verpflichtet auch nicht jedes beliebige Jobcenter dauerhaft zur Zahlung. Bei fehlendem Geld reicht Abwarten nicht Gegen einen ablehnenden Bescheid kann grundsätzlich innerhalb eines Monats nach Bekanntgabe Widerspruch eingelegt werden. Dafür sollte eine zulässige Form genutzt werden, etwa ein unterschriebener Brief oder die Erklärung zur Niederschrift beim Jobcenter. Bei einer abgelehnten Weiterbewilligung führt der Widerspruch allein jedoch noch nicht zu neuen Zahlungen. Droht eine existenzielle Notlage, kommt zusätzlich eine einstweilige Anordnung nach § 86b Absatz 2 SGG beim Sozialgericht in Betracht. Aktuelle Kontoauszüge, Mietrückstände oder eine angekündigte Versorgungssperre können die Dringlichkeit belegen. Warum gerichtlicher Eilrechtsschutz neben einem Widerspruch erforderlich werden kann, erklärt auch unser Beitrag zum fehlenden Aufschub bei bestimmten Jobcenter-Bescheiden. Eilantrag auch ohne Ablehnungsbescheid möglich Wer rechtzeitig die Weiterbewilligung beantragt hat und trotzdem ohne Geld bleibt, muss bei einer akuten Notlage nicht erst einen Ablehnungsbescheid abwarten. Auch im entschiedenen Fall beantragte der Mann gerichtlichen Eilrechtsschutz, bevor das Jobcenter seinen Antrag ablehnte. Betroffene sollten dem Sozialgericht den gestellten Leistungsantrag, ihre bisherigen Nachfragen beim Jobcenter und Nachweise über die finanzielle Notlage vorlegen. Kontoauszüge: Datenschutz und Nachweise gehören zusammen Aus dem Fall folgt nicht, dass Betroffene vorsorglich sämtliche Ausgaben unkenntlich machen sollten. Erforderliche Angaben zur Prüfung des Leistungsanspruchs müssen erkennbar bleiben; zulässige Schwärzungen schützen dagegen nicht benötigte private Informationen. Welche Angaben verdeckt werden dürfen und welche lesbar bleiben müssen, zeigt unser Ratgeber zum richtigen Schwärzen von Kontoauszügen fürs Jobcenter. Eine verständliche Erklärung auffälliger Buchungen hilft bei der Aufklärung, ohne dass jedes private Detail offengelegt werden muss.

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Bis zu dieser Rente zahlen alle Rentner 0 Euro Steuern – Dr. Utz Anhalt: "Steuerpflichtig ist nicht steuerzahlend"

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28. Oktober 2026

17.084 Euro Jahresbruttorente und keine Einkommensteuer: Diese Zahl nennt Dr. Utz Anhalt in seiner Rechnung für Menschen, die 2026 in Rente gehen. Umgerechnet sind das durchschnittlich 1.423,67 Euro brutto im Monat. Doch wer daraus eine persönliche Steuerfreigrenze für alle Rentner ableitet, kann sich teuer verrechnen. Die tatsächliche Grenze hängt unter anderem vom Rentenbeginn und den abziehbaren Versicherungsbeiträgen ab. Anhalts Hinweis trifft deshalb einen häufigen Irrtum: „Steuerpflichtig ist nicht gleich steuerzahlend.“ 12.348 Euro Grundfreibetrag sind nicht die Bruttorentengrenze Der Grundfreibetrag beträgt 2026 für Alleinstehende 12.348 Euro. Er bezieht sich auf das zu versteuernde Einkommen, also den Betrag, der nach den steuerlichen Abzügen übrig bleibt. Die Bruttorente darf deshalb deutlich höher sein, ohne dass Einkommensteuer entsteht. Bei einem Rentenbeginn 2026 beträgt der Besteuerungsanteil 84 Prozent; 16 Prozent bleiben zunächst steuerfrei. Das bedeutet keineswegs, dass das Finanzamt 84 Prozent der Rente kassiert. Die Deutsche Rentenversicherung erläutert diesen Besteuerungsanteil ausdrücklich für den neuen Rentnerjahrgang. So entsteht die Grenze von 17.084 Euro Die folgende Rechnung übernimmt die auf volle Euro dargestellten Werte der BMF-Tabelle zur Rentenbesteuerung 2026. Das Ministerium weist auf mögliche Rundungsdifferenzen hin. Rechenschritt