Weniger Leistungsmissbrauchsfรคlle im Vergleich zum Vorjahr
Im Gegensatz zur momentanen Berichterstattung werden immer weniger Verfahren gegen Hartz IV Bezieher wegen vorsรคtzlichen oder versehentlichen Leistungsmissbrauch eingeleitet. Das berichtet die Bundesagentur fรผr Arbeit (BA).
Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum wurden weniger Ermittlungen wegen Hartz IV Leistungsmissbrauch eingeleitet. Betrรผgerische und vorsรคtzliche Absichten mรผssen nicht immer der Grund hierfรผr sein, wie auch die BA bestรคtigt. Mal wird ein Nebenverdienst verschwiegen, mal werden im Antrag Renteneinkunfte vergessen.
Die 302 Jobcenter in Deutschland leiteten 2018 rund 144.000 Ermittlungen wegen des Verdachts auf Leistungsmissbrauch ein. “Im Gegensatz zu 2017 sind das etwa 3,1 Prozent weniger”, so eine Sprecherin der Bundesagentur.
Oft keine betrรผgerische Absicht
In der รถffentlichen Meinung entstehen durch Einzelfรคlle oftmals falsche Annahmen. Hรคufig liegt auch nach Ansicht der BA beim Leistungsmissbrauch keine betrรผgerische Absicht vor. Es kommt hรคufig vor, dass ungenaue oder falsche Angaben bei der Beantragung von Hartz IV gemacht werden, weil Antragsteller es schlicht und ergreifend nicht besser wissen oder geringe Einkรผnfte vergessen. Es passiert auch hรคufig, dass sich Lohneinkรผnfte aus einem neuen Job mit auslaufenden ALG II Zahlungen รผberschneiden. Auch hier kommt es nicht selten zu รberzahlungen, ohne dass der Leistungsbezieher einen Betrug begehen wollte.
Bei einem Datenabgleich stellte die BA 2018 fest, dass in 87700 Leistungen seitens der Antragsteller zum Teil zu Unrecht bezogen wurden. In 94 Prozent der Fรคllen wurden Zusatzeinnahmen aus geringfรผgigem oder versicherungspflichtigem Einkommen nicht angegeben. Demnach wurden rund 56,9 Millionen Euro zu Unrecht an Leistungen bezogen
Tatsรคchliche Betrรผgereien und andere Straftaten werden an die Staatsanwaltschaft รผbermittelt. Im Jahre 2018 sei dies “in 8.800 Fรคllen notwendig gewesen (2017: 10.300).”
Viel schwerwiegender sei das Thema Schwarzarbeit. Arbeitgeber prellen die Bundesagentur fรผr Arbeit um Sozialbeitrรคge in Millionenhรถhe. Die Arbeitgeber wollen sich die Abgaben und Steuern sparen. In 42.000 Fรคllen wurde seitens der BA die Zollverwaltung eingeschaltet. Das ist ein leichter Anstieg (2017, 39.000) im Vergleich zu 2018.
Zahl der Sanktionen gesunken: Meldeversรคumnisse hรคufigster Grund
Die Anzahl der Sanktionen ist ebenfalls im Vergleich zum Vorjahr gesunken. Die Jobcenter sprachen im letzten Jahr 904.000 Sanktionen gegen aus. Die Zahl der Leistungskรผrzungen ist damit im Vergleich zum Vorjahr um 49.000 gesunken. Mit 77 Prozent entfรคllt ein Groรteil der Sanktionen auf Meldeversรคumnisse. 693.000 solcher Sanktionen haben die Jobcenter im letzten Jahr aussgesprochen, weil vereinbarte Termine “ohne wichtigen Grund nicht wahrgenommen wurden”. Die Regelleistungen wurden in Mehrheit um 10 Prozent fรผr 3 Monate gekรผrzt.