Noch immer kein Corona-Zuschlag – Jobcenter lehnen massenweise Antrรคge ab
Wie zunรคchst zu erwarten war, lehnen die Jobcenter reihenweise die Antrรคge auf Zuschlรคge ab. Dabei fordern immer mehr Experten einen sog. Corona-Zuschlag fรผr Hartz IV Beziehende.
Die Jobcenter lehnen Zuschรผsse fรผr einen 14 Tage Vorrat massenhaft ab, um die hรคusliche Quarantรคne zu รผberstehen. Als Begrรผndung wird unter anderem angegeben, dass dieser Zuschuss “nicht zur Sicherung des Lebensunterhaltes dienen wรผrde”. Andere Jobcenter bieten stattdessen ein zinsloses Darlehen an. Das Darlehen soll dann von den Regelleistungen wieder abgezahlt werden.
Minister will รผber Zuschuss nachdenken
Dabei hatte der Bundesminister fรผr Arbeit und Soziales, Hubertus Heil (SPD) in der letzten ARD Sendung “Hart aber fair” betont, dass man รผber ein Hilfspaket nachdenken wolle. Bislang ist hiervon nichts mehr zu hรถren.
Immerhin hat Nordrhein-Westfalen bestรคtigt, dass auch Selbststรคndige, die gleichzeitig Hartz IV beziehen, ebenfalls Anspruchsberechtigt fรผr das Soforthilfeprogramm sind.
Sozialverband fordert Aufstockung und Einmalzahlung
Der Paritรคtische Gesamtverband hat eine sofortige Aufstockung der Hartz IV Regelleistungen von 100 EUR gefordert. Zudem sollte es eine Einmalzahlung von 200 Euro geben, damit der zusรคtzliche Bedarf an Arzneimitteln und erhรถhten Energiekosten in Zeiten der Corona-Krise gedeckt wird. โDie mit der Corona-Krise verbundene Schlieรung von Tafeln und anderen Unterstรผtzungssystemen stรผrze arme Menschen in existentielle Krisenโ, so die Begrรผndung. Daher fordere man “finanzielle Soforthilfen fรผr Bedรผrftige”. Zudem sollen alle Leistungskรผrzungen sofort beendet werden.
Experte sieht Hartz IV Beziehende im Stich gelassen
รhnliches forderte auch der Soziologe und Armutsforscher Christoph Butterwegge von der Universitรคt Kรถln. Von den Rettungspaketen komme bei den armen Menschen nichts an. Daher solle der Regelsatz um mindestens 100 EUR erhรถht werden. Fรผr Alleinstehende sehe der Regelsatz fรผr Ernรคhrung und Trinken gerade einmal 150 EUR im Monat vor, so der Experte. Von so wenig Geld kรถnne niemand sich ausreichend und gesund ernรคhren. Erst recht nicht, wenn Tafeln und Sozialkaufhรคuser geschlossen hรคtten, so der Forscher.
Linke fordert Pandemiezuschlag auf Sozialleistungen
Die Co-Vorsitzende der Linken, Katja Kipping, erklรคrte: โViele Tafeln schlieรen. In den Supermรคrkten sind nicht selten die billigen Produkte wie Reis und Nudeln ausverkauft, ein Notvorrat ist im Hartz-IV-Regelsatz nicht vorgesehenโ. Daher fordere sie und ihre Partei einen Pandemiezuschlag auf Sozialleistungen. โIn solchen Zeiten zeigt sich der Charakter einer Gesellschaft: Dominieren die Solidaritรคt und die gegenseitige Rรผcksicht, oder dominiert der kaltherzige Egoismus?”.