Betrag im Jahr Jahresbruttorente 17.084 Euro Abzüglich steuerfreier Rentenbetrag laut Tabelle 2.734 Euro Verbleibender steuerpflichtiger Rentenanteil 14.350 Euro Abzüglich Werbungskostenpauschbetrag 102 Euro Abzüglich Sonderausgabenpauschbetrag 36 Euro Abzüglich angenommener Vorsorgeaufwendungen 1.864 Euro Zu versteuerndes Einkommen 12.348 Euro Einkommensteuer 0 Euro Die Tabelle berücksichtigt den allgemeinen Krankenversicherungsbeitrag, aber keinen kassenindividuellen Zusatzbeitrag. Bei der Pflegeversicherung rechnet sie ohne Kinderlosenzuschlag und ohne Abschläge für Kinder. Höhere abziehbare Beiträge können die persönliche Grenze nach oben verschieben. Die 1.423,67 Euro sind lediglich der rechnerische Monatsdurchschnitt der Jahresrente. Wer erst während des Jahres in Rente geht oder zuvor Arbeitslohn erhalten hat, muss seine tatsächlichen Jahreseinkünfte betrachten. Ein Vergleich allein mit dem monatlichen Rentenbetrag reicht dann nicht. 1.500 Euro Rente bedeuten keine hohe Steuerrechnung Anhalt zeigt auch, warum eine Rente oberhalb des Tabellenwerts kein Anlass zur Panik ist. Bei 18.000 Euro Jahresbruttorente können unter vereinfachten Annahmen rund 13.020 Euro zu versteuerndes Einkommen verbleiben. Nach dem Einkommensteuertarif für 2026 ergeben sich daraus 98 Euro Einkommensteuer im gesamten Jahr. Dieser Betrag ist eine Beispielrechnung und gilt nicht automatisch für jeden Menschen mit 1.500 Euro Monatsrente. Auch die Aussage, ein Euro mehr Rente löse sofort eine Steuerzahlung aus, ist zu grob: Persönliche Abzüge und gesetzliche Abrundungen verhindern eine solche allgemeine Grenze. Oberhalb des Grundfreibetrags steigt die Belastung zunächst langsam. Warum der Rentenfreibetrag mit den Erhöhungen nicht mitwächst Der persönliche Rentenfreibetrag wird grundsätzlich anhand der Rente im Kalenderjahr nach dem Rentenbeginn als Eurobetrag festgelegt. Bei späteren regelmäßigen Rentenanpassungen bleibt dieser Betrag unverändert. Die Erhöhungen fließen deshalb vollständig in den steuerpflichtigen Rentenanteil ein, wie die Finanzverwaltung Nordrhein-Westfalen erklärt. Das erklärt, warum ein früherer Rentenbeginn keine dauerhaft gleichbleibende steuerfreie Quote der aktuellen Rente garantiert. Ob daraus tatsächlich eine Steuerzahlung entsteht, hängt weiterhin vom Grundfreibetrag und den persönlichen Abzügen ab. Einen Vergleich verschiedener Rentenbeginnjahre bietet unsere Tabelle zu den steuerunbelasteten Bruttorenten 2026. Mit der Aktivrente sind zusätzlich 2.000 Euro Lohn steuerfrei möglich Besonders auffällig wird Anhalts Rechnung, wenn zur Rente ein Arbeitslohn hinzukommt. Seit Januar 2026 können begünstigte Beschäftigte mit der Aktivrente bis zu 2.000 Euro monatlich steuerfrei verdienen. Die Befreiung greift ab dem Folgemonat nach Erreichen der gesetzlichen Regelaltersgrenze. Voraussetzung ist eine entsprechend begünstigte nichtselbstständige Beschäftigung, für die der Arbeitgeber die gesetzlich vorgesehenen Rentenversicherungsbeiträge oder Beitragszuschüsse entrichten muss. Selbstständige Tätigkeiten und Minijobs fallen nicht darunter. Auch ein früherer Rentenbeginn schließt die spätere Nutzung nicht aus, sobald die Altersvoraussetzung erfüllt ist; das bestätigen die BMF-Antworten zur Aktivrente. Bleibt die Rente nach den persönlichen Abzügen ohne Einkommensteuer und kommen zwölf Monate lang jeweils 2.000 Euro vollständig begünstigter Arbeitslohn hinzu, sind rechnerisch mehr als 41.000 Euro Bruttoeinnahmen ohne Einkommensteuer möglich. Das ist eine Kombination zweier steuerlicher Regeln unter bestimmten Voraussetzungen. Für einen beliebigen Rentner mit Nebenverdienst lässt sich dieses Ergebnis nicht versprechen. Der Unterschied zwischen zwei Nachbarn kann Tausende Euro betragen In Anhalts Vergleich erhalten zwei Nachbarn gleich viel Rente und Arbeitslohn, aber nur einer erfüllt bereits die Altersvoraussetzung für die Aktivrente. Beim anderen wird der regulär steuerpflichtige Lohn zusammen mit dem steuerpflichtigen Rentenanteil berücksichtigt. Entsteht dadurch beispielsweise ein zu versteuerndes Einkommen von 31.000 Euro, beträgt die tarifliche Einkommensteuer 2026 für einen Alleinstehenden 4.500 Euro. Die genaue Differenz lässt sich aus den Bruttobeträgen allein allerdings nicht berechnen. Versicherungsbeiträge, Werbungskosten und weitere persönliche Umstände verändern das Ergebnis. Wer über den Arbeitsbeginn entscheidet, sollte außerdem die Einnahmen berücksichtigen, auf die er durch Warten verzichten würde. Null Euro Steuern heißt nicht: Brutto gleich netto Von einer gesetzlichen Rente können auch dann Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge abgehen, wenn keine Einkommensteuer anfällt. Ebenso hebt die Aktivrente die Sozialversicherungspflicht einer Beschäftigung nicht auf. Die Bundesregierung weist ausdrücklich auf die weiter anfallenden Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge hin. Wer Wohngeld oder Grundsicherung bezieht, muss zusätzlich die dortigen Regeln zur Einkommensanrechnung beachten. Warum ein steuerfreier Arbeitslohn trotzdem Sozialleistungen mindern kann, erläutert unser Beitrag Aktivrente: Steuerfrei bedeutet nicht anrechnungsfrei. Eine Steuererklärung kann trotzdem Pflicht sein Die Grenze für eine Steuerzahlung darf nicht mit der Pflicht zur Steuererklärung verwechselt werden. Bei Alleinstehenden ohne lohnversteuerte Einkünfte kommt es nach § 56 Einkommensteuer-Durchführungsverordnung grundsätzlich darauf an, ob der Gesamtbetrag der Einkünfte den Grundfreibetrag überschreitet. Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge werden als Sonderausgaben erst in einem späteren Rechenschritt abgezogen. Deshalb kann eine Erklärung vorgeschrieben sein, obwohl am Ende null Euro Einkommensteuer herauskommen. Im Tabellenbeispiel bleiben nach dem Werbungskostenpauschbetrag zunächst 14.248 Euro Renteneinkünfte übrig – mehr als der Grundfreibetrag. Die Entlastung durch Versicherungsbeiträge beseitigt diese Erklärungspflicht nicht automatisch. Wer dauerhaft keine Einkommensteuer zahlen muss, sollte mit dem Finanzamt klären, ob es künftig auf die Abgabe einer Erklärung verzichtet. Eine entsprechende Rückmeldung sollte man aufbewahren und bei veränderten Einkünften erneut prüfen. Mehr dazu steht im Beitrag Keine Steuererklärung mehr: Wann Rentner davon befreit werden. So prüfen Sie Ihre persönliche Grenze Für eine erste Einschätzung bei ausschließlichem Bezug einer gesetzlichen Rente beginnen Sie mit der Jahresbruttorente und ziehen Ihren persönlichen steuerfreien Rentenbetrag ab. Anschließend berücksichtigen Sie den Werbungskostenpauschbetrag von 102 Euro, den Sonderausgabenpauschbetrag von 36 Euro und Ihre steuerlich abziehbaren Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge. Höhere nachgewiesene Werbungskosten oder weitere zulässige Abzüge können das Ergebnis zusätzlich verringern. Bleibt das zu versteuernde Einkommen im gewöhnlichen Fall ohne weitere Einkünfte oder besondere Steuertatbestände bei höchstens 12.348 Euro, fällt 2026 keine tarifliche Einkommensteuer an. Kommen etwa eine Betriebsrente, eine Witwenrente oder Vermietungseinkünfte hinzu, müssen deren steuerlich anzusetzende Beträge einbezogen werden. Die bloße Höhe der gesetzlichen Rente beantwortet die Steuerfrage dann nicht mehr. Praxisbeispiel: Trotz 1.500 Euro Monatsrente keine Einkommensteuer Die alleinstehende Helga erhält im fiktiven Beispiel 2026 insgesamt 18.000 Euro gesetzliche Bruttorente; ihr bereits feststehender Rentenfreibetrag beträgt 3.600 Euro. Ihre abziehbaren Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge belaufen sich auf 2.200 Euro, weitere Einkünfte hat sie nicht. Nach Abzug der beiden Pauschbeträge von zusammen 138 Euro bleiben 12.062 Euro zu versteuerndes Einkommen. Damit liegt Helga unter dem Grundfreibetrag und zahlt keine Einkommensteuer. Ihr Beispiel zeigt, warum die 17.084 Euro aus der BMF-Tabelle keine allgemeine Obergrenze sind. Eine Steuererklärung kann sie dennoch abgeben müssen, weil ihre Renteneinkünfte vor dem Sonderausgabenabzug höher liegen. Fünf Fragen und Antworten zur steuerfreien Rente Bis zu welcher Rente zahle ich 2026 keine Einkommensteuer? Für Alleinstehende mit Rentenbeginn 2026 nennt das Bundesfinanzministerium unter seinen Modellannahmen 17.084 Euro Jahresbruttorente. Andere Einkünfte, ein früherer Rentenbeginn und persönliche Abzüge können zu einem anderen Ergebnis führen. Werden bei einem Rentenbeginn 2026 wirklich 84 Prozent als Steuer abgezogen? Nein, die 84 Prozent beschreiben den Besteuerungsanteil der Rente. Ob und wie viel Einkommensteuer anfällt, ergibt sich erst nach den Abzügen und der Anwendung des Steuertarifs. Verdoppelt sich die Grenze bei Ehepaaren? Bei Zusammenveranlagung beträgt der gemeinsame Grundfreibetrag 2026 insgesamt 24.696 Euro. Eine individuelle Bruttorentengrenze ergibt sich daraus erst, wenn die Einkünfte und Abzüge beider Partner berücksichtigt werden. Kann ich zusätzlich zur Rente 2.000 Euro steuerfrei verdienen? Das ist mit der Aktivrente bei einer begünstigten Beschäftigung ab dem Folgemonat nach Erreichen der Regelaltersgrenze möglich. Die Steuerfreiheit des Lohns befreit jedoch weder eine ansonsten steuerbelastete Rente noch automatisch von Sozialabgaben. Muss ich bei null Euro Einkommensteuer eine Steuererklärung abgeben? Das kann erforderlich sein, weil die Erklärungspflicht und die tatsächliche Steuerzahlung unterschiedlich ermittelt werden. Allein ein Ergebnis unterhalb des Grundfreibetrags nach Abzug der Versicherungsbeiträge befreit nicht automatisch von der Erklärung.

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Pflegegeld: Bundesregierung will gesetzlich vorgesehene Erhöhungen wieder streichen

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28. Oktober 2026

Pflegebedürftige sollten zum 1. Januar 2028 mehr Geld erhalten. Doch die Bundesregierung beabsichtigt, die bereits gesetzlich vorgesehene Anpassung auszusetzen. Erst ab 2029 sollen die Pflegeleistungen nach einem neuen Verfahren jährlich steigen. Für Menschen, die zu Hause versorgt werden, und ihre Angehörigen würde damit eine eingeplante Entlastung entfallen. Beschlossen ist die Streichung allerdings noch nicht. Das Bundeskabinett hat am 30. September 2026 einen Gesetzentwurf verabschiedet, über den der Bundestag nach seiner Terminankündigung erstmals am 5. November beraten soll. Dr. Utz Anhalt: Pflegegeld-Erhöhung soll ausfallen Die Erhöhung für 2028 steht weiterhin im Gesetz Nach geltendem Recht steigen die Leistungsbeträge der Pflegeversicherung zum 1. Januar 2028. § 30 SGB XI sieht dafür einen Ausgleich anhand des aufgelaufenen Anstiegs der Kerninflation vor. Berücksichtigt werden die letzten drei Kalenderjahre, für die zum Anpassungszeitpunkt entsprechende Daten vorliegen. Mit Kerninflation ist die Preisentwicklung ohne Nahrungsmittel und Energie gemeint. Die Erhöhung darf nach der geltenden Regelung allerdings nicht stärker ausfallen als der Anstieg der Bruttolöhne und -gehälter je Beschäftigten im selben Zeitraum. Ein fester Prozentsatz für 2028 ist deshalb noch nicht festgelegt. Die angekündigte Streichung betrifft somit nicht bloß eine politische Zusage. Die Bundesregierung möchte eine bestehende gesetzliche Anpassungsregel ändern. Solange das nicht geschieht, bleibt der bisherige Termin bestehen. Ab 2029 soll eine andere Berechnung gelten Der Kabinettsentwurf sieht jährliche Anpassungen jeweils zum 1. Januar vor, beginnend im Jahr 2029. Als Grundlage soll ein Durchschnitt der Kerninflationsraten der letzten drei verfügbaren Kalenderjahre dienen, im Gesetzestext als geometrisches Mittel bezeichnet. Auch dabei soll die durchschnittliche Lohnentwicklung die Erhöhung begrenzen. Damit würde nicht lediglich der Auszahlungstermin verschoben. An die Stelle des vorgesehenen Ausgleichs der aufgelaufenen Preissteigerung träte eine jährlich wiederkehrende Anpassung. Eine Nachzahlung der für 2028 ausgelassenen Erhöhung ist in dieser Regelung nicht vorgesehen. Das Gesundheitsministerium stellt die jährliche Anpassung als langfristigen Gewinn an Verlässlichkeit dar. Tatsächlich enthält das bisherige Gesetz nach dem Erhöhungsschritt 2028 keinen dauerhaft wiederkehrenden Anpassungsmechanismus. Für den Übergang bliebe dennoch ein Nachteil, weil die bereits vorgesehene Erhöhung zunächst entfiele. Pflegeversicherung soll 2028 rund 4,7 Milliarden Euro weniger ausgeben Die Bundesregierung begründet den Schritt mit der angespannten Finanzlage der Pflegeversicherung. Nach ihren Berechnungen würde ohne Gegenmaßnahmen 2027 ein Defizit von rund 7,6 Milliarden Euro entstehen. Für 2028 werden mehr als 15 Milliarden Euro genannt. Wie viel die ausgelassene Erhöhung bringen soll, steht in der Finanzübersicht des Kabinettsentwurfs. Unter dem Posten „Wegfall der Dynamisierung im Jahr 2028“ werden für dieses Jahr Minderausgaben von 4,7 Milliarden Euro ausgewiesen. Das ist eine Schätzung der Bundesregierung für die Pflegeversicherung insgesamt, nicht allein für das Pflegegeld. Für die Betroffenen ist eine ausbleibende Anpassung auch dann spürbar, wenn der ausgezahlte Betrag unverändert bleibt. Werden Dienstleistungen und andere notwendige Ausgaben teurer, lässt sich mit demselben Geld weniger bezahlen. Eine spätere Erhöhung beseitigt diese zwischenzeitliche Belastung nicht. So viel Pflegegeld wird derzeit gezahlt Pflegegeld erhalten Menschen ab Pflegegrad 2, wenn sie ihre häusliche Pflege in geeigneter Weise selbst sicherstellen. Die Pflegekasse zahlt es an die pflegebedürftige Person. Diese kann das Geld beispielsweise als Anerkennung an Angehörige weitergeben, die die Versorgung übernehmen. Seit Januar 2025 gelten die folgenden Monatsbeträge. Sie sind weiterhin die Grundlage des gegenwärtigen Anspruchs und keine Prognose für die Leistungen nach einer möglichen Reform. Pflegegrad Derzeitiges Pflegegeld pro Monat Pflegegrad 2 347 Euro Pflegegrad 3 599 Euro Pflegegrad 4 800 Euro Pflegegrad 5 990 Euro Wer zusätzlich einen ambulanten Pflegedienst über die Pflegeversicherung nutzt, kann Pflegegeld und Pflegesachleistungen kombinieren. Das Pflegegeld wird dann anteilig berechnet. Der volle Tabellenbetrag steht deshalb nicht in jeder Versorgungssituation zur Verfügung. Bis 2029 soll trotzdem nicht alles unverändert bleiben Die geplante Aussetzung der Anpassung darf nicht mit einem vollständigen Stillstand sämtlicher Pflegeleistungen verwechselt werden. Der Gesetzentwurf sieht zugleich eine Neuordnung der häuslichen Pflege vor. Bisher getrennte Leistungen sollen in Budgets zusammengeführt werden. Das Pflegegeld soll künftig im Umfang eines höheren Entlastungsbudgets gezahlt werden. Daraus sollen unter anderem auch privat organisierte Ersatzpflege und zum Verbrauch bestimmte Pflegehilfsmittel finanziert werden. Ein höherer Monatsbetrag wäre deshalb nicht ohne Weiteres eine zusätzliche Entlastung in derselben Höhe. Welche Ausgaben künftig aus dem höheren Betrag bezahlt werden müssten, erläutert unser Beitrag zur geplanten Neuordnung des Pflegegeldes und der zusätzlichen Budgetaufgaben. Für Familien zählt die gesamte Versorgung über das Jahr, nicht nur der Vergleich zweier monatlicher Überweisungen. Familien müssen auch die Ersatzpflege mitrechnen Besonders deutlich wird das bei der Vertretung pflegender Angehöriger. Wer regelmäßig Unterstützung benötigt, wenn die Hauptpflegeperson ausfällt, muss diese Ausgaben in seine Planung einbeziehen. Nach der vorgesehenen Neuordnung würde es darauf ankommen, welche Art der Ersatzpflege benötigt wird und aus welchem Budget sie finanziert werden darf. Die Unterschiede beschreibt unser Artikel darüber, wie Ersatzpflege nach dem Entwurf aus neuen Budgets bezahlt werden soll. Eine größere frei verfügbare Monatszahlung und der Wegfall eines bisherigen gesonderten Anspruchs können sich finanziell sehr unterschiedlich auswirken. Für die eigene Haushaltsplanung empfiehlt sich deshalb eine Aufstellung der tatsächlich benötigten Hilfen. Dazu gehören regelmäßige Unterstützung, Vertretungszeiten und wiederkehrende Ausgaben. Erst daneben sollte gestellt werden, welche Leistungen die Pflegekasse heute übernimmt und was sich nach dem endgültigen Gesetz verändern würde. Bestehende Ansprüche sollten weiter genutzt werden Der Kabinettsbeschluss allein ändert keine laufende Pflegegeldzahlung. Die Bundesregierung weist ausdrücklich darauf hin, dass die vorgeschlagenen Änderungen noch nicht gelten. Pflegebedürftige müssen deshalb wegen der angekündigten Aussetzung keinen neuen Antrag stellen. Wer unsicher ist, ob die vorhandenen Leistungen den Unterstützungsbedarf ausreichend abdecken, kann die Pflegeberatung nutzen. Nach § 7a SGB XI besteht unter den gesetzlichen Voraussetzungen ein Anspruch auf individuelle Beratung und Hilfestellung. Dabei können auch die vorhandenen Hilfen und mögliche Versorgungslücken gemeinsam geprüft werden. Für neue finanzielle Verpflichtungen sollten dagegen weder eine bestimmte Erhöhung 2028 noch die angekündigten neuen Budgets als bereits gesicherte Einnahmen eingeplant werden. Über beide Punkte wird noch beraten. Entscheidend werden die verabschiedeten Vorschriften und ihre jeweiligen Starttermine sein. Im November beginnt die parlamentarische Beratung Für den 5. November 2026 hat der Bundestag die erste Lesung des Pflegeneuordnungsgesetzes angekündigt. Anschließend soll der Entwurf an die Ausschüsse überwiesen werden. Die vorgesehene Streichung der Erhöhung 2028 ist damit weiterhin Teil eines laufenden Gesetzgebungsverfahrens und noch keine verbindliche Änderung. Für Pflegebedürftige geht es bei den weiteren Beratungen nicht nur um einen späteren Erhöhungstermin. Vielmehr geht es darum, welche Unterstützung nach der Neuordnung tatsächlich übrig bleibt und ob sie die benötigte Versorgung trägt. Quellen Bundesgesundheitsministerium, Kabinettsentwurf des Pflegeneuordnungsgesetzes vom 30. September 2026, insbesondere die Änderung des § 30 SGB XI und die Übersicht der finanziellen Auswirkungen. Bundesgesundheitsministerium, Fragen und Antworten zum Pflegeneuordnungsgesetz, insbesondere zur ausgesetzten Anpassung 2028 und zur Einführung neuer Budgets.